Die Chippendales kommen nach Augsburg – die Gelegenheit für ein kritisches Statement

Alle sabbernden und kreischenden Mädels aufgepasst, was ihr da abzieht, geht uns alle an.

Die Chippendales kommen nach Augsburg – die Gelegenheit für ein kritisches Statement

Wir sind emanzipiert, wollen nicht auf unser Äußeres reduziert werden und kriegen die Krise, wenn uns ein Mann hinterher pfeift.

Eine Frau, die in der Schlange zu einer Chippendale-Veranstaltung ansteht hat aber scheinbar all das zu Hause vergessen. Aufgetakelt und schon den zweiten Prosecco intus wartet sie darauf, dass sich die Jungs aus Las Vegas für sie entblößen. Aber die Show ist doch niveauvoll! Die Jungs haben richtige Choreos und Special-Effekte und und und… Überhaupt nicht vergleichbar mit einem Hinterhof Striptease, werden einige sagen.

Nein! Bis auf die Tatsache, dass der Hinterhof eine riesige Veranstaltungshalle ist, gibt`s da für mich keinen Unterschied. Bei den Worten „da ist für jeden was dabei von blond bis lockig, von behaart bis tatowiert“, dreht sich mir der Magen um. Ein echtes Schlachthaus-Feeling kommt auf und ich kann nicht anders als bei der Aufforderung nach der Show seinen Liebling anzufassen und Bilder mit ihm zu machen, an einen Zoo zu denken.

Aber warum rennen so viele Frauen zu den Chipps?

In Zeiten wie diesen, in denen wir münchenweit endlich eine Abschaffung sexistischer Werbung erreicht haben und auch der Run auf die Models vor Hollister abgeflaut ist. Wie kann es da sein, dass einige Mütter, Töchter und Seniorinnen die Männerwelt so behandeln, wie keine Frau selbst behandelt werden möchte? Sexismus muss aufhören, Frauen sollen nicht auf ihre Körbchengröße oder ihre Skinny Legs reduziert werden. Aber, dass die Chippendales eher wenig mit Charme oder Humor punkten sondern mit stereotypischem Verhalten, für das sie hysterisches Kreischen ernten, geht klar oder?

Ich verstehe ja den Grundgedanken der dahinter steckt und viele fühlen sich immer noch wie die größte Feministin, wenn sie mit ihren Freundinnen die Strip-Show besuchen. Denn wir Frauen wollen ja auch unsere Sexualität ausleben und wollen gleichberechtigt die Konkurrenz zu Tabledanceschuppen der Männer besuchen. Aber müssen wir in dieser Hinsicht wirklich gleichziehen? Können wir bei diesem Punkt nicht einfach nicht nachziehen? Die Männerwelt alleine das andere Geschlecht im roten Nachtlicht anschauen lassen? Emanzipation heißt nicht, automatisch jeden Schwachsinn, den die Männerwelt betreibt gedankenlos zu übernehmen. Dass die hohen Besucherzahlen aber auch ein Statement für die Männerwelt darstellen wird oft vergessen. Wollen wir wirklich als sixpackfixierte, einfältige und gilfende Spezies abgestempelt werden? Wer die Chippendale-Show gefeiert hat, hat jegliches Recht auf sexistischen Protest gegen die Männerwelt verloren. Wer bei lauter eingeölten Muskeln vergisst, dass der heiße Typ kein Wort der eigenen Sprache spricht, der darf auch nicht mehr über leichtbekleidete Frauen in der Parfümwerbung lästern, Musikvideos boykottieren, sich über das Hinterherpfeifen der Bauarbeiter ärgern oder sich über eine Jobabsage aufgrund von Äußerlichkeiten wundern.

Wer an einem Abend Sexismus pur erleben möchte: Viel Spaß bei den Chippendales am 27.10.18 im Kongress am Park

Logo