Coven in Carnation – Augsburgs musikalischster Hexenzirkel

Die Augsburger Musikszene ist groß und voller unterschiedlicher Projekte. Seit zwei Monaten beherbergt sie auch ein bezauberndes Pagan-Duo.

Coven in Carnation – Augsburgs musikalischster Hexenzirkel

Magie, Mystik, Musik. Was passiert, wenn diese Zutaten in einem imaginären Kessel gemischt werden, zeigen Sabse und Claire. Wer die beiden trifft, kann schon erahnen, dass sie ein ganz besonderes Duo sind. Fantasievoller Schmuck und eine Reihe aus schwarzen Punkten auf der Stirn, Metalshirt und türkisgefärbte Haare – die Neugier ist geweckt. Sabse arbeitet in einer Münchner PR-Agentur, Claire studiert Kunst- und Kulturgeschichte. Das Geheimnis der beiden Freundinnen: Für die Musik werden sie zum Zwei-Frauen-Hexenzirkel Coven in Carnation.

Obwohl sie schon wie ein eingespieltes Team wirken, existiert die Band offiziell erst seit zwei Monaten. Kennengelernt haben sich die Musikerinnen im vergangenen Jahr auf dem Bohne Festival und ganz nach dem Motto „Gesucht und gefunden“. Beide waren zuvor schon musikalisch aktiv, konnten sich aber noch nicht so kreativ entfalten, wie sie es gerne gewollt hätten. Sabse ist über ihren ehemaligen Mitbewohner als Sängerin in das Folk-Projekt Boothill Society (Nachfolgeband von Boy Miez Girl) reingerutscht, hat selbst die Stoner-Doom-Metalband Textures of the Sun mitgegründet und konnte nie so wirklich ihre geliebte Flöte miteinbringen.

Claire war lange als Sängerin in einer Ambiental-Metalband aktiv, pflegt ein Solo-Projekt namens Dryadeia und hat schon viele lokale Künstler unterstützt. Auch ihre Harfe kam eher selten zum Einsatz. Die Studentin schmunzelt: „Ich habe immer mal wieder gefragt: Können wir in diesen Break eine Harfe einbauen? Aber dieser Wunsch wurde mir leider nicht erfüllt“. Als sich dann Sabse und Claire 2018 an diesem schicksalshaften Tag trafen, zeigte sich, dass sie in allen Belangen auf einer Wellenlänge sind und die Zeit gekommen ist, ihre Lieblingsinstrumente endlich ins Rampenlicht zu stellen.

Ein Jahr und den richtigen Anlass hat es benötigt, bis Coven in Carnation dann auch wirklich Realität wurde. Für das diesjährige Bohne-Festival sind sie schon fleißig am Vorbereiten. Dass von Anfang an eine ganz besondere Harmonie herrscht, erleichtere das kurzfristige Proben ungemein. Statt Konkurrenzdenken sei es eher ein sanftes, gegenseitiges Pushen, erklärt Sabse. „Es fühlt sich so an, als ob man zusammen auf Wanderschaft geht.“

„Es war so schön, endlich mal jemand zu treffen, der das auch cool findet und nicht komisch. So etwas verbindet“

Der Bandname ist aus einem notgedrungenen Brainstorming heraus entstanden, da das Festival den Namen und ein Bandfoto für seine Kanäle benötigte. „Wir haben uns gegenseitig Fragen gestellt und dann kam: Was ist deine Lieblingsblume? Dann haben wir beide erkannt, dass wir beide Nelken lieben und die heißen auf englisch eben Carnation“, rekapituliert Claire den Findungsprozess. Da auch von Anfang an die Faszination am modernen Hexentum bei den Zweien vorhanden war, musste das selbstverständlich auch mit Coven, dem englischen Wort für Hexenzirkel, aufgenommen werden. „Es war so schön, endlich mal jemand zu treffen, der das auch cool findet und nicht komisch. So etwas verbindet“, grinst Sabse.

Der Name ist auch Programm. Coven in Carnation verbinden das Mystische, Magische und Naturthemen miteinander. Dabei entsteht eine Mischung aus Chanting, Ritualgesängen und stimmlich kraftvollen Arrangements, wobei gleichzeitig softe Elemente, ähnlich wie bei der Meditationsmusik, Eingang finden. „Besonders Kulning, ein schwedischer Herdenruf, fasziniert uns. Außerdem ist unsere Musik von nordischer Mythologie, dunklen Wäldern, ambientalen Naturklängen, Rufhörnern, Schamanentrommeln und Windspielen geprägt“. In den Songs ist auch die Liebe der zwei Stadthexen für Folklore und Fantasy zu hören. Claire hat im Studium ihren Fokus auf Archäologie und Ethnologie gelegt, Sabse hat sich während ihres Literaturstudiums auf Phantastik spezialisiert. „Wir sind beide auch große Harry Potter Fans. Und Herr der Ringe natürlich.“

Ziel der Musik von Coven in Carnation sei es, eine Resonanz mit den tieferen, ursprünglichen Bewussteinsebenen anzustoßen. „Es geht in unserer Musik darum, die Leute zum innehalten zu bewegen. Harfe ist ja auch ein total meditatives Instrument“, meint Claire. Außerdem soll jedes Mal eine besondere Atmosphäre erschaffen werden. Die kann mal wild, ursprünglich, stark und kriegerisch sein, aber auch sanft, mystisch und düstere Geschichten erzählen. „Wie eine Reise in die Wälder“, fügt Claire lachend hinzu. „Wir sind beide auch sehr visuelle Typen und als wir besprochen haben, was wir für Musik machen wollen, haben wir erstmal Farben genannt“. Grün und dunkelviolett soll die Vorstellung gewesen sein.

„Für mich ist [der Siebentischwald] das Herz von Augsburg.“

Die Lieblingsorte des Duos in Augsburg sind dementsprechend auch Naturspots. Sabse hat während ihrer Zeit in Augsburg den Wittelsbacher Park und die Wertach geliebt, Claire schwärmt für den Siebentischwald. „Er ist mitten in der Stadt, und bietet trotzdem so eine weitläufige Fläche. Für mich ist er das Herz von Augsburg.“ Der erste Chant der Band hat im Park beim Wittelsbacher Tor das Licht der Welt erblickt. Ihr erstes Musikvideo könnten sie sich an der Wolfzahnau vorstellen, wo Lech und Wertach zusammenfließen. „Von der Natur hat mich das immer an Fjorde erinnert“, meint Claire. Sabse fügt hinzu: „Zeitlich wäre die Blaue Stunde bis Dämmerung bestimmt schön, schließlich sind wir ja auch eher Nachthexen“. Beide lachen. Und Farne müssen dabei sein, da sind sich die Zwei wie in vielen anderen Dingen sofort einig.

Bis es zu dem Video kommt, dürfte es aber noch ein wenig dauern. Zuvor muss erst einmal das Live-Debüt am Samstag beim Bohne-Festival gemeistert werden. Dann kann der Zwei-Frauen-Hexenzirkel zeigen, was er aus seinem Kessel zaubern kann, um das Publikum in seinen Bann zu ziehen.

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