ÖPNV – Wie unterschiedlich sind Stadt und Land?

Öffentliche Verkehrsmittel sind wichtig für einen positiven Beitrag zum Umweltschutz. Doch während das Angebot in der Stadt gut genutzt wird, wird auf dem Land meistens das Auto genutzt. Der Grund dafür liegt im Qualitätsunterschied des ÖPNV.

ÖPNV – Wie unterschiedlich sind Stadt und Land?

Das neue Jahrzehnt ist angebrochen und mittlerweile sollten alle im Jahr 2020 angekommen sein. Egal ob gerutscht, geglitten oder gestolpert – irgendwie hat es jeder ins neue Jahr geschafft. Bleiben wir beim Thema Mobilität, lassen sich auch einige positive Änderungen in Augsburg finden.

Mobil-Flat und City Zone für eine grüne Zukunft

So sendet die Ende 2019 gestartete und deutlich moderne Mobil-Flat der swa positive Signale für eine umweltfreundlichere Zukunft. Schon ab einem monatlichen Preis von 79 Euro ist der komplette Innenraum von Bus und Straßenbahn, 30 min swa Rad kostenlos bei jeder Fahrt und swa Carsharing inklusive bis zu 15 Stunden bzw. 150 km enthalten - und das bei nur einem Aufpreis von 26,50 Euro zum normalen Standard-Abo der Öffis. Ein guter Anreiz, öfter zu den ressourcensparenden Alternativen zum eigenen Auto zu greifen.

Das nächste Projekt der Stadtwerke ist mittlerweile auch seit dem 1. Januar in Kraft: Die neue City-Zone. Neun Stationen rund um den Königsplatz bilden die neue Zone, in der jeder kostenlos mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren kann. Ziel ist es, dadurch den Parksuchverkehr in der Innenstadt deutlich zu reduzieren und in diesem Zuge auch den CO2-Ausstoß in der Innenstadt zu verringern. Damit setzt Augsburg ein weiteres deutliches Zeichen für grüne Verbesserungen, immerhin ist sie die erste Stadt mit einem derartigen Angebot.

Es gibt aber auch Kritik. Jens Wieseke, Sprecher des Berliner Fahrgastverbandes, hat in einem Interview mit der „Bild“ angeführt, dass am Stadtrand wohnhafte Menschen von der Vergünstigung nicht profitieren würden. Ein weiterer Verbesserungspunkt: Führt beispielsweise eine längere Fahrt durch die City Zone hindurch, müssen die eigentlich kostenlosen Stationen trotzdem mitgezahlt werden. Wäre die City Zone aber eine neutrale Zone, würden sich sogar neue Kurzstrecken für Pendler ergeben. In der App wurde dies bis vor kurzem sogar noch fehlerhaft berechnet.

Das Umland wird vernachlässigt

Was beim Thema ÖPNV oft viel zu selten betrachtet wird, ist das Angebot auf dem Land – und das steht leider lange nicht so gut da wie das Pendant in der Stadt. Wir haben betroffene Pendler dazu befragt und sie können ein Lied darüber singen. Aktueller Beschwerdefall: Während beim im Dezember stattgefundenen alljährlichen Fahrplanwechsel in der Stadt nur die üblichen Minutenanpassungen vollzogen wurden, gab es auf dem Land Routen, bei denen die an sich schon seltenen Fahrten noch weiter gekürzt wurden. Gerade für Pendler die nach Augsburg müssen wurde das Angebot deutlich entschlackt.

Ein weiteres Problem: Diejenigen, die weit außerhalb Augsburgs wohnen und gerade deshalb am meisten eine funktionierende, hochfrequente Verbindung in die Stadt bräuchten, seien am schlechtesten angebunden – und zahlen gleichzeitig am meisten. Die Monatskarte für die Zonen 3-5 kostet beispielsweise stolze 70€, als Leistung gäbe es unter der Woche bei manchen Verbindungen abends dann nur einen Bus um 18 und 23 Uhr. Manche Orte würden generell ausgeschlossen bzw. gar nicht angefahren, obwohl z.B. mit Nachtbussen aggressiv damit geworben wird. Hinzu kämen die teils willkürlichen Fahrpläne mit schwankenden Abständen von 15 Minuten bis 2 Stunden und die fehlenden Absprachen zwischen swa und AVV, sodass manchmal innerhalb von 5 Minuten mehrere Busse kämen und manchmal innerhalb von 30 bis 40 Minuten keiner (vor allem am Wochenende).

In fremde Hände gegeben

Eine der Ursachen: Für den AVV fahren nur externe Busfirmen. Da bei ihnen auch eine hohe Fluktuation bestehe (bei einem Beispiel fährt die dritte Busfirma im dritten Jahr), resultieren daraus Busfahrer, die sich dann nicht in der Region auskennen und unsachgemäß später halten. Früher habe es Notfallnummern gegeben, falls ein Bus nicht kommt (auch am Wochenende). Die aktuellen Firmen seien jedoch schlecht zu erreichen und der AVV sowieso nur werktags zu den üblichen Bürozeiten.

In den Bussen eingebaute fortschrittliche Features wie W-Lan oder USB-Steckdosen seien zwar grundsätzlich eine gute Idee, würden aber leider nichts bringen, wenn der Bus gar nicht auftauche. Und als Legitimation für Preiserhöhungen akzeptieren die Pendler die Neuerungen erst recht nicht.

Zum Auto gezwungen

Das so wenig für den ÖPNV auf dem Land getan wird ist nicht nur schade, sondern leider auch deutschlandweit der Fall. Laut einer Studie des ADAC aus dem Jahr 2018 gab fast die Hälfte der Befragten an, den ÖV so gut wie überhaupt nicht zu nutzen, nicht einmal jeder Zehnte sei Vielfahrer. Trotzdem sind die Befragten mit ihrer persönlichen Mobilität überwiegend zufrieden. Warum? Fast jeder Befragte fährt Auto, sieben von zehn Menschen sogar oft und regelmäßig. Hier „gäbe es in der Fläche offenbar nicht allzu viel zu bemängeln, denn Fahrzeiten lassen sich zuverlässig berechnen, Staus sind eher unbekannt und Parkplätze im Gegensatz zur Großstadt keine Mangelware“. Nur die Umwelt, die hat bei einem derartigen notgedrungenen Zwang zum Autofahren das Nachsehen. Es wird Zeit, dass das große Qualitätsgefälle beim ÖPNV zwischen Stadt und Land verschwindet!

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