Langzeitfolgen sind ein Argument für die Impfung und nicht dagegen

Eine Covid-19-Impfung kann keine Langzeitfolgen auslösen. Eine Covid-19-Infektion allerdings schon.

Langzeitfolgen sind ein Argument für die Impfung und nicht dagegen

Seitdem die ersten Impfstoffe gegen das Coronavirus zugelassen wurden, kursieren die wildesten Gerüchte über Nebenwirkungen und auch Langzeitfolgen, die nicht absehbar wären. Natürlich muss man sich, wenn man die Möglichkeit hat sich impfen zu lassen, erst einmal kundig machen. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass erstens: Jede Impfung Nebenwirkungen haben kann und zweitens: Langzeitfolgen vielmehr nach Erkrankung am Coronavirus Thema sind, als nach einer Impfung.

Langzeitfolgen einer Covid-19-Erkrankung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte schon Ende letzten Jahres vor den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion. „Besonders besorgniserregend ist die große Bandbreite an Symptomen, die jedes System im Körper betreffen können“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus damals in Genf, wie BR24 berichtete. Zu den gängigsten Spätfolgen gehören der WHO zufolge starke Erschöpfung und Müdigkeit, Herzrasen, Atemprobleme und Gedächtnisschwierigkeiten. Die genannten Symptome können auch nach einem leichten Verlauf der Corona-Erkrankung auftreten. Mittlerweile hat sich der Begriff „Post-Covid-Syndrom“ für die Gesamtheit der Langzeitfolgen etabliert, die teilweise noch bis zu sechs Monate nach der eigentlichen Erkrankung auftreten können.

Impf-Nebenwirkungen sind nichts Ungewöhnliches

Zunächst einmal muss man klar unterscheiden zwischen Impf-Nebenwirkungen und Langzeitfolgen. Nebenwirkungen sind auch bei etablierten Impfstoffen möglich, heißt es vom Bundesministerium für Gesundheit. Wir kennen sie von vielen Standard-Impfungen, wenn beispielsweise unser Arm wehtut, wir uns schlapp fühlen und eventuell sogar etwas Fieber bekommen. Solche Impfreaktionen sind in der Regel nach wenigen Tagen vorüber. Auch bei der Covid-19-Impfung können solche Nebenwirkungen auftreten.

Das Paul-Ehrlich-Institut sammelt alle gemeldeten Nebenwirkungen und Impfreaktionen – auch die von Covid-19-Impfungen. Aus dem Sicherheitsbericht 27.12.20-31.01.21 ist ersichtlich, dass die häufigsten Nebenwirkungen Kopfschmerz, Schmerzen an der Impfstelle, Fieber und Müdigkeit sind. Insgesamt wurden dem Paul-Ehrlich-Institut nach 2.467.918 verabreichten Impfdosen in Deutschland bisher 349 Fälle von „schwerwiegenden Nebenwirkungen“ gemeldet. (Sicherheitsbericht 27.12.20 - 31.1.21). In der Regel würden Impf-Nebenwirkungen nach kurzer Zeit wieder abklingen, erläutert die Pressesprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts Susanne Stöcker, gegenüber ZDFheute. Manchmal würden sie Tage später und nur selten Wochen danach auftreten. Weiter erklärt sie: „Langzeit-Nebenwirkungen, die erst nach Jahren auftreten, sind bei Impfstoffen generell nicht bekannt.“

Langzeitfolgen im Sinne von Langzeit-Nebenwirkungen kommen in der Regel nicht vor

Wenn Menschen also sagen, sie würden sich aus Sorge vor Langzeitfolgen nicht impfen lassen, dann meinen sie meist Langzeit-Nebenwirkungen, die es, wie eben gehört, nicht gibt. Der Körper reagiert nicht erst nach Jahren auf eine Impfung, sondern relativ zeitnah.

Was es allerdings schon gibt, sind seltene Nebenwirkungen, die oft erst Jahre nach Zulassung eines Impfstoffs auftreten, weil sie so selten sind. Dafür müsse teilweise hunderttausendfach bis millionenfach geimpft werden, erläutert Susanne Stöcker, bis die seltene Nebenwirkung bei einer Person auftritt. Im Falle der Covid-19-Impfstoffe dürften seltene Nebenwirkungen vergleichsweise schnell ausfindig gemacht werden, da in hohem Maßstab geimpft würde, erklärt sie weiter.

Impfstoff nach 50 Stunden abgebaut.

Doch auch jene seltenen Nebenwirkungen machen sich maximal ein paar Monate nach der Impfung bemerkbar. Dass danach nichts mehr passiert, liegt auch daran, dass der Impfstoff schon nach wenigen Tagen praktisch nicht mehr im Körper ist. Tatsächlich wird der mRNA-Impfstoff der Covid-19-Impfung von unserem Körper sehr schnell abgebaut. „Nach etwa 50 Stunden ist die mRNA nicht mehr im Körper nachweisbar“, erklärt Dr. Isabelle Suárez, Infektiologin der Uniklinik Köln, gegenüber dem WDR.

Also, wenn nach unserer Covid-19-Impfung nach wenigen Monaten nichts passiert, wird auch in Zukunft nichts mehr passieren. Darüber, was innerhalb der ersten Monate passieren kann, weiß man mittlerweile, unter anderem dank der Arbeit des Paul-Ehrlich-Instituts, gut Bescheid.

Ob der Einzelne das Risiko der Nebenwirkungen eingehen will oder nicht, muss jeder für sich entscheiden. Aber vergesst nicht, der Vergleich „mögliche Impf-Nebenwirkungen“ versus „keine Impfung“ ergibt keinen Sinn. Zwischen „Corona und seinen Langzeitfolgen“ und „Impf-Nebenwirkungen“ muss abgewägt werden.

Logo