Diese Fotos schützen vor dem Vergessen

Christian Herrmann bereist Osteuropa und dokumentiert mit seinen Photos die Spuren des jüdischen Lebens dort, die allmählich zu verblassen drohen. Ausgestellt werden sie ab dem 17. Januar im Bukowina Institut.

Diese Fotos schützen vor dem Vergessen

Das Bukowina Institut forscht seit gut dreißig Jahren zu Fragen aus dem Osteuropäischen Raum. Namensgebend ist das Gebiet der Bukowina, die heute teils zu Rumänien, teils zu der Ukraine gehört. Besonderes Interesse weckt das Gebiet jedoch aus seiner Historie, denn bis in das Jahr 1918 war die Bukowina als Herzogtum Bukowina ein Kronland der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, welches durch seine multi-ethnische Zusammensetzung zwar nicht einmalig, aber dennoch sehr bemerkenswert ist. Denn in der Bukowina lebten zur Kaiserzeit zwar hauptsächlich Rumänen und Ukrainer, aber eben auch zahlreiche, zum Teil recht stark vertretene, Minderheiten: Deutsche, Polen, Russen, Ungarn und Juden.

Um Letztere dreht sich nun die Photoausstellung im Bukowina Institut, die am 17. Januar um 19.00 startet. Zur Eröffnung könnt ihr neben den Photos auch noch einem Konzert des Chores der ehemaligen Synagoge zu Kriegshaber hören, und euch von Dr. Katharina Haberkorn inhaltlich einführen lassen. Auch der Photograph wird persönlich anwesend sein und steht euren Fragen Antwort.

Die Ausstellung trägt den Titel „In Schwindendem Licht. Jüdische Spuren im Osten Europas“ - warum schwindend? Um das Jahr 1910 lebten in der Hauptstadt der Bukowina, Czernowitz, etwa 28.000 Juden in der Stadt - und stellten somit in etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Doch während des Zweiten Weltkrieges und der damit einhergehenden Einflussnahme der Nationalsozialisten auf die Bukowina, wurden große Teile der jüdischen Bevölkerung deportiert und umgebracht. Nach dem Krieg verließen dann viele der wenigen Überlebenden das Land, sodass die jüdischen Baudenkmäler nun größtenteils verfallen - und um diesen Verfall zu dokumentieren und daran zu erinnern, bis dieses wertvolle Kulturgut in einiger Zeit vermutlich ganz verschwunden sein wird.

Ein sehr beeindruckendes Kulturdenkmal aus der bewegten Geschichte der Stadt Czernowitz ist dabei der jüdische Friedhof. Dieser wurde 1866 angelegt und gehört zu einer der größten erhaltenen jüdischen Friedhöfen in Europa. Doch eben auch hier zeigt sich bedauerlicherweise, wie das Unkraut die Grabsteine überwuchert - so werden es auch Christian Herrmanns Bilder die Realität im ehemaligen Kronland zeigen.

Das ausgerechnet die Bukowina für die Ausstellung ausgesucht wurde, ist dabei kein Zufall der glücklicherweise mit dem Namen des Instituts für Osteuropastudien zusammenfällt. Denn die Bukowina ist eben nicht nur ein Gebiet mit einer jüdischen Minderheit, sondern das Gebiet, das einst als das mit der größten jüdischen Minderheit bekannt war. Da es aber diese Minderheit aufgrund der Diktaturen des 20. Jahrhunderts, die das Land beherrschten, heute kaum noch gibt, zeigt die Photoausstellung eben nicht nur, wie wertvolles Kulturgut zu verfallen droht (oder bereits verfällt), sondern auch mit welcher Kraft, Gewalt und Bitterkeit ebendiese Diktaturen heute noch nachwirken - und zeigt, wie irreparabel der angerichtete Schaden ist.

Die Ausstellung kann noch bis zum 20. Juni 2019, von Montag bis Donnerstag von 8.30 - 15.30 im Bukowina Institut im Alten Postweg 97a besucht werden. Der Eintritt ist frei.

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