Erzähl mal Oma: Die letzten Zeitzeugen in Augsburg

Sollten wir der älteren Generation nicht viel mehr zuhören? Im Dokumentarfilm „Die letzten Zeitzeugen“ kommen sie zu Wort. Am 28. Oktober wird der Augsburger Medienpreisgewinner 2020 im Bayerischen Fernsehen zu sehen sein.

Erzähl mal Oma: Die letzten Zeitzeugen in Augsburg

Dieses Jahr jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 75. Mal. Immer weniger Menschen, die den Krieg miterlebt haben, leben noch und können über die Zeit aus ihren eigenen Erinnerungen erzählen. Für den Volkskundler Christoph Lang und der Dokumentarfilmer Michael Kalb war das der Anlass, noch einmal genau zuzuhören.

Entstanden ist bei dem Projekt „Die letzten Zeitzeugen im Augsburger Land“ ein Dokumentarfilm, ein Buch und über 50 Stunden Interviewmaterial, das archiviert wird. Das Gesamtprojekt wurde dieses Jahr mit dem Augsburger Medienpreis in der Kategorie „Haltung“ ausgezeichnet. Am 28. Oktober könnt ihr den Film im Bayerischen Fernsehen sehen.

Erinnern, Zuhören, Verstehen

Insgesamt dreieinhalb Jahre arbeiteten Michael Kalb, Timian Hopf und Christoph Lang an dem großen Projekt. Während dieser Zeit ließen sie sich von 37 Zeitzeugen aus dem Landkreis Augsburg ihre persönliche Geschichte erzählen. Dabei ging es unter anderem um das Leben unter dem Nationalsozialismus, um den Zweiten Weltkrieg, die Besatzungszeit sowie Flucht und Vertreibung. „Wie ein Mosaik aus Erinnerungen soll unser Projekt die Grausamkeit und Widersprüche des ‚Dritten Reiches‘, das Chaos nach Kriegsende, aber auch den Alltag und manche Lichtblicke dieser Zeit greifbar machen“, sagt Projektleiter Michael Kalb. Zeitzeugen könnten eine wichtige Vermittlungsarbeit in Hinblick auf die Verbrechen der NS-Zeit übernehmen. Sie verdeutlichen den jüngeren Generationen, dass die Unrechtsherrschaft auch in Augsburg zu Hause war.

„Die letzten Zeitzeugen“ als Buch und Film

Der Dokumentarfilm „Die letzten Zeitzeugen“ entstand in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk und wird dort am 28. Oktober 2020 ausgestrahlt. Im Anschluss könnt ihr ihn auch in der Mediathek des Senders finden. Der Film erzählt nicht ausschließlich von den zerstörerischen Folgen des Nationalsozialismus, sondern lässt den Zeitzeugen Raum, ihre kleinen persönlichen und menschlichen Geschichten aus dieser Zeit zu erzählen. Laudator der Preisverleihung des Augsburger Medienpreises Jürgen Marks beschreibt die Wirkung des Dokumentarfilms mit den Worten: „Er führt uns zu einer Perspektive, die auch den Letzten verstehen lässt: Nie wieder!“.

Neben dem 85-minütigen Film, erschien im September dieses Jahres auch ein Buch zum Projekt. Auf 356 Seiten könnt ihr die spannendsten Geschichten aus den Zeitzeugen-Interviews nachlesen. Eine Auswahl an persönlichen Fotos und Texte mit historischen Daten ergänzen das Buch.

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