Brecht für alle – Das Brechtfestival erfindet sich neu

Das Brechtfestival schafft es jedes Jahr aufs Neue, ein wunderbares Programm aus Kultur und Musik zusammenzustellen, um Augsburgs großen Dichter zu Ehren. 2020 erfindet sich das Festival komplett neu.

Brecht für alle – Das Brechtfestival erfindet sich neu

„Er ist vernünftig, jeder versteht ihn“ – dieses Motto hat sich das kommende Brechtfestival auf die Fahnen geschrieben. 2020 gibt es „Brecht für alle“. Folgerichtig legen die neuen künstlerischen Leiter Tom Kühnel und Jürgen Kuttner die aktuelle Ausgabe als großes Spektakel und genreübergreifendes Gesamtkunstwerk an.

„Gegen den Schulbuch-Brecht, gegen Brecht den Klassiker, gegen den grauen, funktionalistischen, stapelbaren Brecht thematisieren wir die andere Seite: die Unterhaltung, das Wilde, den Zirkus, den Jahrmarkt, den Punker Brecht. Einen Brecht der durchaus weit in die Popkultur strahlt.“ (Jürgen Kuttner)

Zwei Spektakel-Ereignisse am Freitag 14.2. und Samstag 22.2. stehen im Zentrum des Programms. Der martini-Park wird zum Brecht-Jahrmarkt mit vielen Bühnen und insgesamt über 20 Beiträgen. Corinna Harfouch performt mit der Band Die Tentakel von Delphi Exilgedichte, Lars Eidinger kratzt mit seiner Version von Brechts Hauspostille an den Rändern des Asozialen, die Regisseurin Kalliniki Fili haucht einem vielstimmigen Text von Lothar Trolle Leben ein – das alles und noch viel mehr gibt es bei „Spektakel Vol.1“ und „Spektakel Vol.2“ zu entdecken. Brechts Leidenschaft für den Augsburger Plärrer ist literarisch verbürgt. Also darf eines beim Spektakel nicht fehlen – ein Riesenrad. Und selbstverständlich wird auch dies zur Bühne: „Brechts Big Wheel“.

Highlights des Spektakel Vol. 1 sind unter anderem Corinna Harfouch, die mit der Band Die Tentakel von Delphi Brechts Exilgedichte performt. Die „Mini Playbrecht-Show“ von Staatstheater-Schauspielerin Marlene Hoffmann und Band lässt Songs von Brecht, Weill, Eisler und Dessau durch Coverversionen späterer Künstlergenerationen auferstehen. In der Kantine 1832 gibt es ein spannendes Double-Feature zu hören, mit Konzerten des New Yorker Singer-Songwriters Jeffrey Lewis und den deutschsprachigen Hip-Hoppern von Zugezogen Maskulin.

Beim Spektakel Vol. 2 freuen wir uns besonders auf ein spontanes Interventionsprogramm mit Jürgen Kuttner im Dialog mit z.B. dem Satiriker Martin Sonneborn („Die Partei als Lehrstück“) oder Anatol Käbisch und Lilijan Waworka vom Staatstheater Augsburg, die mit „Technobrecht“ Altes mit Heutigem, Eisler, Weill und Brecht mit technoiden Beats verbinden – tanzbar und inspirierend.

Jürgen Kuttner erklärt das Programm folgendermaßen: „Wir wollen Sachen bieten, die eben in der Art und Weise tatsächlich nur in Augsburg stattfinden und mit Brecht zu tun haben. Ein Großteil dessen, was da zu sehen sein wird, gab es vorher noch nicht. Das sind schnelle, kleine, interessante Produktionen, die sich entweder aus Ideen ergaben, die wir für bestimmte Schauspielerinnen oder Schauspieler hatten, für die wir nach Texten gesucht haben, die noch nicht so intensiv behandelt worden sind, von denen wir aber glauben, dass sich eine Beschäftigung lohnt.“

Das Brechtfestival 2020 ist nicht nur Spektakel, Literatur, Film und Theater – es steckt auch voller Musik. Strahlender Mittelpunkt des Musikprogramms ist „Die Lange Brechtnacht“, eine ganz eigene musikalische Galaxie, die das Festival über Brechts originäres Schaffen hinausführt. Sie verfolgt Impulse der zeitgenössischen Popkultur im Umgang mit der Widersprüchlichkeit der heutigen Welt – und das schon seit 10 Jahren. Kuratiert wird das Programm seit 2011 von Girisha Fernando, der 2019 mit dem Popkulturpreis Roy für herausragende Leistungen / Lebenswerk ausgezeichnet wurde.

2020 konzentriert sich die „Lange Brechtnacht“ erstmals auf einen Ort. Im Kongress am Park geht es am 15.2. mit der Popkultur-Rakete auf zu neuen Sphären. Auf drei Bühnen spielen The Notwist, Fatoni, Gisbert zu Knyphausen, Voodoo Jürgens, Shari Vari und Banda Internationale feat. Bernadette La Hengst. Die Band The Cold War mit Augsburger Künstler*innen formiert sich exklusiv für das Brechtfestival.Ein Raumschiff mit 3 Bühnen, das mit Visual-Art von Jürgen Branz und Rolf Messmer sowie den Ansagen von Captain Ken Yamamoto durchs Popkultur-Universum saust. Bis in die frühen Morgenstunden wird bei der Aftershow Party zum Sound der Jahrzehnte getanzt, die vom Lebensgefühl des Kalten Krieges geprägt waren.

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