Drag-Queen aus Augsburg – einmal 9 an Galaxia

Einmal 9 Fragen an die Augsburger Drag-Queen.

Drag-Queen aus Augsburg – einmal 9 an Galaxia

Tagsüber betreibt Marko seinen Friseursalon, nachts verwandelt er sich in „Galaxia“. Als Drag-Performer schlüpft er in ausgefallene Klamotten und trägt gigantische Perücken. Wie ist er dazu gekommen? Wie ist das mit dem Privatleben vereinbar? Und gab es auch schon Probleme mit den Mitmenschen? Wir haben mal nachgefragt.

Gibt es eine Augsburger Drag-Szene?

Jein. Es gibt viele großartige Künstlerinnen in und um Augsburg - manche sehr aktiv (lacht), manche weniger. Die ein oder andere trifft man hin und wieder beim Weggehen oder einem Event, aber eine richtige Dragszene im Sinne von einem Haufen Drags, der sich regelmäßig zum Feiern trifft oder um eine Show hinzulegen gibt es aktuell noch nicht in Augsburg. Aber die, die man kennt sind großartig.

Wie bist du zur Drag-Queen geworden und warum?

Ich hatte einen guten Freund (der mittlerweile sehr glücklich als Frau lebt), der sich dementsprechend immer zurecht gemacht hat. Da hab ich angefangen seine Perücken und Klamotten auf- und anzuziehen. Ich habe schnell gemerkt, dass mir dieses "verkleiden" sehr viel Spaß macht, jedoch hat mich das Übertriebene immer mehr fasziniert. Ich wollte anfangs natürlich immer sehr weiblich aussehen, doch im Laufe der Zeit wurde aus "Vanessa" (mein anfänglicher Transname) dann "Van-tastic". Das war ungefähr so wie eine Findungsphase aus Trans & Drag für mich. Bis eben jetzt "Galaxia" entstanden ist - mein Drag, der ich bin und den ich verkörpere.

Hast du mehrere unterschiedliche Rollen?

Drag ist an und für sich unglaublich vielseitig. Jeder Dragkünstler (hierbei ist übrigens egal ob CIS, Trans, Diverse, Homo, Hetero oder Sonstiges) verkörpert auf viele Arten seinen Drag. Manche sind super im Singen, manche machen eine Hammer Lipsync-Show, einige sind begnadete Stand-ups, einige sind Club-Hosts. Deshalb hat man in meinen Augen eigentlich immer nur eine Rolle und das ist die, den Dragperformer als Künstler zu sehen und nicht als "Rolle".

Wie hast du deinen eigenen Stil gefunden und was steckt dahinter?

Mein Stil ist sehr auffällig - am liebsten viel Haare, dabei ist egal ob Kunsthaar, Echthaar oder Schaumstoff. Mich gibt’s mit Bart, ohne Bart, sexy oder schrill. Galaxia ist flippig, lustig und wie unter Strom - je mehr desto besser. Dadurch, dass ich mit Drag verhältnismäßig früh angefangen habe, hat sich mein Stil Peau aux Peau zu dem entwickelt, was er jetzt ist. Vor 13 Jahre gab es eben nicht so die Möglichkeit, mit Makeup und Klamotten so zu spielen, wie es jetzt möglich ist. Die Gesellschaft, die Mode und das Drag-Sein haben sich in den Jahren zum Positiven verändert - es gibt eigentlich nichts, was es nicht gibt.

Wie gut kannst du Drag und Privatleben trennen?

Ich hab da absolut keine Schwierigkeiten. Jeder hat seinen Drag immer Griffbereit. Dennoch bin ich privat eben Marko, der Inhaber eines Friseursalons ist und hin und wieder eben Galaxia, die gerne Party macht und für Stimmung sorgt.

Was war dein schönstes Erlebnis als Drag Queen?

Mein schönstes Erlebnis als Drag ist kein bestimmtes, sondern eigentlich jedesmal, wenn ich mich ready mache und anhand der Reaktionen und Komplimente merke, dass sich die Arbeit gelohnt hat. Da stecken oft Stunden an Arbeit in Make-up, Klamotten, Haare und so weiter.

Hast du schon mal Probleme mit anderen Menschen bekommen, als du als Drag unterwegs warst?

Es gibt leider immer wieder Menschen, die beleidigend werden oder sind. Drag findet überwiegend abends/nachts statt, wenn die Clubs und Discos öffnen. Da gibt es dann auch einige Betrunkene, die Vorurteile haben und bei denen der Mund schneller als der Kopf ist. Wenn man da in voller Montur vorbeiläuft oder für eine andere Stadt gebucht wurde, mit dem Zug fahren muss und eben nicht die Möglichkeit hat, sich vor Ort fertig zu machen, kann es durchaus passieren, dass menschenverachtende Worte fallen oder man sexuell belästigt wird. Ich denke nicht mehr oder weniger wie bei jeder anderen "Rand"gruppe - es gibt leider überall Arschlöcher, die ohne Grund oder ohne, dass sie provoziert wurden, meinen, sie müssen Ihren Senf dazugeben.

Und gibt es auch negative Stimmen gegen Drag in der LGBTI*-Community?

Es gibt in der eigenen Community natürlich leider auch Menschen, die nicht unbedingt tolerant sind - dies aber selber fordern. So ein bisschen Lästern und alles gehört ja auch dazu, schließlich sind Geschmäcker ja verschieden. Wenn es aber unter die Gürtellinie geht, trifft es einen unter Gleichgesinnten oft härter als von Leuten außerhalb.

Gibt es etwas, das in Zukunft noch geändert werden muss, damit Drag-Praktizierende wie du ein einfacheres Leben haben?

Ein einfacheres Leben so nicht, aber Drag sollte in meinen Augen besser bezahlt werden. Ich kenne viele Kolleginnen, die oft für ein "Trinkgeld" ne Show hinlegen. Drag sollte als eine Art Kunst gesehen werden. Klar muss man sich als Künstler auch erst seinen Namen machen, dennoch stecken oft viel mehr Arbeit und Geld für den Abend im Dragperformer als die Entlohnung letztendlich hergibt. Außerdem sollten höhere Strafen für Menschen fällig sein, die meinen, jemanden ohne Grund (nicht nur aus der LGBTQ-Szene) körperlich oder verbal Schaden zufügen zu müssen.

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