Augsburg ausgetindert? Warum ich weiterhin lieber oldschool date

Swipe links, swipe rechts – Über 50 Millionen Menschen nutzen Tinder aktiv. Nennt mich oldschool, aber ich stehe einfach nicht auf Dating-Apps!

Augsburg ausgetindert? Warum ich weiterhin lieber oldschool date

Ich muss zugeben, ich hatte eigentlich nie wirklich Bock auf Tinder. Natürlich lebe ich auch nicht auf einem anderen Stern und glaube daran, dass mein Märchenprinz eines Tages auf seinem Schimmel auf mich zureiten würde, aber ich finde das ganze Online-Dating-Gedöns einfach ziemlich unnötig – zumindest für mich selbst. Ja, ich bin Single, aber muss das gleich bedeuten, dass ich deshalb einsam und traurig bin? Nein! Doch meine Freundinnen (die übrigens alle bereits in festen Langzeitbeziehungen stecken) sind der Meinung, dass Dating heutzutage wohl einfach so ablaufe und man sich nicht so dagegen sträuben soll. Also ließ ich mich überreden und lud die App auf mein Handy.

Als ich Tinder dann das erste Mal öffnete, war ich sogar ein bisschen aufgeregt. Was dort wohl für Menschen auf mich warten werden? Doch nach ein paar Minuten war mir wieder klar, warum ich Tinder bisher noch nie nutzen wollte. Wer hat den Männern eigentlich gesagt, dass es sexy ist, in einem teuren Schlitten oder mit einem Tier auf dem Arm zu posen und dabei lässig die Muskeln zu zeigen? Und was soll das immer mit der Größe? Natürlich kenne auch ich so einige, die auf Tinder ihre große Liebe gefunden haben – Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel. Aber sollten DAS wirklich alle dating-willigen Männer auf dem Augsburger Single-Markt sein? Poser und Hipster? Allein der Gedanke daran brachte meine Stimmung schnell in den Keller. Also löschte ich die App nach einigen Tagen wieder.

Aber was macht Dating-Apps wie Tinder überhaupt so populär? Ich behaupte ja, dass vor allem eine gewisse Anonymität gemischt mit der Angst vor dem Alleinsein der Grund dafür ist, dass so viele Menschen auf diesen Plattformen ihr Glück versuchen. Doch ob ausgerechnet das die beste Lösung für das Dating-Problem unserer Generation ist, wage ich zu bezweifeln. Schließlich bewirkt die App meiner Erfahrung nach genau das Gegenteil! Man verbringt dadurch noch viel mehr Zeit am Handy als sowieso schon und swipet so lange einsam durch einen Online-Katalog an Gesichtern, bis das Gehirn irgendwann eh keins mehr wirklich verarbeiten kann. Und wer kann schon behaupten, anhand eines Fotos einen Menschen wirklich einschätzen zu können? Für viele ist natürlich auch der Reiz der Unverbindlichkeit ein Grund für den Download der App. Eine nie versiegende Quelle an One-Night-Stand-Chancen. Doch für jemanden, der wirklich nach einer ernsthaften Beziehung sucht, kann „ghosting“ sogar noch mehr schmerzen, als ein klares „Nein“ in einer Bar.

Wie gesagt gibt es natürlich viele Menschen, denen Tinder etc. wirklich bei ihrer Partnersuche geholfen hat, aber irgendwie macht mich diese Entwicklung unserer Generation traurig. Wir entfernen uns immer mehr von der direkten Kommunikation miteinander, werden oberflächlicher und leben dadurch immer abgeschiedener von unserer Umgebung. Wir werden anonym und finden das auch noch cool! Nennt mich oldschool, aber meiner Meinung nach gibt es nichts Beeindruckenderes, als seinen Mut zusammennehmen und einfach mal „Hallo“ zu sagen. Egal ob Mann oder auch Frau - Hauptsache persönlich! Na, wer traut sich?

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