Auf einem Spaziergang mit Bronco, Blindenführhund in Augsburg

Patrick Müller arbeitet im Zentrum Bayern Familie und Soziales – Region Schwaben (ZBFS) und kann durch eine Netzhauterkrankung kaum sehen. Immer an seiner Seite ist „Bronco“ sein Blindenführhund und treuer Begleiter. Wir haben die beiden getroffen.

Auf einem Spaziergang mit Bronco, Blindenführhund in Augsburg

Am Samstag, den 29. Januar, war Tag des Blindenführhunds. Aus diesem Anlass heraus haben wir ein ganz besonderes Paar getroffen: Bronco und Patrick Müller.

Wir haben die beiden in Patricks Mittagspause getroffen. Patrick arbeitet im Zentrum Bayern Familie und Soziales – Region Schwaben (ZBFS), wo er für die Telefonvermittlung zuständig ist. Sein Büro unterscheidet sich nur durch ein paar Details von einem „normalen“ Büro: Die Tastaturen haben große Buchstaben und an der unteren Längsseite befindet sich eine Blindenschrift-Leseleiste. Und da gibt es noch ein Detail: Direkt neben der Tür liegt ein großes Hundepolster.

Bronco gibt Sicherheit und macht mobil

Im Alter von 16 Jahren, erzählt uns Patrick, erblindete er nach und nach durch eine Netzhauterkrankung. Heute kann er nur noch zwei Prozent sehen. Einen Teil der Sicherheit und Mobilität, die er durch die Erblindung verloren hat, kann ihm heute Bronco, sein Blindenführhund, wieder zurückgeben.

Bronco, ein achtjähriger Labradoodle, kam vor sechs Jahren zu Patrick. Mit wachen Augen steht er neben seinem Herrchen und wartet auf das Go für den Spaziergang zum nahegelegenen Park. Patrick läuft relativ zügig und mit selbstsicheren Schritten an der rechten Seite von Bronco. Seine linke Hand hält den Bügel des Geschirrs, das Bronco trägt. „Mit ihm bin ich viel mobiler“, erzählt Patrick.

„Er hilft mir nicht nur bei der Orientierung, sondern auch beim Ein- und Aussteigen, wenn ich mit dem Zug unterwegs bin“, erzählt Patrick. Auch einen Sitzplatz suche Bronco ihm zuverlässig. All diese Dinge hat Patrick zusammen mit Bronco in einer dreiwöchigen Einschulung gelernt. Zusammen mit einem Mitarbeitenden der Hundeführschule werden Wege, die häufig gebraucht werden, geübt. Am Schluss stehe auch noch eine Gespannsprüfung an, erzählt Patrick. Heißt, er muss beweisen, dass er und Bronco außer Haus gut harmonieren und zusammenarbeiten.

Er sei sehr froh, dass er Bronco habe, sagt Patrick. Es sei schon sein zweiter Blindenführhund. Generell sei es auch gar nicht so einfach einen Blindenführhund von der Krankenkasse genehmigt zu bekommen. Aber wenn es endlich so weit ist, dann werden auch etwa Futter- und Tierarztkosten übernommen. „Nur den Friseur muss man selber bezahlen“, lacht er.

Blindenführhunde müssen immer cool bleiben

Nicht jeder Hund ist für die Ausbildung als Blindenführhund geeignet. Ähnlich wie Rettungshunde müssen Blindenführhunde auch in stressigen Situationen Ruhe bewahren können und auf ihre Aufgabe fokussiert bleiben.

Dass er das bestens draufhat, beweist Bronco, als wir an einem wild kläffenden und herumspringenden kleineren Hund vorbeilaufen. Der Labradoodle hat für seinen kleinen Verwandten lediglich ein, zwei kurze Seitenblicke übrig und läuft ruhig geradeaus. Sicher führt er Patrick um parkende Autos und Poller herum. An Straßen wartet Bronco auf den richtigen Moment zum Überqueren. „Aber zusätzlich höre ich ja auch, wenn Autos kommen“, meint Patrick.

Einmal habe Bronco ihn davor bewahrt, am Bahnhof in die Gleise zu fallen. Er sei zu nah an die Kante gekommen.

Hier seht ihr einen Zusammenschnitt von unserem Spaziergang:

Vor dem Eingang zurück beim ZBFS wartet noch eine kleine Herausforderung auf Bronco. Hier muss er Patrick sicher die Stufen heraufführen. Der Vierbeiner läuft zur Treppe, stellt seine zwei Vorderpfoten auf die erste Stufe und wartet kurz. Erst dann geht es hoch.

Sobald das Geschirr ab ist, weiß Bronco, dass er frei hat. „Dann ist er wie ein ganz normaler Hund“, sagt Patrick. Und genau das passiert sofort, als wir das Büro von Patrick wieder erreichen. Da wird Bronco plötzlich quirlig, wedelt fröhlich mit dem Schwanz und holt sich von allen Streicheleinheiten ab.

Auch ein Hund geht in Rente

Heute ist Bronco acht Jahre alt. „Mit ungefähr elf Jahren darf er in Rente gehen“, sagt Patrick. Dass er den Labradoodle abgibt, wenn er ihm nicht mehr als Blindenführhund dient, komme für ihn nicht in Frage. Nach allem, was das Tier für ihn getan habe, wäre das ein No-Go. Mit seinem Nachfolger werde sich Bronco gut vertragen, ist sich Patrick sicher.

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