Einmal 9 Fragen an einen Augsburger Brauer

Malz, Hopfen, Hefe und Wasser – mehr braucht es nicht!

Einmal 9 Fragen an einen Augsburger Brauer

Jeder liebt es, jeder trinkt es und wenn sich keine Gelegenheit ergibt zu trinken, wird eine geschaffen. Von was ist die Rede? Natürlich vom Bier, dem Grundnahrungsmittel der Bayern. Doch was steckt eigentlich dahinter? Wie wird gebraut, was muss beachtet werden und wie kreativ kann man bei der Bierentwicklung sein? Wir haben diese und viele weitere Fragen dem Brauer Paul Ringler, der in der Augsburger Brauerei Riegele tätig ist, gestellt.

Wie kamst Du zum Brauen?

Das Brauen liegt bei mir in der Familie. Meine Verwandtschaft mütterlicherseits hat eine Brauerei und mein Cousin arbeitet auch bei Riegele. Ich hab damals mehrere Praktika gemacht und bin dann zu dem Entschluss gekommen, dass ich das beruflich machen will!

Was fasziniert Dich am meisten an Deinem Beruf?

Die Vielseitigkeit! Man hat jeden Tag andere Aufgaben und von allem ein bisschen was. Als Brauer kann man täglich das Bier bei seiner Entstehung beobachten und lernt auch schnell, was passieren kann, wenn man was falsch macht. Bier ist ja schon ein unglaublich vielseitiges Getränk mit einer faszinierenden Geschichte, die bis zu den alten Ägyptern zurück geht. Außerdem verbindet Bier die Menschen, ist gesellig und macht Freude.

Wie kreativ ist es, Bier zu brauen, und wie kommst Du auf neue Rezepturen?

Bier brauen ist sehr kreativ!

Das sieht man allein schon an den vielen verschiedenen Sorten, die es weltweit gibt. Mit den Zutaten Hopfen, Hefe, Malz und Wasser kann man endlos viele Bierstile brauen und variieren. Und hier bei Riegele haben wir auch immer Freiheiten und können zum Beispiel am kleinen Versuchs-Sudwerk unsere eigenen Ideen austesten.

Wo liegen die größten Herausforderungen?

Die liegt meiner Meinung nach darin, immer die Qualität auf höchstem Niveau zu halten! Unsere natürlichen Rohstoffe sind ja je nach Ernte nicht immer gleich, mal gibt es ein besseres, mal ein schlechteres Erntejahr. Aber unsere Aufgabe als Brauer ist es, immer ein qualitativ einwandfreies und geschmacklich hervorragendes Bier zu brauen. Das ist die Kunst!

Manche sagen, Craft-Bier wäre nur ein Hype. Was sagst Du dazu?

Das kommt drauf an, wie man Craft-Bier definiert. Klar werden internationale Bierstile wie das IPA gerade gehypt. Aber im Kern bedeutet Craft-Bier ja nur „Handwerklich gebrautes Bier“. Und das machen wir hier sowieso. Egal ob unsere Brauspezialitäten mit ihren internationalen Bierstilen oder die Riegele Traditionsbiere, handwerklich gebraut sind sie alle und ich glaube, dass wird den Leuten immer wichtiger, unabhängig vom Hype.

Was ist Dein absolutes Lieblingsbier?

Unser Riegele Commerzienrat Privat. Ein süffiges Helles, das ich immer weiter trinken und empfehlen würde. Da macht man nichts falsch!

Wie oft muss man während des Brauens probieren?

Eigentlich gar nicht. Hier im Sudhaus werden zwar die Parameter für den Geschmack gelegt, aber wie ein fertiges Bier schmeckt die Würze noch lange nicht! Erst durch die Hefegärung wird ein richtiges Bier draus.

Erst durch die Hefegärung wird ein richtiges Bier draus.

Um am Ende der Lagerung festzustellen, ob dieses fertig und bereit zur Abfüllung ist, wird es dann probiert, aber das macht bei uns nur der Braumeister.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Dir aus?

In der Früh muss ich erstmal prüfen, ob es irgendwelche Störungen im Sudhaus gibt. Zu meinen täglichen Aufgaben gehören dann unter anderem Hopfen geben, die Malzschüttung einstellen, die Stärke des Bieres kontrollieren, die Reifeprozesse überwachen und die Sudanlagen reinigen. Wie mein Tag aussieht, hängt natürlich davon ab, welcher Sud gerade gemacht wird und wie viel wir brauen. Der Arbeitsalltag eines Brauers ist aber von Abteilung zu Abteilung unterschiedlich. Im Hefekeller oder im Lagerkeller hat man wieder ganz andere Aufgaben.

Vorurteil: „Brauer sind doch alle Alkoholiker“ – Humbug oder steckt ein Fünkchen Wahrheit in der Aussage?

Heut zu Tage Humbug! Wir haben während der Arbeitszeit ein striktes Alkoholverbot und man wird schon in der Ausbildung stark für das Thema und seine Gefahren sensibilisiert.

Striktes Alkoholverbot

Klar, wer gar kein Bier mag, entscheidet sich vermutlich nicht für den Beruf. Aber ich glaube, ein gepflegtes Feierabendbier trinkt man doch in fast jeder Branche gern, oder?

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