Viele Menschen fordern: Catcalling soll strafbar werden

In den vergangenen Monaten tauchte in den Medien vermehrt der Begriff „Catcalling“ auf. Wir erklären euch, was damit gemeint ist und warum das Thema so präsent ist.

Viele Menschen fordern: Catcalling soll strafbar werden

Eine Fuldaer Studentin startet eine Online Petition gegen Catcalling und Finnland verabschiedet ein Gesetz, das verbale Belästigung und die Belästigung durch Bilder oder Nachrichten strafbar macht. Diese beiden Ereignisse brachten eine große Debatte über sexuelle Belästigung in Gang. Zeit, sich mit dem Thema genauer zu beschäftigen.

Was ist Catcalling?

Mit Catcalling sind sexuelle Belästigung auf verbaler Ebene gemeint. Sprüche auf der Straße, wie „Hey Süße, hübscher Po“, die meist von Männern an Frauen gerichtet sind. Der Begriff „Catcall“ hat sich im Social Media Bereich durchgesetzt und gibt der verbalen sexuellen Belästigung endlich einen Namen. In vielen Städten wurden eigene Instagram-Accounts erstellt, die auf Catcalling aufmerksam machen. Unter anderem schreiben sie Sprüche, die sich Frauen anhören mussten mit Kreide auf die Straße. So auch @catcallsofaugsburg. Für sie steht fest: Catcalling darf nicht länger ungestraft bleiben. Unter Catcalling fallen nicht allein Sprüche, sondern auch das Nachpfeifen oder das penetrante Anstarren etwa des Dekolletés.

Wie sieht die aktuelle Gesetzeslage zu Catcalling aus?

Laut Strafgesetzbuch sind genannte Sprüche nicht strafbar und schon gar nicht Anstarren oder Nachpfeifen. Erst wenn der Täter das Opfer berührt oder ein Schimpfwort benutzt, fällt es unter einen Strafbestand. Es muss eine eindeutige Herabwürdigung und Beleidigung vorliegen, damit die Justiz aktiv wird. Den AktivistInnen geht das nicht weit genug. Sie fordern, dass auch Sprüche, die keine offensichtliche Beleidigung beinhalten, strafbar sein sollten und auch anderes offensichtlich herabwürdigendes Verhalten geahndet wird.

Die Petition der Studentin Antonia Quell aus Fulda mit dem Titel „Es ist 2020. Catcalling sollte strafbar sein“ haben bisher über 60.000 Menschen unterzeichnet. Das bedeutet, dass sie ihr Anliegen dem Petitionsausschuss des Bundestags vortragen darf.

Ist Catcalling wirklich so ein Problem?

Die Antwort auf diese Frage muss leider mit „Ja“ beantwortet werden. Allein, dass es von fast jeder größeren Stadt einen „Catcallsof…“-Account gibt, spricht für sich. Dabei handelt es sich übrigens um ein weltweites Phänomen. Immer mehr Frauen melden sich mit ihren persönlichen Erfahrungen mit verbaler sexueller Belästigung. Glaubt man der Umfrage von @catcallsofaugsburg wurden 86 Prozent der TeilnehmerInnen, schon einmal „gecatcalled“.

Wie weit sind andere europäische Länder im Kampf gegen Catcalling?

Tatsächlich haben bereits einige Länder entsprechende Gesetze verabschiedet, um Catcalling zu bekämpfen. In Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Portugal kann ein anzüglicher Kommentar viel Geld kosten.

Das unaufgeforderte Verschicken von „Dickpics“ ist in Finnland strafbar.

In Frankreich liegen die Bußgelder zwischen 150 und 1.500 Euro. In Großbritannien wird über einen Gesetzesentwurf diskutiert. Auch Finnland hat kürzlich entsprechende Gesetze erweitert und somit verbale sexuelle Belästigung und auch das unaufgeforderte Zuschicken von Bildern und Nachrichten mit anzüglichem Inhalt, strafbar gemacht.

Logo