Blütenmeer im Winter? Hier kommen Augsburgs Blumen her

Egal ob Sommer, Frühling, Herbst oder Winter: In Augsburg bekommen wir zu jeder Jahreszeit frische Blumen. Sei es auf dem Stadtmarkt, im Baumarkt, im Gartencenter oder im Blumenfachgeschäft. Doch sie haben einen weiten Weg hinter sich.

Blütenmeer im Winter? Hier kommen Augsburgs Blumen her

Die Augsburger Blumengeschäfte sind das ganze Jahr über voller bunter Blumen. Spätestens im Februar, an Valentinstag, halten viele AugsburgerInnen nach roten Rosen Ausschau, um sie ihrem Herzensmenschen zu schenken. Aber woher kommt die ganze Blumenpracht während es hier in Deutschland wettertechnisch so gar nicht nach Blumen aussieht?

Wir haben mit zwei Augsburger BlumenhändlerInnen gesprochen und haben viel über den weltweiten Blumenhandel erfahren.

Alles kommt aus Aalsmeer

Dass die Blumen, die es im Winter in Augsburg zu kaufen gibt, nicht aus Deutschland stammen, ist klar. Aber vielleicht kommen sie ja alle aus den Niederlanden? Immerhin ist es das Tulpenland schlechthin. Damit liegen wir schon mal gar nicht so falsch, wie sich herausstellte. Wir haben Gertraud Bosch in ihrem Blumenladen auf dem Augsburger Stadtmarkt besucht. Sie und Ladeninhaberin Martina Hörmann kennen die Herkunft jeder einzelnen Pflanze, die sich in dem kleinen Geschäft befindet. Angeliefert werden sie fast alle mit einer Lieferung aus Holland. Regelmäßig kommt der große Blumen-LKW aus den Niederlanden und beliefert die örtlichen Blumengeschäfte. So auch das von Gertraud Bosch. „In den Niederlanden, in Aalsmeer, ist der große Umschlagplatz für Blumen“, erzählt sie uns. Blumen aus aller Welt werden nach Aalsmeer gebracht und dort versteigert.

Aalsmeer ist eine kleine Stadt in der Nähe von Amsterdam. Dort befindet sich die weltweit größte Blumenbörse. 60 Prozent der weltweit gehandelten Blumen kommen hierher.

„Diese Rosen kommen aus Holland“, sagt Gertraud Bosch, „die anderen hier aus Ecuador“. Alle Zwiebel-Blumen kommen auch aus Holland, informiert sie uns. So auch diese Hyazinthen.

Tulpen hat sie ebenfalls aus Holland da. Die beliebten Primeln, hatten keine weite Anreise. „Die kommen von einem deutschen Gärtner aus Rain am Lech“.

Wir haben etwas das Gefühl eine kleine Weltreise zu machen, während wir uns die Blumen ansehen. Sogar exotische Blumen aus Costa Rica gibt es im Geschäft.

Im Sommer gebe es mehr Blumen aus Deutschland, aber ein großer Teil komme das ganze Jahr über aus dem Ausland, erzählen die beiden.

Ganz ähnlich sieht es im „Blumen Albrecht“ aus. Das kleine Blumengeschäft unter den Bögen am Moritzplatz wird von Olga Albrecht geführt. Auch sie kennt die Herkunft ihrer Blumen aus dem FF. Sie hat beispielsweise italienische Ranunkeln da.

Ihre Rosen hat Olga Albrecht auch aus Ecuador, die Nelken sind aus Israel. „Die Blumen kommen aus der ganzen Welt, aus großen Gewächshäusern“, sagt sie. An Topfpflanzen hat sie um diese Jahreszeit ein paar Frühlingsblumen da: Holländische Narzissen und Hyazinthen, die sie vor dem Laden aufgebaut hat.

Grundsätzlich könne man das ganze Jahr über alle Blumenarten bekommen. Allerdings sei das eine Frage des Preises, wie uns Olga Albrecht erzählt. Daher achte sie auch ein wenig auf die Saison. „Man kann natürlich auch Sonnenblumen im Winter kaufen. Die kommen dann eben aus Israel.“ Die beste Qualität habe man aber, wenn in Deutschland Sonnenblumen-Saison ist.

Schnittblumen aus Deutschland

„Deutsche Schnittblumen gibt es nur im Hochsommer“, sagt Olga Albrecht. „Aber auch die werden in Holland versteigert“. Heißt, deutsche Schnittblumen reisen erst einmal zum großen Blumen-Umschlagplatz in Aalsmeer, um dann – wenn sie in Deutschland weiterverkauft werden sollen – den Rückweg anzutreten. Sonnenblumen kommen im Hochsommer aus Deutschland, weiß sie. Doch auch hier gebe es viele aus Holland. „Aber ich kaufe auch von regionalen Gärtnereien“, erzählt Olga Albrecht weiter. „Ich möchte die Leute hier auch unterstützen.“ Primeln beispielsweise kaufe sie gerne von einer familiengeführten Gärtnerei in Großaitingen.

Außerdem lege sie darauf wert, keine Schnittblumen aus Afrika zu kaufen. Sie achte sehr auf die Herkunft und die Qualität der Blumen. „Die Billigblumen kommen aus Kenia“, so Olga Albrecht, „die, die man im Supermarkt für wenig Geld kaufen kann“. Diese Blumen haben eine ganz andere Qualitätsstufe, wie ihre Schnittblumen, sagt sie.

Ökologischer Wahnsinn

Wie man es auch dreht und wendet: Wir müssen einen kritischen Blick auf das Geschäft mit importierten Blumen werfen. Wie der Bayerische Rundfunk vergangenes Jahr recherchierte, kommen nur etwa zwanzig Prozent der Blumen, die in Deutschland verkauft werden, aus Deutschland. Besonders beliebt sind Rosen, von denen ein großer Teil aus den afrikanischen Ländern Kenia, Tansania und Uganda stammt. Besonders die Rosen aus Kenia sind immer wieder Aufhänger für Naturschutzverbände, Menschenrechtsorganisationen und Medien, auf Missstände im weltweiten Blumenhandel aufmerksam zu machen.

Das sind die Probleme, auf die oft aufmerksam gemacht wird:

  • Der Rosenanbau in Ostafrika ist mit einem hohen Wasserverbrauch verbunden.

  • Durch den hohen Wasserverbrauch in Kombination mit hohem Pestizideinsatz werden umliegende Gewässer verunreinigt.

  • Blumen werden um die Welt geflogen, was die CO2-Bilanz der Blumen stark verschlechtert.

  • Schlechte Arbeitsbedingungen für die Arbeitenden in Blumengewächshäusern.

Fairtrade-Rose aus Kenia oder europäische, konventionelle Rose?

In vielen Supermarktketten werden Rosen mit dem Fairtrade-Siegel verkauft. Laut einer Recherche des Bayerischen Rundfunks haben diese Rosen eine bessere Ökobilanz als Rosen, die etwa in den Niederlanden angebaut wurden. Grund dafür ist der hohe Energiebedarf der europäischen Gewächshäuser. Rosen mögen es warm. Trotz der Flugstrecke, so das Ergebnis einer 2007 veröffentlichten Studie der Cranfield Universität, bleibt es bei einer besseren Ökobilanz der afrikanischen Rosen. Dabei darf man eines jedoch nicht vergessen: Der Energieaufwand und die Umweltschäden durch den Blumenanbau sind in beiden Regionen enorm.

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