E-Scooter kommen nach Augsburg

Was es für uns bedeutet, dass die E-Scooter nun auch in Augsburg zugelassen sind.

E-Scooter kommen nach Augsburg

Meine kleine Schwester ist aus ihrem Israel-Urlaub zurück und erzählt wie nützlich die dortigen E-Scooter für das Sightseeing in Jerusalem waren. Schnell von A nach B kommen und dabei keine Abgase in die Atmosphäre ballern – das klingt doch nach einer guten Alternative. Doch wenn wir genauer hinschauen, bringen die elektrischen Tretroller auch einige Herausforderungen mit sich.

Ärger auf der Straße?

Zunächst einmal sollten die E-Scooter auf den Gehwegen zugelassen werden. Doch auf Druck der Länder entscheidet das Bundesministerium: E-Scooter gehören auf die Radwege. In der Theorie hört sich das logisch an. Denn die elektrischen Roller können bis zu 20 km/h schnell werden und würden auf den Gehwegen für Unruhe sorgen. Die Praxis sieht allerdings etwas anders aus.

Manche Fahrradwege in Augsburg gleichen einer Kraterlandschaft. Ich frage mich, wie E-Scooter mit ihren kleinen Rädern darüber fahren sollen. Das könnte gefährlich werden, nicht nur für E-Scooter-Fahrer. Bremsen sie wegen der Unebenheiten stark ab, müssen auch die Fahrradfahrer stark abbremsen oder auf die Straße ausweichen. Da ist Ärger bei allen Verkehrsteilnehmern nicht ausgeschlossen und verleitet zu unbedachten Überholmanövern. Und seien wir mal ehrlich, es parken so viele SUVs und Pizza-Lieferanten auf den Fahrradwegen, dass auch E-Scooter entweder auf den Gehweg oder auf die Straße ausweichen müssten. Auch das kann zu Ärger im Straßenverkehr führen.

Ideal für die letze Meile! – Gut für die Umwelt?

Ein Viertel aller Autofahrten gehen um die Ecke, liegen also unter 2 Kilometern. Die elektrischen Tretroller bringen einen neuen Impuls, um kurze Fahrtstrecken zu vermeiden. Der E-Scooter sei ideal für die letzte Meile. Das ist zumindest eines der Verkaufsargumente für die moderne Mobilitätsform. Dadurch seien sie gut für die Umwelt, weil sie keinen CO2 ausstoßen. Mit dem Auto zum P+R oder mit dem E-Scooter zur nächsten Bahn-Haltestelle, dann zum Zielbahnhof und den letzten Kilometer zur Arbeitsstelle, zur Uni oder zur Schule mit dem E-Scooter. Das klingt nach einer klimafreundlichen Alternative. Doch schauen wir genauer hin, entdecken wir auch einige Gegenargumente.

Für viele dauert nämlich der Fußweg von der Bahn zur Arbeitsstelle zu lang. E-Scooter scheinen eine praktische Möglichkeit zu sein. Doch: Praktisch. – Ja. Gut für die Gesundheit? – Naja. Einige Skeptiker scherzeln sogar, dass wir dann das Gehen vollends verlernen würden. Vielleicht steckt da ein wenig zu viel Schwarz-Weiß-Malerei dahinter. Was wir aber festhalten können, ist, dass wir uns mit den modernen Tretrollern nicht gerade mehr bewegen würden.

Wie sieht es mit Energie- und Ressourceneffizienz aus? E-Scooter müssen hergestellt werden. Dafür werden seltene Erden gebraucht und der Strom für die elektrischen Roller stammt nicht immer nur aus erneuerbaren Energien. Im Sharing-Verfahren müssen die Roller nach etwa einem Monat ausgetauscht werden, weil sie kaputt gehen. Jeden Abend müssen die Geräte mit LKWs eingesammelt und neu verteilt werden, sodass es doch auch wieder zu einem indirekten CO2-Ausstoß kommt.

Ein Mobilitätstrend für die Zukunft?

In Augsburg stehen die Stadtwerke in den Startlöchern. Unklar ist jedoch, ob es ein ortsungebundenes „Free-Floating“-System oder ein stationäres Leihsystem geben wird. Sicher ist nur, dass die E-Scooter nicht auf einen Schlag kommen und sich die Fortbewegung mit dem elektrischen Tretroller langsam entwickeln wird. Einen Zeitplan gibt es derzeit nicht.

Nun, der E-Scooter bringt Vor- und Nachteile mit sich. Um ein umfassendes Bild zu bekommen, müssen wir uns die Ideengeber anschauen. Schnell landen wir bei Daimler und BMW, die insbesondere mit dem Sharing-Modell ein neues Geschäftsfeld erschließen wollen. Ökonomie und Ökologie müssen sich nicht unbedingt ausschließen – das erfahren wir seit der Ökologisierung der Wirtschaft ab 2010 immer häufiger in verschiedenen Wirtschaftsfeldern. Nun auch verstärkt in der Mobilitätsbranche. Damit gehen wir auf jeden Fall den Weg in die richtige Richtung. Doch auch hier müssen wir uns den kritischen Fragen stellen. Nur so können wir die Wirtschaft unter neuen Vorzeichen revolutionieren.

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