Corona und seine Folgen für Musiker*innen: Im Gespräch mit John Garner

Viele Arbeitsbereiche wurden massiv durch das Corona Virus beeinträchtigt. Wir sprechen mit Branchenvertretern über ihre Erfahrungen.

Corona und seine Folgen für Musiker*innen: Im Gespräch mit John Garner

Die Musikindustrie war einer der ersten Bereiche, der Einschränkungen durch das Virus spüren musste. Konzert um Konzert, dann Tour um Tour und schließlich ganze Festivals wurden abgesagt und in großer Hoffnung auf die spätere Jahreshälfte verschoben. Für einige Bands und Künstler*innen geht es da um die finanzielle Existenz. Mit Blick auf unsere lokalen Talente haben wir mit Lisa Seifert von unseren guten Freunden John Garner über diese Thematik gesprochen.

Wie geht es dir und der Band momentan?

Uns geht es gut, wir sind alle gesund und sehr froh darüber, wir versuchen uns die Zeit sinnvoll mit Songwriting zu vertreiben. Allerdings mussten wir sehr viele unserer Konzerte absagen, was sich gerade finanziell verheerend niederschlägt.

Wann habt ihr so richtig gemerkt, was für Auswirkungen das Virus auf euch als Band hat?

Also das erste Konzert, dass abgesagt wurde war am 13. März und seit dem gibt es eigentlich stündlich updates. Mittlerweile sind es fast 20 Konzerte, die abgesagt / verschoben wurden. Wir befinden uns in ständigem Kontakt mit den Veranstaltern, den Bands für die wir hätten Support spielen dürfen, unserem Verlag und allen anderen beteiligten. Wir befassen uns mit allen möglichen Förderungsmitteln und hoffen so diese kommende Zeit eben auch als kleines aber wirtschaftliches Unternehmen zu überstehen.

Wie schätzt du die aktuelle Lage generell ein?

Ich persönlich merke, dass ich mir sehr schwer tue ein eindeutiges Gefühl zu der Lage zu entwickeln. Minütlich prasseln Informationen auf einen ein und es gibt nur noch ein Gesprächsthema. Da drehen sich in meinem Kopf die Gedanken manchmal ziemlich im Kreis. Geprägt von Unsicherheit und Zuversicht. Das sind zwei sehr verschiedene Emotionen und genau so geht es mir. Ich habe mir angewöhnt keine Informationen aus „zweiter Hand“ mehr zu lesen. Wenn ich mich informieren will dann über die Pressekonferenzen oder das RKI, nicht darüber wie jemand diese Informationen interpretiert. Ich und wir alle in der Band versuchen positiv zu bleiben und die Sache ernst zu nehmen.

Wie habt ihr euch jetzt umgestellt und angepasst?

Also klar, wir haben den Livebetrieb eingestellt und es finden keine Proben statt. Trotzdem versuchen wir den Stillstand zu verhindern, mit den Fans zu kommunizieren und weiterzumachen. Schwierig, weil sich viele Dinge eben im Minutentakt ändern. Aber ich denke solange die Gesundheit von uns allen dabei im Vordergrund steht, kann man sich da schon anpassen.

Einige Künstler und Bands starten jetzt Aktionen wie Konzerte via Livestream. Habt ihr auch schon ähnliche Ideen?

Ja wir haben schon einige Ideen, denken jedoch auch da über alles gründlich und lange nach damit wir unseren Beitrag zur Sicherheit weiterhin leisten. Wir versuchen auf unseren Kanälen positiv zu kommunizieren und den Fans nahe zu sein. Austausch und Zusammenhalt ist da sehr wichtig für uns. Wir stehen auch täglich in Kontakt mit Kollegen überall im Land und zum Beispiel auch unseren Freunden von Mainfelt und Mr Alboh, die in Italien natürlich noch einmal schwerer betroffen sind. Die Branche hält toll zusammen, man kann sich überall Tipps oder mal nen aufmunternden Anruf holen.

Was denkst du, wie die Zukunft für die betroffenen Branchen aussehen wird?

Das wird sich zeigen. Es wird sich zeigen wie sehr wir unterstützt werden, wie wichtig diesem Land seine Künstler sind und wie wir die Situation meistern können. Viele von uns, die noch nicht Vollzeit von der Musik leben können, arbeiten nebenzu als Lehrer oder im Gastrogewerbe und sind deswegen natürlich doppelt betroffen. Der Austausch unter uns allen ist wie gesagt auf das höchste offen, liebevoll und aufbauend und deswegen sehen wir mit Hoffnung in die Zukunft. Das ist denke ich die beste Sichtweise.

...Und eure Zukunft?

Ich denke alle in unserer Branche sind Kämpfer. Jeder Clubbetreiber und jeder Musiker ist Hindernisse gewohnt. Ein so großes, ohne jedes Selbstverschulden wiegt schwer. Doch wir werden natürlich alles daran setzen, diese Zeit zu überstehen und hoffen auf die Hilfestellung, die uns ermöglicht da auch ohne großen Schuldenberg wieder rauszukommen.

Wie kann man euch jetzt unterstützen?

Ihr könnt uns und all den lieben Kollegen natürlich helfen indem ihr Merch kauft. Anstatt das Konzertticket, dass ihr gekauft hättet könnt ihr CDs, T-Shirts und all die anderen coolen Sachen kaufen. Bei uns und allen Locals die euch schon so viele schöne Abende und Musik beschert haben. Klar jeder nur das was er kann, aber damit ist uns allen wirklich sehr geholfen.

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