Corona-Lage aktuell: Der Augsburger Krisenstab informiert

Vor den Impfzentren bilden sich Warteschlangen und die Krankenhäuser der Region sind fast zu 100 Prozent belegt. Der Augsburger Krisenstab erklärt, wie es weitergeht.

Corona-Lage aktuell: Der Augsburger Krisenstab informiert

„Die Impfung ist der einzige Weg aus der Pandemie“, wiederholt Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber und möchte am Anfang der Pressekonferenz noch einmal auf mögliche Bedenken im Zusammenhang mit der Impfung eingehen.

Dass es viele Impfdurchbrüche gebe, sei richtig, doch diese Menschen müssen im Regelfall nicht auf einer Intensivstation behandelt werden. Es stimme auch, dass geimpfte Menschen sich weiterhin anstecken könnten, doch sie seien weit weniger ansteckend als Ungeimpfte. Der Glaube daran, dass tägliche Tests eine Impfung hinfällig machen, sei gefährlich: „Tests schützen nicht vor einer Ansteckung“. Die Chance, dass man als ungeimpfte, infizierte Person einen schweren Krankheitsverlauf durchmachen müsse, sei um 1200 Prozent höher, im Vergleich zu geimpften Infizierten. Dies wurde an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) errechnet, so Weber. „Diese Zahlen sollten für sich sprechen“, sagt sie.

Ganz besonders intensiv möchte die Oberbürgermeisterin Eltern, Onkel, Tanten, Paten und Tagesmütter zum Impfen aufrufen. Laut ExpertInnen infizieren sich viele ungeimpften Jugendliche und Kinder im familiären Umfeld und nicht in der Schule oder in Kitas.

Impfkapazitäten in Augsburg

„Wir sind dabei Kapazitäten deutlich erhöhen“, sagt Eva Weber. Sie wisse, wie viele Menschen dringlichst auf ihre Booster-Impfung warten würden oder in den langen Warteschlangen vor dem Impfzentrum standen. Wichtig zu wissen sei, dass die Stadt Augsburg nicht selbst bestimmen dürfe, wie viele Impfungen am Tag vergeben werden. „Der Freistaat entscheidet mit welchen Kapazitäten gearbeitet wird“, sagt Weber. Während die bayerische Staatsregierung hinsichtlich der Booster-Impfung zunächst auf Arztpraxen gesetzt hatte, wurde jetzt deutlich, dass diese Kapazitäten nicht ausreichen. Deshalb werden jetzt wieder verstärkt die Impfzentren mit Impfstoff versorgt. „Ich bin froh darüber, dass wir in Augsburg relativ gut aufgestellt sind und das Impfzentrum nie ganz heruntergefahren haben“, sagt Weber.

Bis vor zwei Wochen hatte das Impfzentrum Augsburg noch die Genehmigung für 450 Impfungen pro Tag. Zurzeit können 7000 bis 8000 Impfungen pro Woche durchgeführt werden. Diese Zahl soll in der nächsten Zeit nochmal gesteigert werden. Allerdings könne dieses Ziel nur dann umgesetzt werden, wenn ausreichend Personal zur Verfügung stehe. Allein für 2.500 Impfungen täglich, bräuchte es mehr Personal. Etwa 100 mehr Personen, wie Jan Quak, Leiter der Bäuerle Ambulanz sagt.

Laut derzeitiger Planung des Freistaats sollen Impfzentren bis zum 31. März 2022 betrieben werden. Weber rechnet mit einer Verschiebung dieses Termins nach hinten, da bis zu diesem Zeitpunkt sicherlich noch nicht alle Impfungen durchgeführt werden konnten.

Derzeit werden über 20 Prozent der Impfdosen an AugsburgerInnen aus dem Landkreis vergeben. Das liege daran, dass es im Landkreis noch an entsprechendem Angebot fehle. Um lange Wartezeiten zu vermeiden, empfiehlt Weber, auch das Impfangebot von HausärztInnen und BetriebsärtzInnen zu nutzen und regelmäßig zu überprüfen, ob ein Impftermine frei wurde. Impfstoff sei in ausreichender Menge vorhanden.

Zahlen zum Impfen

Vergangene Woche wurden im Impfzentrum 6600 Impfungen vergeben, 25 Prozent der Menschen bekamen ihre Erstimpfung, etwa 15 Prozent erhielten ihre Zweitimpfung. 60 Prozent der Personen bekamen die Booster-Impfung. „Die Impfquote von 80 Prozent, die wir für die Herdenimmunität brauchen, ist noch lange nicht erreicht“, sagt Weber.

Krankenhauskapazitäten erschöpft

99,2 Prozent der Intensivkapazitäten der Krankenhäuser in Augsburg und den angrenzenden Landkreisen sind belegt (Stand 24. November 2021). Täglich infizieren sich etwa 200 Menschen neu mit Corona. „Im Durchschnitt müssen zehn Fälle am Tag stationär aufgenommen werden, 2,5 Fälle müssen auf der Intensivstation versorgt werden“, sagt Dr. Thomas Wibmer, stellvertretender Leiter des städtischen Gesundheitsamtes. Tagtäglich stelle sich erneut die Frage: „Wohin mit den PatientInnen?“ Die Pandemie ende erst, wenn alle entweder geimpft sind oder infiziert waren. Bis es so weit ist, würde es jedoch unter den aktuellen Gegebenheiten mindestens noch bis Ende des Frühjahrs dauern.

Mit einem weiteren Anstieg der Inzidenz im Landkreis Augsburg, die sich zurzeit um die 600 bewegen, rechnet Wibmer allerdings nicht. „Dass wir eine Inzidenz von 1.000 erreichen, halte ich für sehr unwahrscheinlich“, sagt er.

„Es geht nicht nur um eine persönliche Entscheidung“

„Alle 25 Minuten stirbt ein Mensch an Corona“, sagt Eva Weber. Es gehe jetzt um Fragen wie: „Was, wenn ich selbst ein medizinischer Notfall werde und im Krankenhaus behandelt werden muss?“ und „Was, wenn dann kein Personal und keine Betten zur Verfügung stehen, mich zu versorgen?“ Spanien, Italien und Portugal haben es uns vorgemacht, wie es funktioniert. Jetzt liege es an jedem persönlich, die richtige Entscheidung zu treffen.

Ab Mittwoch, den 24. November, gelten die neuen Corona Regelungen.

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