E-Scooter in Augsburg: Ist der Boom schon wieder vorbei?

Seit ungefähr zwei Jahren sind sie aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken: Die E-Scooter. Wir haben uns die aktuelle Roller-Situation in Augsburg einmal angesehen.

E-Scooter in Augsburg: Ist der Boom schon wieder vorbei?

Für die einen ein nerviges immer im Weg stehendes Teil und für die anderen ein bequemes Transportmittel – die Scooter sind umstritten, ohne Frage. Seit ungefähr zwei Jahren wird nahezu jede größere Stadt mit bunten Rollen überschwemmt, so auch Augsburg.

E-Scooter in Augsburg – ein Rückblick

Im Juli 2019 flitzten die ersten leihbaren E-Scooter über Augsburgs Straßen. Angeboten wurden sie von der schwedischen Firma „Voi“. Ein Jahr später war die Anzahl der Anbieter auf vier gestiegen. „TIER“, „Dott“ und schließlich auch „Lime“ stellten eigene E-Scooter-Flotten in Augsburg auf. Im September 2020 standen uns AugsburgerInnen so bereits 1.700 Flitzer zur Verfügung.

Mittlerweile ist die Anbieter-Zahl wieder gesunken. Anfang 2021 verschwanden die TIER-Roller aus Augsburg, bald darauf auch die bunten Gefährte von Dott. Die Entscheidung, den Service in der Fuggerstadt für unbestimmte Zeit zu pausieren, begründete das Berliner Unternehmen TIER mit gesunkenen Nutzerzahlen, während dem Lockdown. Der dänische E-Scooter-Anbieter Dott, der als dritter Anbieter im Januar 2020 nach Augsburg kam, verlässt die Stadt aus ähnlichen Gründen.

Seither bleiben den AugsburgerInnen die Anbieter Voi und Lime. Fakt ist: Ganz einfach haben es die E-Scooter nicht und der große Hype scheint vorbei zu sein.

Voi versus Lime

Zwei Anbieter stehen uns also zur Auswahl, wenn wir in Augsburg einen E-Scooter leihen wollen. Aber welcher ist nun der bessere?

Voi

Wer viel Platz für seine Füße schätzt, ist mit dem Voi-Roller etwas besser bedient als mit dem Konkurrenten. Das Trittbrett des Voi ist zirka fünf Zentimeter größer als das des Lime-Scooters. Mit 450 Watt kann der Flitzer gut beschleunigen. Hier liegt er etwas vor dem grün-weißen Roller von Lime.

Lime

Die Lime-Roller haben, anders als die Voi-Roller, ein Display, dass euch eure aktuelle Geschwindigkeit anzeigt. Außerdem könnt ihr sehen, wie es um den Ladestand des Akkus steht. Die Reifen sind bei Lime etwas größer, dafür der ist der Roller insgesamt etwas kleiner. Neben einer Vorderbremse habt ihr außerdem auch eine Rücktrittbremse.

Wo dürfen E-Scooter fahren?

Mit dem E-Roller dürft ihr nicht auf den Gehwegen fahren. Im besten Fall nutzt ihr einen Radweg oder den Randstreifen. Erst wenn beides nicht vorhanden ist, dürft ihr auf die Fahrbahn ausweichen.

Übrigens: Für E-Scooter-FahrerInnen gelten dieselben Alkoholgrenzwerte, wie für AutofahrerInnen.

Wie läuft das mit dem Aufladen?

Sind die E-Roller zwischen zehn und 25 Kilometer gefahren worden, ist ihr Akku leer. Dafür, dass sie bald wieder bereitstehen, sorgen sogenannte Juicer. Aber auch die Begriffe Ranger oder Charger werden für den Job von den E-Scooter-Anbietern gebraucht. Die Juicer sammeln Roller ein, die aufgeladen werden müssen und bringen sie in Hallen oder Räume, in denen die Akkus aufgeladen werden. Nach ein paar Stunden müssen die geladenen Scooter wieder verteilt werden.

Die Zukunft sieht anders aus

Aus Gründen der Nachhaltigkeit wurde seitens des Bundesrats gefordert, dass E-Roller austauschbare Akkus haben müssen. Das Unternehmen „TIER“ ist, was das betrifft, ganz vorne mit dabei. In Hamburg, Frankfurt und Berlin rollen bereits die ersten Scooter mit austauschbaren Akkus. Das ist nicht nur ein Gewinn für die Umwelt, sondern auch für die Unternehmen, die sich das Hin- und Herfahren der Roller sparen. Stattdessen werden nur die Akkus von leeren Rollern ausgetauscht.

Immer Ärger um die E-Scooter

Während das neue Verkehrsmittel bei vielen AugsburgerInnen gut ankommt, werden immer wieder Stimmen laut, die auf die Probleme des Scooter-Booms hinweisen.

Ein altbekanntes Ärgernis: Im Weg stehende oder liegende Roller. Die AnbieterInnen sind sich dem Problem bewusst und arbeiten an Lösungen. Voi hat in einigen Städten bereits E-Scooter-Parkplätze ausgewiesen. Doch in vielen Städten, so auch in Augsburg, fehlen diese noch. Bislang bitten die Anbieter ihre KundInnen lediglich, ihren Roller so zu parken, dass er die Mobilität anderer nicht einschränkt.

E-Scooter in Augsburger Kanälen

Ein weiteres Problem, dass der Scooter-Boom mit sich gebracht hat: Die E-Scooter befinden sich mittlerweile überall. In Hecken, in Gräben an Landstraßen und auch in Augsburger Kanälen. Im April dieses Jahres barg die Augsburger Feuerwehr zwölf E-Scooter aus dem Senkelbach. Die wahrscheinlich mutwillig ins Wasser geworfenen Roller stellen dabei eine echte Gefahr für die Wasserqualität aufgrund auslaufender Batteriesäure dar.

Im Sommer 2021 forderte die Augsburger Stadtratsfraktionen CSU und Grüne Beschränkungen für die E-Scooter in der Innenstadt. Die Beschwerden über Roller, die Gehewege versperren oder durch die Fußgängerzone sausen, haben sich gehäuft, hieß es. Auch will die Stadt Augsburg mit den Anbietern der Roller über Softwareanpassungen sprechen, die das Parken nur an bestimmten Orten zulässt. Schließlich wurde auch diskutiert, ob nicht die Anbieter auch für die Bergungskosten von Scootern aus den Gewässern aufkommen müssen.

Ist der E-Scooter-Boom schon vorbei?

Mit der Zulassung der E-Scooter in Deutschland war mitunter die Hoffnung verbunden, eine umweltfreundlichere Alternative zum Auto als Fortbewegungsmittel zu bieten. Umfragen haben jedoch ergeben, dass kaum Menschen vom Auto auf den Scooter umsteigen. Vielmehr wird der Scooter von FußgängerInnen genutzt. Damit ist hinsichtlich der Nachhaltigkeit ein negativer Effekt eingetreten.

Unfälle und die Probleme mit im Weg stehenden Rollern verschlechtern zunehmend das Image der Flitzer. Eure Meinung zu E-Rollern war auch relativ eindeutig. Wir haben in einer Instagram-Story gefragt: „E-Scooter – Fluch oder Segen?“ und 77 Prozent von euch stimmten für „Fluch“.

Dass zwei von vier Anbietern Augsburg schon wieder verlassen haben, weist ebenfalls darauf hin, dass der Hype vorbei ist. Und dennoch: Die E-Scooter-Branche selbst sieht sich erst am Anfang ihrer Erfolgsstory.

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