Der Bußgeldkatalog: eine Fahrt in den Bankrott?

Das Fehlverhalten im Straßenverkehr teuer ist, wissen wir bereits. Doch wie tief man wirklich in die Tasche greifen muss, wird vielen erst bewusst, wenn sie den Bußgelbescheid schon in der Hand halten. Um das zu vermeiden, hier ein kleiner Überblick.

Der Bußgeldkatalog: eine Fahrt in den Bankrott?

Nach langem Ringen zwischen Verkehrsministerium und Ländern hatte der Bundesrat schließlich einige Änderungen im Bußgeldkatalog beschlossen, die nun seit 9. November 2021 gelten. Verkehrssünder werden seitdem deutlich stärker zur Kasse gebeten und müssen teils mehr als das doppelte Bußgeld zahlen.

Radfahrer aufgepasst

Geisterfahrer mit dem Auto? Auf keinen Fall! Geisterradler? Passt schon – wenn es dann schneller geht?! Im Auto wird sich meist an die Regeln gehalten, auf dem Fahrrad gelten diese allerdings für viele nicht. Doch aufgepasst, denn das ist nicht nur sehr gefährlich, sondern kann auch schnell teuer werden. Nehmen wir gleich das Beispiel eines Geisterradlers her: das Bußgeld von 20 Euro ist zwar verkraftbar, doch seid ihr dabei noch am Handy, könnt ihr gleich weitere 55 Euro dazu addieren. Auch das Fahren auf Gehwegen ist nicht billig mit seinen 55 Euro. Gefährdet ihr dabei jemanden, zahlt ihr sogleich 80 Euro. Die rote Ampel, die auf dem Fahrrad gerne einmal übersehen wird, sollte in Zukunft lieber beachtet werden oder sind euch die zwei Minuten, die ihr damit spart, satte 100 Euro wert? Mal ganz davon abgesehen, dass ihr dadurch nicht nur euch, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer:innen sowie ganze 180 Euro eures Ersparten gefährdet, sollte es dabei zu einem Unfall kommen. Außerdem ist es ratsam vom Fahrrad abzusehen, wenn es darum geht, von dem Feiern nach Hause zu fahren – zumindest, wenn Alkohol im Spiel war. Denn ab 0,3 Promille und auffälligem Fahrverhalten droht eine Strafanzeige. Könnt ihr euch mit 1,6 Promille oder mehr noch auf dem Rad halten, seid ihr sogleich bei drei Punkten in Flensburg, einer Geldstrafe sowie einer zusätzlichen Anordnung für eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung.

Die Wahrheit über E-Scooter

Seit Juni 2019 sind sie in Deutschland zugelassen und seither nicht mehr aus dem Straßenverkehr wegzudenken: die E-Scooter. Doch die Sanktionen für dieses Verkehrsmittel sind sehr hoch angesetzt. Bei kleineren Verstößen, beispielsweise Nebeneinanderfahren oder fehlendem Anzeigen der Richtungsänderung, zahlt ihr mit zehn bis 15 Euro noch vergleichsweise geringe Bußgelder. Wo es wirklich teuer wird, ist bei alkoholisiertem Fahren. Ab 0,3 Promille droht euch eine Freiheits- oder Geldstrafe sowie drei Punkte. Zudem kann eine Entziehung der Fahrerlaubnis folgen. Fahrt ihr einen E-Scooter mit 0,5 Promille, ist euer Geldbeutel schnell 500 Euro leichter, dafür aber das Fahreignungsregister in Flensburg um zwei Punkte schwerer. Auch vom Führerschein könnt ihr euch anschließend einen Monat lang verabschieden. Habt ihr danach nicht aus eurem Fehler gelernt und werdet nochmals betrunken auf einem E-Scooter erwischt, kassieren die Polizisten 1.000 Euro und ihr zwei weitere Punkte in Flensburg sowie drei Monate Fahrverbot. Bei einem dritten Mal würden weitere 500 Euro dazukommen.

Vier Räder, viel Geld

Nun zurück zu dem Beispiel des Geisterfahrers: Fahrt ihr mit dem Auto entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung, kommt es neben führerscheinrechtlichen Maßnahmen zu einer Geldstrafe und unter Umständen sogar einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Auch das Überfahren einer roten Ampel wird mit 228,50 Euro teuer. Gefährdet ihr dabei andere, sind es gleich 348,50 Euro – zwei Punkte sowie ein Monat Fahrverbot sind in beiden Fällen inklusive. Daneben ist auch bei Grünpfeilen besondere Vorsicht geboten. Zwar zeigen sie an, dass das Fahren trotz roter Ampel erlaubt ist, doch sollte nicht vergessen werden, an der Haltelinie kurz stehen zu bleiben. Hierfür sieht der reformierte Bußgeldkatalog nämlich 70 Euro sowie einen Punkt vor. Strikt untersagt ist außerdem das Handy am Steuer, denn durch die Ablenkung gefährdet ihr nicht nur euch selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer:innen. Ist dies der Fall, so droht eine Strafe von 178,50 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot. Noch ein letzter kleiner Fakt: Nehmt ihr ein Kind ohne jegliche Sicherung (Gurt, Kindersitz, …) mit, kostet euch das 70 Euro sowie einen Punkt. Für eine erwachsene Person im Kofferraum sind unterdessen nur fünf Euro angesetzt.

Ein kurzer Halt kann teuer werden

Auch bei falschem Halten und Parken könnt ihr schnell auf eure Kosten kommen: für ein kurzes Stehenbleiben in zweiter Reihe, sei es auch nur um jemanden aussteigen zu lassen, sind 55 Euro vorgesehen. Behindert ihr dabei den Verkehr oder gefährdet gar andere, kostet es 80 Euro und ein Punkt ist auch mit dabei. Das Halten auf Geh- oder Radwegen sowie Busstreifen spielt in der gleichen Preisklasse mit. Parkt ihr dort für längere Zeit, könnt ihr im Durschnitt nochmal 20 Euro dazu addieren. Sehr gefährliche Unfälle passieren außerdem bei dem sogenannten „Dooring“. Dies beschreibt einen Unfall, bei dem Zweiradfahrer:innen wie Fahrradfahrer:innnen, E-Scooter- oder Rollerfahrer:innen mit einer geöffneten Pkw-Tür zusammenprallen. Hier ist die Schuld seitens des Autofahrers oder der Autofahrerin, welche mit einem Bußgeld in Höhe von 40 Euro rechnen müssen. Hinzu kommt unter Umständen noch Schmerzensgeld sowie Schadensersatz.

Warum schnell fahren sich nicht lohnt

Geschwindigkeitsüberschreitungen von zehn Kilometern pro Stunde ziehen innerorts ein Bußgeld von 58,50 Euro nach sich. Je schneller ihr danach fahrt, desto teurer wird es. Ab 31 Kilometern pro Stunde zu schnell drohen euch bereits 288,50 Euro sowie zwei Punkte in Flensburg und ein Monat Fahrverbot. Zeigt der Tacho unterdessen außerhalb des Ortes zehn Kilometer pro Stunde zu schnell an, hat das seinen Preis von 48,50 Euro. Doch auch hier schießen die Bußgelder bei schnelleren Geschwindigkeiten rasch in die Höhe. Trotzdem halten sich weiterhin viele Fahrer:innen nicht an die Tempolimits. Laut dem Statistischem Bundesamt in Deutschland ist zu schnelles Fahren noch immer Nummer Eins bei den Unfällen mit Todesursache.

Aggressionen zügeln oder Scheine werfen

Wer kennt es nicht: Das Auto vor einem fährt viel zu langsam oder kommt nicht in die Parklücke und blockiert so die ganze Straße. Da kann einem schon schnell was rausrutschen – doch das sollte es nicht. Beleidigungen oder gar Nötigungen im Straßenverkehr sind kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die dementsprechend geahndet wird. Je nachdem droht euch eine hohe Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Werdet ihr dabei handgreiflich, kann das sogar bis zu zwei Jahre Haft bedeuten. Dabei muss eure Wut gar nicht gegen Polizist:innen gerichtet sein, obgleich bei ihnen besondere Vorsicht geboten ist, denn das alleinige Duzen eines Beamten kann euch bis zu 600 Euro kosten. Doch auch gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmer:innen gehört sich ein höflicher Umgang, das ist ein Zeichen des Respekts. Solltet ihr eure Zunge dennoch nicht im Griff haben, ist hier ein kleiner Einblick in die Geldstrafen, die euch als Konsequenzen drohen können. Diese Angaben sind lediglich Richtwerte aus alten Prozessen und im Bußgeldkatalog nicht konkret so festgelegt. Trotzdem können sie gut als Orientierung dienen: Über die Beleidigung „Dir hat wohl die Sonne das Gehirn verbrannt“ schmunzeln wir vielleicht im ersten Augenblick, doch auch sie hatte ihren Preis: nämlich 600 Euro. Damit liegt sie im Verhältnis noch ziemlich weit unten, denn „Idiot“ wurde in vergangenen Prozessen mit 1.500 Euro geahndet und auch „Alte Sau“ war mit 2.500 Euro um ein Vielfaches teurer. An der Spitze steht jedoch ungeschlagen der Mittelfinger: Für ihn droht ein Bußgeld von satten 4.000 Euro. Was lernen wir daraus? – Immer die Ruhe bewahren!

Doppelt hält besser

Die im Bußgeldkatalog festgelegten Geldstrafen sind Regelsätze, die von fahrlässiger Begehungsweise und gewöhnlichen Tatumständen ausgehen. Polizeibeamte oder das Ordnungsamt können diese jedoch auch erhöhen. Wenn ihr im Straßenverkehr eine Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat vorsätzlich begeht, kann das Regelbußgeld für diese Tat verdoppelt werden. Dies ordnet der der Bußgeldkatalog so an. Theoretisch kann dabei jeder Verstoß im Straßenverkehr unter dem Vorwurf des Vorsatzes stehen. Auch wenn ihr etwa bereits Punkte in Flensburg habt, darf die Behörde nach Ermessen entscheiden, ob härtere Sanktionen angebracht sind.

Logo