Bienensterben in Bayern – Fakten, Gründe, Folgen

Artenvielfalt ist seit dem historischen Volksbegehren ein aktuelles Thema. Wie ist die Lage in Augsburg und Umgebung?

Bienensterben in Bayern – Fakten, Gründe, Folgen

Die Wiesen wirken trist und farblos. Die wenigen Blütenköpfe, die als vereinzelte Farbkleckse aus den trockenen Grasflächen schimmern, lassen ihre Köpfe hängen. Wo früher belebtes Summen und Zirpen herrscht, finden wir heute gespenstische Ruhe vor. Ich bilde mir ein diesem Szenario inzwischen immer häufiger zu begegnen. Ich erinnere mich an meine Kindheit. Beim Spielen im Garten achteten wir akribisch darauf auf keine Bienen zu treten. Ist dies den Heranwachsenden heutzutage fremd? Ich frage mich, wie ernst die Lage in unserer Region wirklich ist.

Ein Blick auf die Statistiken

Eine häufig zitierte Quelle im Kontext des Bienensterbens sind die erhobenen Zahlen des Deutschen Imkerbunds e.V. zur Anzahl der in Deutschland lebenden Bienenvölker. Gerade der Bayerische Bauernverband stellt kürzlich während des Volksbegehrens Artenvielfalt verstärkt die Zahlen der Jahre 2008 bis 2018 ins Zentrum. In dieser Zeit ist ein Wachstum von 218.944 Völkern erkennbar. Interessant sind jedoch insbesondere die Jahre 1992 bis 2007. Dieser Zeitraum ist problematisch, da eine Halbierung der Bienenvölker von knapp 1,2 Millionen auf 670.000 feststellbar ist. Den geringfügigen Aufschwung in den Folgejahren begründet der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund übrigens mit Werbekampagnen für die Imkerei. Von einer generell verbesserten Situation bezüglich der zentralen Problemfaktoren ist jedoch keineswegs zu sprechen.

Das sagt die Augsburger Umweltstation

Um eine Einschätzung zur Lage vor Ort zu erhalten, erkundigen wir uns bei Norbert Pantel von der Augsburger Umweltstation. Er bestätigt uns die einleitend geschilderte Befürchtung:

„Die Zahl der Wildbienen und anderer Insekten verringert sich drastisch“

Gerade letztgenannte sind es, die für den natürlichen Kreislauf entscheidend sind. Ein Phänomen, das sich laut Umweltstation in ganz Deutschland beobachten lässt. Um auf die Entwicklungen zu reagieren, plant die Stadt unter dem Projekttitel Insekten.Vielfalt.Augsburg verschiedene Maßnahmenpakete, um eine insektenfreundliche Flächengestaltung voranzubringen. Besonders wichtig ist es dabei darauf zu achten, dass nur heimisches Saatgut verwendet wird.

Gründe für das Bienensterben

Die Gründe für das Bienensterben sind vielfältig. Der konventionelle Obst- und Gemüsebau sowie Gartenanlagen verwenden Pestizide, um Schädlinge zu töten. Das Gift verschont auch die Insekten und Bienen nicht. Insbesondere systemische Insektizide, die sich in den Pflanzen verteilen, sind dabei problematisch. Dazu kommen unzählige Schadstoffe und toxische Chemikalien aus beispielsweise dem Verkehrssektor, die den kleinen Lebewesen das Überleben deutlich erschweren. Unsere Agrarlandschaften sind zu großen Teilen geprägt durch blütenfreie Getreide- und Maisflächen. Die verbleibenden Grünflächen werden durch Wohn- und Industriegebiete sowie die Infrastruktur verdrängt. Verbleibende Wiesen werden häufig gemäht und so fehlen letztlich die überlebenswichtigen Pollen und der Nektar. Sehr problematisch ist es, wenn durch Baumaßnahmen Populationen durchtrennt werden. Dies verringert den Genpool und lässt die Zahl deutlich schrumpfen. Abschließend trägt auch der Klimawandel zu einer Verschiebung der Blühzeiten und stört so den natürlichen Rhythmus der kleinen Lebewesen. Kalte Winter und heiße Sommer machen ihnen zu schaffen.

Die Folgen des Bienensterbens

Welche Folgen haben wir zu erwarten, wenn wir nicht gegen die Entwicklungen vorgehen? Bienen sind die Hauptbestäuber von Früchten. Ohne sie werden auch die Obst- und teils Gemüsebestände verschwinden. Das Ganze ist wiederum gekoppelt an weitreichende wirtschaftliche Vernetzungen. Unzählige Unternehmen würden die Engpässe zu spüren bekommen und auch für den Konsumenten wird Obst so schnell zum Luxusgut. Damit gehen auch eine unausgewogene Ernährung und damit verbundene Mangelerscheinungen einher. Diese wirken sich deutlich auf die generelle Gesundheit der Menschheit aus.

Der Rückgang der Bienen ist Realität. Ein Überleben sämtlicher Lebewesen ist ohne das Bestäuben durch Bienen und Insekten auf lange Sicht nicht möglich. Ich hoffe auf ein Umdenken in unserer Gesellschaft, denn letztlich hängt es an jedem Einzelnen, sich für eine bessere Welt einzusetzen. Das erfolgreiche Volksbegehren Artenvielfalt ist ein erster Lichtblick. Es schenkt Hoffnung, dass unsere Kinder beim Spielen im Grünen irgendwann wieder auf die Bienen achten müssen.

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