Die Pille – immer noch beliebtestes Verhütungsmittel?

Die Pille ist ein hormonelles Verhütungsmittel, das großen Einfluss auf den weiblichen Körper nimmt. Viele Frauen entscheiden sich aus verschiedensten Gründen gegen sie.

Die Pille – immer noch beliebtestes Verhütungsmittel?

Ein Kind erwarten, wenn eigentlich keines geplant war, ist für viele Menschen ein Albtraum. Das ist nur ein Grund neben vielen, sich früh mit dem Thema Verhütung zu beschäftigen. Für mich bedeutete das, mit vierzehn Jahren eine Entscheidung zu treffen, deren gesamten Umfang ich damals noch nicht begreifen konnte.

Ein Blick zurück – Wie alles anfing.

Unsicher und schlecht informiert ging ich mit vierzehn zu meinem ersten Termin bei der Frauenärztin. Meine Mutter riet mir im Vorfeld davon ab, schon so früh mit der Pille anzufangen, aber so richtig verstehen konnte ich ihre Sorge nicht. Sonst sagte doch auch jeder, dass andere Verhütungsmethoden nicht wirklich ausreichen, um sich vor einer gefürchteten Teenie-Schwangerschaft zu schützen. Eigentlich wollte ich auch gar nicht so viel nachfragen, weil mir das Thema noch ziemlich unangenehm war. Sexuell aktiv war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Die Pille erschien mir nach dem Gespräch mit der Frauenärztin, wie ein Zaubermittel, das nur regelmäßig eingenommen werden musste. Sie verbesserte das Hautbild, ließ die Periode regelmäßiger auftreten, sorgte für weniger Schmerzen und machte mich anscheinend allgemein zu einem aushaltbaren weiblichen Wesen. Nur die Tatsache, dass die Verantwortung der Verhütung mit der Pille komplett bei der Frau lag, empfand ich als ein bisschen unfair und anstrengend. Und wie das mit den durch Sex übertragbaren Krankheiten funktionierte, wusste ich damals auch noch nicht.

Der Anfang vom Ende

Jahre nach diesem verwirrenden Ereignis habe ich das Gefühl, von der Pharmaindustrie verarscht worden zu sein. Mein eigener Körper wurde mir als so problematisch und schwer zu verstehen verkauft, dass ich mich nicht einmal damit beschäftigen wollte, wie ein Leben ohne die Pille aussehen könnte. Ich fühlte mich fast so, als wäre mein Uterus eine tickende Zeitbombe, die jederzeit explodieren und in einer Schwangerschaft enden könnte. Deshalb wählte ich die scheinbar effektivste und sicherste Methode, ohne mich näher mit ihren Nebenwirkungen, Risiken oder Konsequenzen auseinander zu setzen.

Die Nebenwirkungen machten sich während der Einnahme auf leise Art bemerkbar. Zunächst schob ich die sexuelle Unlust und die Stimmungsschwankungen auf den Stress. Als es auch nach der Klausurenphase der Uni nicht besser wurde, fing ich an zu rätseln, ob ich vielleicht asexuell sein könnte. Auch mein Körpergefühl schien seltsam abgestumpft zu sein, als befände sich ein Hormonvorhang zwischen mir und meiner weiblichen Empfindsamkeit. Es dauerte lange, bis ich die Wirkung der Pille überhaupt damit in Verbindung brachte. Erst als mir meine beste Freundin erzählte, dass es ihr auch so gehe, kamen wir gemeinsam auf die Idee, die Pille abzusetzen. Was danach folgte, war eine Zeit der subtilen, körperlich-geistigen Verwirrtheit. Pickel, Perioden-Pause und noch extremere Stimmungsschwankungen, als vor dem Pillen-Ende, ließen mich stark am Sinn meiner Entscheidung zweifeln.

Endlich frei.

Nach circa drei Monaten hört das Chaos dann langsam auf. Meine Haut, Psyche und der Zyklus haben anscheinend einige Zeit gebraucht, um sich für einen Zustand zu entscheiden, den mein Körper beibehalten kann. Der Unterschied ist bemerkbar. Ich fühle eine bessere Verbindung zwischen meinem Kopf und meinem Körper – der Nebel scheint sich gelichtet zu haben. Und Verhütung klappt auch ohne die Hormonschleuder. Mittlerweile habe ich zum Glück gelernt, dass Kondome nicht nur dazu gut sind, eine Schwangerschaft zu verhindern…

Meine Freundin und ich sind nicht die einzigen, die den Schritt weg von der Pille auf sich nehmen. In den letzten Monaten haben sich immer mehr Frauen in meinem Umfeld dazu entschieden, andere Verhütungsmethoden zu probieren. Sie berichten von ähnlichen, aber auch schlimmeren Problemen, wie anhaltende Kopfschmerzen, Gewichtszunahme und depressive Verstimmungen. Viele möchten außerdem dem Wunsch nachkommen, ihrem „wahren Ich” näher zu kommen, indem sie die Fremdeinwirkung der Hormone beenden. Auch was die Aufklärung betrifft, scheint es noch viele Verbesserungsmöglichkeiten zu geben. Eine Freundin schrieb mir auf die Frage, ob sie die Pille nehme und wie diese ihr von ihrem Frauenarzt empfohlen wurde:

„Ich wurde beim Frauenarzt gar nicht über andere Methoden aufgeklärt, es wurde einfach gesagt: ‘Okay hier, nimmst’ halt jetzt die Pille’"

Nichts desto trotz ist die Pille auch heute noch eines der sichersten Verhütungsmittel, besonders für Paare, die noch keinen Kinderwunsch verspüren. Mit einem Pearl-Index (Maß für die Sicherheit der Verhütungsmethode) von nur 0,1 bis 0,9 (was bedeutet, dass weniger als eine Frau von 1000 Frauen im Jahr schwanger wird, trotz Einnahme der Pille) steht sie auf Platz zwei der Verhütungsmethoden und wird nur noch von der Hormonspirale getoppt, die einen P.-I. von 0,16 vorzuweisen hat. Nur eine Sterilisation des Mannes wäre noch sicherer, als diese beiden Verhütungsmethoden, wobei diese in der Regel nicht mehr rückgängig zu machen ist.

Schlussendlich bleibt es jeder und jedem von uns überlassen, für welche Methode wir uns entscheiden. Es bleibt interessant, welche Entwicklung die Pille durchmachen wird, in Bezug auf ihre Beliebtheit.

Wie siehst Du das? Erzähl uns gerne von deinen Erfahrugen – auf Facebook oder ganz privat auf Instagram.

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