Homosexuelle dürfen kein Blut spenden, sagen die Richtlinien

Wer als Mann Sex mit Männern hat, darf laut den deutschen Richtlinien kein Blut spenden. Unser Statement dazu.

Homosexuelle dürfen kein Blut spenden, sagen die Richtlinien

Homosexuelle und bisexuelle Männer dürfen in Deutschland nach dem Transfusionsgesetz nur in Ausnahmefällen Blutspenden. Schon vor der Spende wird deshalb bereits schriftlich abgefragt, ob in letzter Zeit Geschlechtsverkehr zwischen Männern stattgefunden hat, gleich anschließend folgt die Frage, ob man sich prostituiert und häufig mit Drogen in Kontakt ist. Das schreit förmlich nach Diskriminierung oder?

Blutspenden ist wichtig

Blut ist ein kostbares Gut, ihr glaubt gar nicht wie viele Mengen in Deutschland hiervon täglich gebraucht werden und wie schnell auch ihr auf die Hilfe fremder Blutspender angewiesen sein könnt. Bei OP’s oder Krebserkrankungen können die roten Konserven lebenswichtig sein, warum also sexuelle Minderheiten ausschließen? Laut dem Robert-Koch-Institut sind rund zwei Drittel der HIV-Neuinfektionen auf homo- oder bisexuelle Männer zurückzuführen. „Das Blut wird aber doch getestet, bevor es ein anderer erhält?“ fragt ihr euch nun sicherlich, oder? Natürlich werden alle gespendeten Blutbehälter auf Aids überprüft, jedoch sei dies kurz nach einer Infektion oftmals noch nicht 100 % genau. 6 Infizierte soll es in den letzten 20 Jahren durch Blutkonserven gegeben haben. Um die späteren Empfänger der Konserven vor HIV zu schützen, bestehen deshalb diese Richtlinien.

Aber jetzt mal alle Zahlen beiseite und mal nochmal überlegt, was dieses Spendeverbot eigentlich für ein Statement setzt. Ich meine natürlich ist es allseits bekannt, dass Schwule zur Risikogruppe für Aids gehören, dass aber ein Homosexueller, der nachweislich einen negativen Aidstest vorlegen kann, trotzdem nicht spenden darf, ist wenig einleuchtend. Ist es fair, alle Homosexuellen über einen Kamm zu scheren und ihnen ständig wechselnde Sexualpartner und eine hohe Risikobereitschaft zu unterstellen? Lebt ein schwules Pärchen monogam und weiß, dass keiner der beiden Aids hat, ist das doch auch nichts Anderes als bei heterosexuellen Partnern, oder? Und wenn Prostituierte eine Risikogruppe darstellen, warum sollte dann nicht auch deren Hauptkundschaft, nämlich heterosexuelle Männer, von der Spende ausgeschlossen werden? Lediglich häufige sexuelle PartnerInnen müssen angegeben werden, da denkt sich sicherlich kein Mann, dass er die eine Nacht im Rotlichtmilieu angeben muss, oder? Und sollte nicht einfach jeder, der nachweislich nicht infiziert ist, Leben retten können? Fragen über Fragen, die mich nicht dazu bewegen können, den Ausschluss von Homosexuellen gut zu heißen.

Denn was ist die Alternative?

Viele gehen trotzdem spenden und verschweigen ihre sexuelle Identität, die sich ja auch schlecht überprüfen lässt. Ein ungutes Gefühl beim Lügen während der ärztlichen Kontrolle und eine unterschwellige Diskriminierung besteht, dabei tut jeder Spender etwas richtig Gutes. Deshalb wäre vielleicht ein Kompromiss angebracht: Homosexuelle dürfen spenden, möglicherweise mit einer intensiveren Blutuntersuchung oder jeder Spender, egal welcher sexuellen Orientierung, mit aktuellem negativen Aidstest, darf sein Blut abgeben. Strengere, detailliertere Fragebögen stehen zudem auch oft zur Debatte. So könnte zum Beispiel ausgeschlossen werden, dass Homosexuelle in den Monaten zwischen Aidstest und Spende, in denen das Virus nicht exakt festgestellt werden kann, einen neuen Sexualpartner hatten. Auf das Vertrauen der PatientInnen sind nämlich auch die derzeitigen Fragebögen angewiesen. So wie es jetzt ist, ist es zumindest keine gelungene Lösung, auch wenn seit 2017 Homosexuelle, die 1 Jahr lang keinen Geschlechtsverkehr hatten, spenden dürfen. Ist nach einem Jahr dann das mögliche Aids-Virus verschwunden, oder was hat sich die Ärztekammer hierbei überlegt? Laut der Aidshilfe seien Antikörper der Krankheit Aids nämlich schon nach 3 Monaten eindeutig feststellbar. Homosexuelle ins Zölibat verbannen ist auf jeden Fall eine schwache Verbesserung in Richtung Gleichberechtigung…

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