Alles zum Leerstand in der Annastraße

Ein großes Thema in Augsburg ist der Leerstand in der Annastraße. Wir haben uns verschiedene Positionen angesehen.

Alles zum Leerstand in der Annastraße

Leerstände in Städten sind nicht nur in Augsburg ein Problem. Seit längerer Zeit gibt es trotzdem ein echtes Problemkind bei uns: Die Annastraße. Während die Fußgängerzone früher eine echte Pflichtanlaufstelle für jede Shopping-Tour war, ist von den einst florierenden Geschäften nicht mehr viel übrig und es herrscht teils doch gähnende Leere. Das ist jetzt vielleicht etwas übertrieben, denn natürlich haben wir immer noch einige schöne Läden in der Straße. Gerade in letzter Zeit kamen außerdem sehr schöne innovative Konzepte wie das „Cumpanum“ oder das „Juice Junkie“ dazu. Darüber freuen wir uns enorm. Doch die Leerstände lassen sich trotzdem nicht leugnen. Warum das so ist und was eigentlich die Augsburger dazu sagen, wollen wir euch in diesem Artikel aus verschiedenen Blickwinkeln zeigen.

Was sagt die Stadt dazu?

Legen wir doch mal direkt spannend los. Was sagt eigentlich die Stadt zum Leerstand? Wir haben mit unserer Bürgermeisterin und Wirtschaftsreferentin „Eva Weber“ gesprochen. Sie erklärte uns, dass dauerhafte Leerstände in 1A-Lagen natürlich nicht im Sinne der Stadt sind. Trotzdem weiß die Referentin genau, dass ein Wechsel an einem attraktiven Handelsstandort notwendig und nicht ungewöhnlich ist. Unsere Stadt zeigt sich dabei durchaus engagiert. Sie versucht den Eigentümern der Immobilien laufend schöne und attraktive Angebote zu unterbreiten. Für alles Weitere sind der Stadt natürlich die Hände gebunden, denn letztlich entscheiden die Eigentümer, wie sie ihre Gebäude nutzen möchten. Um der Annastraße wieder mehr Leben einzuhauchen, nutzt die Stadt in der Annastraße 16 einen Pop-Up Store mit wechselndem Angebot. So fand hier in diesem Jahr beispielsweise das „Modular Festival“ und die „Artsy Fartsy“ Galerie ein vorübergehendes Zuhause. Das Zwischennutzungskonzept wird angenommen und es stehen viele zukünftige Pläne dafür im Raum.

Was sagen die Immobilienmakler dazu?

Wir haben mit einem Makler gesprochen, der zurzeit ebenfalls mit dem Problemkind „Annastraße“ zu kämpfen hat. Einerseits bestätigt der Immobilienreport für Augsburg, dass die Annastraße nach wie vor eine hervorragende Lage in Augsburg bietet. So lässt sich beispielsweise die Passantenfrequenz messen und diese ist auf hohem Niveau. Trotzdem sind andererseits die Mietpreise für die meisten kleineren Geschäfte relativ hoch. Bereits die Vorjahres-Statistiken zeigen, dass man bei 80 Euro pro Quadratmeter für Flächen von 80 bis 120 Quadratmeter ziemlich tief in die Tasche greifen muss. So gehen immer mehr Händler den einfacheren Weg und bieten ihre Produkte lieber online an oder mieten abgelegenere Flächen. Trotzdem ist der Makler überzeugt, dass die Lage in der Annastraße das Geld wert ist und wünscht sich entsprechend mehr unternehmerischen Mut.

Was sagen die Mieter?

Natürlich fragen wir uns auch, was die Sichtweisen aktueller Mieter sind. Denn sie sind es schließlich, die aus erster Hand von den Umständen berichten können. Wir sind also mal in der Annastraße auf- und abgelaufen und haben uns interessante Meinungen angehört. Bei einem sind sich alle einig. Eine 1A Lage ist die Annastraße inzwischen in erster Linie für die Vermieter. Die Mietpreise bereiten offenbar allen Kopfzerbrechen. Vereinzelt steht man außerdem den Statistiken zu der Passantenfrequenz eher kritisch gegenüber. Das Problem beginnt schon bei der Infrastruktur. Es gibt in der Innenstadt zu wenige und nur teure Parkplätze. Das hält besonders Publikum aus dem Umland fern. Generell gibt es bei zunehmendem Leerstand für Käufer wenig Anreiz die Annastraße zu besuchen. In der Folge fragen sich auch die aktuellen Mieter, ob die Lage noch rentabel ist. Ein Teufelskreis. Interessanterweise wünschen sich die Betreiber also ebenfalls wieder neue Geschäfte in der Annastraße. Von Konkurrenzangst keine Spur. Im Gegenteil:

„Die Annastraße soll wieder blühen, davon können wir nur alle profitieren“.

Wir finden, das ist ein sehr schöner Schlusssatz. Von einer belebten Annastraße profitieren nicht nur die Geschäfte gegenseitig. Auch die Stadt kann sich über mehr Besucher, einen lebendigen Tourismus und glückliche Augsburger freuen. Die Vermieter sollten von kleineren Mieteinnahmen auch mehr haben als von gar keinen.

Sollten wir also nicht alle einen Schritt aufeinander zugehen? Anderenfalls bleibt von unserem bunten Augsburg mit den vielen kleinen individuellen Geschäften irgendwann nichts mehr übrig.

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