Das Phänomen Einkaufszentrum: noch ganz zeitgemäß?

Einkaufszentren gibt es in Deutschland schon seit den 1960er Jahren. Doch sind diese zentralen Stätten des Konsums noch ganz zeitgemäß?

Das Phänomen Einkaufszentrum: noch ganz zeitgemäß?

Früher, da war alles anders. Früher war ich ein Unmensch, hatte kein Interesse an der Umwelt und an den Folgen meiner Handlungen, aber heute, ja, heute hat sich alles geändert und ich lebe reinen Gewissens. Ich kaufe nur noch lokal, vegan, bio, ohne Aluminiumsalze, ohne Tier- oder Menschenrechtsverstöße und obendrein bin ich Aktivist in einer Umweltorganisation, die Wale vor dem Aussterben bewahrt.

Nope.

Ich muss euch enttäuschen, denn das trifft leider nicht zu.

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Aber eins hat sich tatsächlich verändert: Mein Einkaufsverhalten und mein Interesse an Einkaufszentren, welche ich heute aus verschiedenen Gründen nicht mehr so toll und praktisch wie früher finde. Warum das so ist, werde ich euch gleich erzählen.

Jetzt aber erstmal zu meinen Ansichten von früher. Als junge Teenagerin, die sich gerne hin und wieder von Mama zum Shoppen begleiten ließ und auch später, als ich mir meine Wünsche mit meinem selbstverdienten Geld finanzieren konnte, gefiel mir das Prinzip von Shopping-Malls, wie sie in den USA heißen, ziemlich gut.

Warum? Weil mit dem Einkaufen in einem Einkaufszentrum kein ewiges Stadtgebummel verbunden ist. Alle Läden, die irgendwie interessant sind was das Angebot an Kleidung, Elektronik und Unterhaltungsmedien betrifft, liegen in unmittelbarer Nähe zueinander. Wir können unsere Bedürfnisse problemlos abdecken, müssen uns dafür noch nicht einmal großartig anstrengen und können während dem Shoppen das wettersichere Indoor-Feeling genießen… Was für ein Luxus! Ein weiterer Vorteil, der nicht zu vergessen ist, ist dass manche Läden in der Stadt eventuell gar nicht vertreten wären, gäbe es kein Einkaufszentrum - Stichwort Apple Store, Elbenwald und co. Außerdem bietet eine Mall eine hohe Zahl an verfügbaren Parkplätzen, die nicht nur von den Stadtbewohnern dankend genutzt werden. Auch Kunden, die aus den umliegenden Landkreisen vom Angebot der Einkaufszentren angelockt werden, sparen sich die langwierige Parkplatzsuche in der Innenstadt.

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Natürlich hat sich an diesen Punkten in der vergangenen Zeit nicht wirklich etwas geändert. Meine Meinung und Ansicht, ob das Einkaufen in einem Shopping-Center vertretbar ist, jedoch schon ein bisschen.

Abgesehen davon, dass die großen Menschenmassen und die häufig stickige Luft in Einkaufszentren mich grundsätzlich eher abschrecken dort einzukaufen, gibt es einige Punkte, die mich an der Zukunftsfähigkeit von Einkaufszentren zweifeln lassen.

Einerseits gefällt mir beispielsweise die Augsburger Innenstadt gerade deshalb so gut, weil es noch kleine Geschäfte gibt, die sich durch ein abwechslungsreiches Sortiment auszeichnen und sich vom großen Rest des filialisierten Einzelhandels abheben. Genau dieser große Rest ist nämlich vermehrt im Einkaufszentrum vorzufinden. Doch die sogenannten “Magneten” in der Mall, die Läden, welche die meisten Kunden anziehen und welche nahezu in allen Shopping-Centern anzutreffen sind, entziehen den schönen deutschen Innenstädten die potenziellen Kunden. Klar, ich kann mit meinem Shoppingverhalten nicht dafür sorgen, dass mehr Menschen wieder in der Innenstadt einkaufen. Ich kann jedoch trotzdem kleine Läden unterstützen, indem ich mir die Mühe mache, den Weg in die Innenstadt auf mich zu nehmen.

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Wenn wir schon beim Thema Konkurrenz sind, sollte wie ich finde auch erwähnt werden, dass in einem Shopping-Center ein gesteigerter Wettbewerb des Einzelhandels zu beobachten ist. Es erscheint auch logisch, dass junge nicht-filialisierte Unternehmen neben den großen “Magneten” Schwierigkeiten haben ihre Existenz aufrecht zu erhalten. Dadurch wird folglich das Wachstum von größeren Firmen wie beispielsweise H&M oder Zara begünstigt. Die Frage, ob es heutzutage moralisch vertretbar ist bei diesen Mode-Riesen einzukaufen, werde ich euch in diesem Zusammenhang nicht beantworten können.

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Einen weiteren Aspekt möchte ich euch noch mit auf den Weg geben, welcher mir besonders am Herzen liegt. Immer wieder fällt mir auf, wie sehr wir Menschen auf Konsum fixiert und gedrillt sind. An fast jedem öffentlichen und, mit den modernen Medien auch privaten Ort, werden wir heute mit Werbung vollgespamt. Sie gaukelt uns vor, wir bräuchten dies und jenes zum Glücklichsein.

Genau das fällt mir auf, wenn ich ein Shopping-Center betrete. Der einzige Zweck eines solchen Zentrums ist den Konsum zu steigern und anzuregen. „Und, was hast du dir gekauft?“, ist die erste Frage, die mir gestellt wird, wenn ich davon berichte im Einkaufszentrum gewesen zu sein. Klar, denn wir reden nicht von einem Ort der kulturellen oder geistigen Weiterbildung. Das einzige, was in einem Shopping-Center scheinbar weiter gebildet werden kann, ist das persönliche Image, welches mit neugekauften Klamotten und Gadgets aufpoliert wird.

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