Body Neutrality – Aussehen hat keine Bedeutung

Nach dem großen Hype von Body Positivity kommt jetzt die Ernüchterung: Body Neutrality. Warum diese neue Einstellung durchaus positiv sein kann.

Body Neutrality – Aussehen hat keine Bedeutung

Liebe deinen Körper auf Teufel komm raus. Zeig deine Hüften, verzichte auf den BH und freu dich über Dehnungsstreifen – das ist zugespitzt zusammengefasst die Message hinter „Body Positivity“. Wer das kann, Hut ab, denn ich und wahrscheinlich viele andere Menschen können nicht auf Knopfdruck etwas, was man jahrelang an sich hässlich fand, plötzlich besonders stolz zur Schau stellen und sogar lieben. Da können noch so viele normalgewichtige Frauen in der Dove-Werbung tanzen. Eine erzwungene Selbstliebe wäre in diesem Fall einfach nicht echt und deshalb auch einfach nicht gut für uns.

Body Positivity wollte die gesellschaftliche Definition von Schönheit verändern.

Hier kommt der Begriff der „Body Neutrality“ ins Spiel. Die Neutralität des eigenen Körpers, die Dankbarkeit, dafür, dass er unsere Hülle ist und unser eigentliches Wesen, unseren Charakter, die Fähigkeiten, die uns ausmachen, beherbergt. Dass er unsere Emotionen teilt, wir uns in Ausnahmesituationen auf ihn verlassen können und uns darüber freuen, wenn er uns nicht im Stich lässt.

Das heißt nicht, dass wir uns nicht freuen dürfen, wenn wir ein ganz besonders schönes Exemplar ergattert haben und unsere „Hülle“ beispielsweise mit einem flachen Bauch bestückt ist. Nein, Body Neutrality heißt lediglich, dass wir uns nicht darüber definieren wie wir aussehen, dass die äußere Hülle an Bedeutung verliert und unser Inneres zu dem wird, was uns ausmacht.

Body Neutrality will den allgemeinen Stellenwert von Schönheit und Aussehen in der Gesellschaft abschaffen.

Wie schön ist ein Leben, in dem man Sport macht, weil man Lust dazu hat, ein Eis isst, weil man weiß, dass es einem gut tut oder vielleicht auch gesünder isst, nur weil man weiß, dass man seinem Körper etwas Gutes tut und er einen dadurch leistungsfähiger und lebendiger durch den Tag bringt? Wenn man nicht daran denkt, wie viel besser man nach 2 Wochen Detox-Kur im Bikini aussehen würde oder die Akne in seinem Gesicht einfach vergisst. Weil das Einzige was zählt nicht sichtbar wäre.

So eine Welt wäre in jedem Fall positiv und erstrebenswert, jedoch in der momentan wachsenden Instagramgesellschaft, in der jede Bewertung allein durch die „äußere Hülle“ auf Fotos funktioniert, kaum vorstellbar. Schönheitsideale müssen sich nicht ändern, sonst findet irgendwann jeder die dünnen Menschen unschön. Schönheitsideale gehören nicht verschoben, sondern abgeschafft. Gutes Aussehen sollte nicht durch mehrere Wege erreichbar sein, sondern völlig in den Hintergrund geraten.

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