Augsburger Clubszene – Einmal 9 mit einem Party-Veranstalter

Woran liegt es, dass die Augsburger Clubszene so „lame“ ist? Wir haben bei einem Party-Veranstalter nachgefragt.

Augsburger Clubszene – Einmal 9 mit einem Party-Veranstalter

Die Augsburger Clubszene – ein Thema, das immer wieder für Diskussionen sorgt. Während die einen das Party-Angebot in Augsburg feiern, klagen die anderen über fehlende Abwechslung. Während meiner Umfrage für den Artikel „Gehen Augsburger überhaupt noch feiern?“ bin ich überwiegend auf Leute gestoßen, die der Meinung sind, in Augsburg fehlt einfach etwas Neues. Doch woran liegt es, dass die Clubszene in der Fuggerstadt so eingeschlafen ist? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, waren wir im Gespräch mit einem Insider, der selbst lange Zeit als Veranstalter mit vielen Clubs in Augsburg zusammengearbeitet hat.

1. Du kennst die Augsburger Clubszene ziemlich gut. Wo hast du gearbeitet?

Ich habe als Veranstalter schon mit vielen Clubs zusammengearbeitet. Mal sehr sehr erfolgreich und leider mal weniger erfolgreich. Ich stand fast schon mit jedem Augsburger Club und jedem Clubbesitzer, Türsteher oder Eventmanager in Kontakt und teilweise tausche ich mich immer noch mit einigen aus, obwohl ich selber jetzt seit zwei Jahren nicht mehr aktiv bin.

2. Wie hat sich die Clubszene in den letzten Jahren verändert?

Um diese Frage zu beantworten, muss erst klargestellt werden, was eine Clubszene überhaupt ausmacht. Natürlich muss ein Angebot an Veranstaltungen vorhanden sein, wofür die Clubbesitzer und ihre hauseigenen Veranstaltungen oder fremde Veranstalter mit ihren Konzepten und Ideen verantwortlich sind. Je unterschiedlicher diese Veranstaltungen sind, desto unterschiedlicher ist auch das Klientel, das angesprochen wird. Während sich in den letzten 10 Jahren bei den Clubbesitzern, Veranstaltern, Partyreihen und DJs nur minimal etwas verändert hat, sprich viele Veranstaltungsreihen und wiederholende Mottos, haben sich die Besucher und auch ihr Umfeld in den letzten Jahren stark verändert.

3. Woher kommt diese Stagnation bei den Clubs?

Bei den Clubs und Veranstaltern ist es natürlich so, dass Sie Geld verdienen müssen, um ihre Unterhaltskosten und ihre Investitionen wieder reinzukriegen. Das führt zwangsläufig dazu, dass gute Veranstaltungen solange wiederholt werden, bis wirklich keiner mehr hingeht. Schließlich brauchen auch Clubs sichere Einnahmequellen. So entsteht aber leider das Problem, dass der Weg für neue Veranstaltungen und Veranstalter sehr schwer gemacht wird, da das Neue immer auch ein gewisses Risiko mit sich bringt. Zudem wurden aber auch die Besucher immer anspruchsvoller, was natürlich ihr Recht ist. Diese Stagnation bei den Clubs mit immer gleichem Personal und Konzepten auf der einen Seite und die Lust auf Neues auf der anderen Seite bei den Partygängern führt eben zu einer Diskrepanz und dem Gefühl, dass die Clubszene einschläft.

4. Augsburg ist Studentenstadt. Warum gehen trotzdem immer weniger Augsburger feiern?

Wie bereits erwähnt, haben sich vor allem die Besucher in den letzten Jahren verändert. Während man vor 10 Jahren zum Beispiel in den Club gegangen ist, um einen Partner zu finden, benutzt man dafür heute überwiegend Dating-Apps. Außerdem haben sich nicht zuletzt auch durch die sozialen Medien die Prioritäten vieler Menschen verschoben. Das Geld wird heute lieber für den nächsten Urlaub gespart, anstatt für 2-3 Partys in der Woche ausgegeben. Und gerade die Studenten haben durch die neuen Studentenwohnheime eine günstigere Alternative zu den Clubs. Dass die Mieten für Wohnungen und WG-Zimmer in den letzten Jahren auch in die Höhe geschossen sind, verstärkt diese Entwicklung zusätzlich. Wenn ein Student 100-150 Euro im Monat mehr für Wohnung und Unterhalt zahlen muss, als vor 5-7 Jahren, bleibt natürlich weniger übrig fürs Party machen.

5. Ist die „Weggeh-Faulheit“ ein Problem unserer Generation?

Verglichen mit den Generationen davor auf jeden Fall. Diese Faulheit wird glaube ich auch die nächsten 2-3 Generationen zunehmen. Die jüngere Generation lebt ja fast nur noch Online auf sozialen Netzwerken oder Gamingportalen. Und da der Alltag nicht einfacher wird, suchen wir uns eben in der Freizeit eher die entspannten Freizeit-Möglichkeiten aus. Außerdem legt unsere Generation immer mehr Wert auf einen gesunden Lebensstil. Es wird auch immer mehr zum Trend, auf Alkohol und Bier zu verzichten, zumindest im Vergleich zu früher. Viele haben Fitness, Wandern und Reisen für sich entdeckt und dafür ist das Weggeh-Verhalten stark zurückgegangen. Und gerade Fitness und Wandern sind im Vergleich zu Diskothek-Besuchen natürlich auch günstiger und gesünder.

6. Ich habe das Gefühl, dass es fast nur noch Techno- oder 90er-Partys gibt. Trauen sich die Clubs nicht mehr, etwas Neues auszuprobieren?

Das kann man glaube ich den Clubs schon vorwerfen, dass sie nicht immer mutig waren und mal auch Mottos und Konzepte veranstaltet haben, die nicht die Massen, sondern eher kleine Randgruppen ansprechen. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass wenn man gut Geld machen wollte, eigentlich nur die Hip-Hop-, 90er-, 2000er- und die Techno Veranstaltungen wirklich lukrativ waren. Und in diesen Bereichen gibt es dann natürlich ein Überangebot. Während für die Leute mit alternativem Musikgeschmack, wie zum Beispiel Schlager (ist ja für viele wieder Sexy geworden), eher weniger geboten ist. Und wie schon zuvor erwähnt, darf man auch nie außer Acht lassen, dass die Clubbetreiber natürlich ihre Kosten und Investitionen decken müssen und sich deswegen auf das konzentrieren, was ihnen Einnahmen beschert.

7. Hat Augsburg als Stadt überhaupt das Potenzial für eine gute Clubszene? Was ist der Unterschied zu Clubszenen anderer Städte?

Ich denke, dass wir in Augsburg die goldene Mitte darstellen. Einmalig ist in Augsburg auf jeden Fall, dass man in einem Umkreis von einem Kilometer 70-80% der Clubs und Bars (die übrigens immer beliebter werden im Vergleich zu den Clubs) hat. Das ist gerade für so eine Stadtgröße doch eher ungewöhnlich. In anderen Städten muss man von einem Club zum nächsten Club teilweise eine Stunde fahren. Allerdings ist in Augsburg sicherlich noch Potenzial da, um das Publikum besser für sich zu gewinnen. Gerade Konzepte und Mottos könnten die einzelnen Clubs besser auf einander abstimmen, um am Freitag oder Samstag nicht 5 Hip-Hop-Partys oder 5 Techno-Partys gleichzeitig stattfinden zu lassen. In dem Bereich sind einige Städte, wie z.B. Berlin schon viel weiter. Aber generell gibt es in ganz Deutschland keine gravierenden Unterschiede. Wir in Augsburg haben gemessen an den Einwohnern auch fast zu viele Clubs. Dann verläuft sich das Publikum noch mehr. Aber Deutschlandweit haben glaube ich 80% der Clubs mit Besucherrückgängen zu tun. Das liegt einfach an den veränderten Prioritäten.

8. Was müsste sich verändern, dass die Augsburger Clubszene weniger "lame" wird?

Abwechslungsreichere Events und auch mal mutig sein, eine Veranstaltung nur für 100-150 Leute zu machen. Man wird dadurch wahrscheinlich keinen Gewinn machen, aber die Leute nach und nach wieder für sich gewinnen können, wenn die Veranstaltungen spannender werden.

9. Welchen Club/Party sollte es in Augsburg geben?

Ich war vor vielen Jahren im „Capital-Club“ Helsinki und der hat mich echt richtig gepackt. 4-5 Areas mit verschiedenen Musikrichtungen, Designelementen und eine unvergleichliche Dachterrasse, von der man die Innenstadt gesehen hat. So eine Location steht leider in Augsburg nicht mal zur Verfügung. Aber das war der beste Club, in dem ich bis jetzt war. Das war ein Erlebnis und darin liegt glaube ich auch ein wenig die Zukunft der Clubs von heute. Eine Party, egal unter welchem Motto, muss ein Erlebnis sein und die Leute packen.

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