Augsburger Imker erzählt: "Fatale Auswirkungen“ diesen Sommer

Was passiert eigentlich mit den Bienen, wenn der Sommer mit so viel Regen und Temperaturstürzen daher kommt? Und fressen die Honigbienen den Wildbienen wirklich die Nahrung weg? Antworten gibt es jetzt vom Augsburger Imker Peter Rauscher.

Augsburger Imker erzählt: "Fatale Auswirkungen“ diesen Sommer

Das Wetter der vergangenen Sommermonate hat eine wahre Achterbahnfahrt hingelegt. Zumindest kommt es einem rückblickend so vor: Wir hatten viel Regen, Wind, kalte Temperaturen – dazwischen war es auch mal sehr heiß. Was hat das für Auswirkungen auf die Bienen? Dazu haben wir mit Bioimker Peter Rauscher gesprochen. Er hat 2009 mit dem Imkern begonnen und inzwischen 21 Bienenvölker.

Was machen die Bienen, wenn es nass und kalt im Sommer ist?

Bienen fliegen erst ab 12 Grad. Doch erst ab 18 Grad bilden Blüten Nektar.

Für seine Bienen ginge vom schlechten Wetter keine Bedrohung aus, erzählt Peter Rauscher. Schließlich werden sie bei ihm gefüttert, falls es nötig ist. Für wild lebende Honigbienen hätte ein Jahr wie dieses allerdings fatale Auswirkungen, meint er. „Das regnerische Frühjahr und der unbeständige Sommer haben die Flugtage der Bienen stark reduziert“. Das habe zur Folge, dass die Bienen ihren Honig zum größten Teil selbst essen, erklärt Rauscher. Durch die fehlende „Massentracht“ in diesem Jahr, haben die Honigbienen keine Möglichkeit gehabt, wichtige Wintervorräte anzusammeln. Mit Massentracht meint Rauscher die Obstbaumblüte im Frühjahr, die Rapsblüte oder auch die Lindenblüte. Die Honigbiene sei, anders als Wildbienen, auf die großen Blütezeiten angewiesen. Wildbienen können besser mit schlechten Wetterbedingungen umgehen, weiß der erfahrene Imker: „Die Wildbiene schlüpft nur, wenn die Blüte blüht, für die sie spezialisiert ist. Zudem leben sie nur relativ kurz und überwintern nicht.“ Um die Wildbienen müssen wir uns also aufgrund des nass-kalten Sommers keine Sorgen machen.

Für ihn als Imker sei das Jahr ein sehr schlechtes. Statt einem Honigüberschuss im Bienenstock gibt es dieses Jahr ein Mangel. Statt Honig zu ernten, wird Rauscher stattdessen zufüttern müssen.

Imkern ist in den letzten Jahren ein beliebtes Hobby geworden. Gefährden die vielen Honigbienen den Wildbienenbestand nicht?

In den letzten fünf, sechs Jahren habe das Imkern einen massiven Boom erlebt, erzählt Peter Rauscher. Immer mehr Menschen wollen sich ein eigenes Bienenvolk halten und belegen entsprechende Kurse. Diese Entwicklung sieht Peter Rauscher als positiv. Durch das Imkern werde die Natur und die Insektenvielfalt in den Fokus gerückt. Die Gefahr, dass die Honigbienen der Hobby-ImkerInnen gefährdeten Wildbienen die Nahrung wegfressen, sieht Rauscher nicht. „Die Anzahl der Bienenvölker liegt weit unter den Zahlen, die wir beispielsweise 1990 hatten“, erklärt er. Eine Nahrungskonkurrenz ergebe sich bei uns nicht. Im Gegenteil: „Jede ImkerIn die neu anfängt, ist gut für die Wildbienen“, meint Rauscher. Dadurch werde eine gewisse Lobby von Menschen geschaffen, die sich für die Natur, die Insektenvielfalt und die Wildbienen interessieren und einsetzen.

Was wäre, wenn … es keine Bienen mehr gäbe?

„Wenn es keine Bienen mehr gäbe, hätten wir einen massiven Verlust in der Artenvielfalt“, sagt Peter Rauscher. Ein großer Teil der Natur ist darauf ausgerichtet, dass eine Bestäubung durch Bienen und anderen Insekten geschieht. Einige Pflanzen würden ohne Bienen verschwinden. „Wir würden uns nicht mehr so ausgewogen ernähren und die Landschaft, die wir sehen, wäre eine andere“, so Rauscher. Trotz des massiven Rückgangs von Bienen und Insektenarten, glaubt er nicht, dass sie einmal ganz verschwinden werden. Er ist sogar der Meinung, dass uns die Bienen überleben werden. Tiere, insbesondere Insekten, seien evolutionär viel anpassungsfähiger als der Mensch, schon aufgrund ihrer kürzeren Lebenszeit. Wir seien daher besonders darauf angewiesen, dass die natürlichen Systeme so bleiben, wie sie sind. „Daher sollte für uns auch von besonders großem Interesse sein, die Artenvielfalt zu erhalten“, sagt Peter Rauscher.

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