Baywatch und Aqua-Aerobic – einmal 9 mit einem Bademeister

Bademeister: alles Baywatch und Rettungsboje? Nicht wirklich. Wir haben mit einem Bademeister gesprochen, der mit den Vorurteilen aufräumen möchte.

Baywatch und Aqua-Aerobic –  einmal 9 mit einem Bademeister

Vor dem inneren Auge? David Hasslhoff mit roter Rettungsboje und hautenger Badehose.

Ok, ganz ehrlich: wer hat nicht direkt Baywatch im Kopf, wenn er an einen Bademeister denkt? Vor unserem inneren Auge sprintet David Hasslhoff in hautenger Badehose und mit roter Rettungsboje unterm Arm durch den Sand in die Brandung, um unter der glühend heißen Sonne von Malibu Leben zu retten.

Manu ist 27 Jahre alt, seit zehn Jahren Bademeister und möchte mit dem klischeehaften Bild des Berufs aufräumen. Denn der ist vielseitiger, als die meisten wissen. Manu selbst hat vorletztes Jahr seinen Meister gemacht und ist damit Fachlich geprüfter Meister für Bäderbetriebe. Von Schwimmkursen über Aqua-Aerobic und Animation, Kindergeburtstage und Wasserparties bis hin zu Saunaaufgüssen* ist alles dabei. Aber eben auch mehr.

1. Wann hast Du die Entscheidung getroffen Bademeister zu werden?

Ich bin nicht als kleines Kind dagestanden und hab gesagt „ich will Bademeister werden“, sondern bin eher zufällig reingerutscht. Nach der Schule habe ich etliche Praktika absolviert, unter anderem als Landschaftsgärtner und später als Konditor. Das wollte ich dann auch erstmal werden, bis meine Mum auf die Ausbildungsstelle im Bad gestoßen ist. So bin ich zum ersten Mal auf den Beruf aufmerksam geworden – und nach einem Praktikum dann dabei geblieben.

2. Wie reagieren die Leute, wenn Du erzählst, was Dein Beruf ist?

Meistens kommt erstmal „Wow, das hab’ ich ja noch nie gehört“. Und dann häufig die Frage, wie ich darauf gekommen bin und ob ich das nur so nebenzu mache. Von manchen wird es schon auch belächelt, weil sie nicht wissen, was dahintersteckt. Im Großen und Ganzen sind die Reaktionen aber eigentlich immer positiv.

3. Was sind klassische Vorurteile, die Dir immer wieder begegnen?

Das wir den ganzen Tag nichts zu tun haben und nur planlos rumsitzen. So nach dem Motto: da könnte man jeden reinstellen. Ich denke, es wird oft deswegen belächelt, weil in den Köpfen der Leute ganz baywatchmäßig das Image vom braungebrannten Typ im weißen Hemd mit zu viel Brusthaar steckt. Da hat die Serie wohl einiges kaputt gemacht.

4. Ok, kein hauptberufliches Posieren mit Rettungsboje also. Wie sieht dann so ein Arbeitstag bei Dir aus?

Morgens um 6:30 Uhr beginne ich mit dem Überprüfen der Technik und der Kontrolle der Wasserqualität, händisch und über computergesteuerte Regelmessanlagen. Ich verteile Aufgaben an die Azubis und meine Angestellten, für die ich auch den restlichen Tag über Ansprechpartner bin, wenn zum Beispiel etwas ausfällt oder Sachen wie Sauna-Düfte und -öle nachbestellt werden müssen. Dann geht es an die Kontrolle und Reinigung der Hallen und Umkleiden. Wir prüfen unter anderem, ob die Rutschen und Sprungbretter verkehrssicher sind. Erst wenn das alles passt, wird das Bad geöffnet.

Ab dann sind wir, wie ich es gern nenne, die Mutti für alles: Pflaster auf Schürfwunden kleben, Seepferdchen abnehmen, Kontrollgänge im Bad und der Sauna machen, mit den Gästen quatschen. Und ganz allgemein Präsenz zeigen: es ist wichtig, dass die Gäste merken, dass jemand da ist, der aufpasst und Unfallpotentiale erkennt. Wichtig ist auch, dass das ganze Rettungsequipment da ist: vom Erste-Hilfe-Set bis zum Defibrillator (den ich zum Glück noch nie gebraucht habe!). Und natürlich die Schwimmringe, äh Rettungsringe, meine ich. 😉

5. Ist es als Bademeistern Pflicht, ein Seepferdchen zu haben?

Ganz ehrlich? Ich hab’ keins. Ich konnte auch erst spät so richtig schwimmen. Bademeister bin ich trotzdem geworden wie man sieht. Achso, den Beruf Bademeister an sich gibt es eigentlich auch gar nicht. Die richtige Bezeichnung lautet Fachangestellter für Bäderbetriebe. Dafür absolviert man eine 3-jährige Ausbildung mit beispielsweise Erste-Hilfe-Techniken und Schwimmen als Prüfungsfach. Außerdem wird geprüft, ob wir Menschen aus dem Wasser retten können – das ist bei Weitem nicht so einfach, wie es immer aussieht. Für die Beckenaufsicht und die Rettungsschwimmer, die uns teilweise unterstützen, reicht übrigens das silberne DLRG-Abzeichen.

6. Was wäre Dein Traum-Arbeitsplatz?

Naja, wer wäre nicht gern in Cancún in Mexiko am Strand? Mit roter Badehose und Rettungsboje unterm Arm bei 35 Grad Eis schlecken. Aber: ich lieb’ es, in Deutschland zu arbeiten, weil mir in dem Bad, in dem im momentan arbeite, die Atmosphäre sehr gut gefällt. Es ist sehr familiär, das sagt mir zu. Genau wie der enge Kontakt mit den Gästen und Stammgästen.

7. Lieber Hallenbad oder lieber Freibad?

Für mich persönlich: Freibad. Mir gefällt es, draußen an der frischen Luft zu arbeiten. Ich mag den Sommer an sich sehr gern, da ist ein Freibad als Arbeitsplatz natürlich perfekt. Klar kann es auch anstrengend sein, bei 35 Grad am Beckenrand zu stehen, während alle im Wasser sind außer ich. Aber die Tage gehen super schnell vorbei, vor allem in den Ferien und an den Wochenenden, wenn sehr viel los ist.

8. Was war das Aufregendste, das Du je erlebt hast? Hast Du beispielsweise schon mal jemanden vor dem Ertrinken gerettet?

Ja, ich musste bereits zwei Mal Leute vor dem Ertrinken retten: Einmal ein 5-jähriges Kind und ein andermal einen 25-jährigen, der nicht schwimmen konnte. Aber bei sowas geht es mir natürlich nicht um meine persönliche Story. Mir ist einfach wichtig, dass nichts Schlimmeres passiert ist. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und habe im Endeffekt einfach meine Arbeit richtig gemacht – dafür bin ich ja auch da!

9. Was würdest Du all den Badegästen da draußen gerne sagen? Was kommt immer wieder vor, wo Du Dir denkst „wirklich, schon wieder“?

„Nicht vom Beckenrand springen“.

Ganz klar der Klassiker: vom Beckenrand springen. Das ist in jedem Bad das Gleiche und deshalb auch der Standardsatz, den jeder Bademeister schnell lernt. Eigentlich sind ja überall die Schilder und Hinweise, aber gut 😉

Was ich mir wünschen würde: dass wir Bademeister nicht nur als Spielverderber gesehen werden, sondern als das, was wir sind: Leute, die, wenn es hart auf hart kommt, Erste-Hilfe leisten und ein Leben retten können. Wir sind dafür da, dass Euch nichts passiert und dass es ein Badevergnügen bleibt. Meine Message an alle Eltern? Bringt Euren Kindern das Schwimmen bei. Denn das wird tatsächlich leider immer weniger und ich finde, dass die Eltern da in der Pflicht stehen. Bestenfalls sollten Kinder all die Abzeichen machen, die es gibt, um beim Schwimmen sicher zu sein und die Angst vor dem Wasser zu verlieren.

*Fun Fact: Es gibt sogar Sauna-Aufguss-Meisterschaften. „Ein sehr guter Freund von mir ist in der Schweiz Meister im Sauna-Aufgießen geworden“, lacht Manu.

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