Whisky, Gin und Rum für Dummies - Einmal 9 mit Dr. Markus Mayer

Du hast keine Ahnung von Hochprozentigem? Ein Experte klärt Dich auf.

Whisky, Gin und Rum für Dummies - Einmal 9 mit Dr. Markus Mayer

Klar, die Weinschorle von Netto ist günstig, das Öttinger-Bier auch, aber ob das die Kopfschmerzen am nächsten Tag wert war? Und warum nicht einmal Alkohol konsumieren des Genusses Willen, einfach weil’s schmeckt? Wir haben uns mit Spirituosen-und Tasting Experte Dr. Markus Mayer getroffen und ihn mit Fragen zu genussvollem Trinken von Gin, Whisky und Rum gelöchert.

1. Um erstmal die Basics zu klären: Wie unterscheiden sich Whisky, Gin und Rum, denn geschmacklich und in der Herstellung?

Das ist eine sehr umfangreiche Frage! Alle drei Spirituosen sind nach der Herstellung zunächst klare Brände. Whisky wird aus Getreide – idealerweise Gerste, Rum aus Zuckerrohrsaft – zumeist aus Melasse und Gin grundlegend aus Wacholderbeeren, die im Alkohol eingelegt werden (Mazeration), produziert. Während die meisten Whisky- und Rumsorten nach dem Destillieren in ausgesuchten Fässern gelagert werden und Geschmack wie Färbung aus den Fässern annehmen, hängt es beim Gin unter anderem vom sogenannten Mazerat ab, ob er nur nach Wacholder oder nach Zitrusfrüchten, Kräutern, Blüten oder Gewürzen schmeckt.

2. Was sind die derzeitigen Trends für Whisky, Rum und Gin?

Aktuell zeichnet sich bei den Whisky-Sorten der Trend zu besonderen Fasslagerungen ab. Hier wird der fertige Whisky um weitere Aromen anzunehmen in besonderen Fässern für ein paar Monate nachgereift wie z.B. in Portwein-, Sherry-, Süßwein- oder Craftbier-Fässern. Zudem steigt das Interesse an Fassstärken, das bedeutet an unverdünnten Whiskys wie sie aus dem Fass abgefüllt werden und damit die natürlichen Aromen transportieren. Rum entwickelt sich per se gerade wieder zum Trend, weil die Liebhaber verstehen, dass wir ähnliche Lagerungen wie beim Whisky haben und die Süße des Produkts oft einen entspannten Einstieg zulässt.

Beim Gin ist tatsächlich gerade das Produkt selbst hip.

Beim Gin ist tatsächlich gerade das Produkt selbst hip. Wobei auch hier einerseits ein kleiner Trend zu Fasslagerungen zu verzeichnen ist, anderseits wird mittlerweile nach dem ersten kurzfristigen Geschäften mit mittelmäßigen Gin-Sorten auf hohe Qualität und eine Vielzahl an verwendeten Botanicals wertgelegt, die uns wunderbare Aromen in den Gin zaubern – es gilt je verrückter desto besser! Allerdings berichten viele Gin-Liebhaber davon, dass auch gerne wieder zum klassischen Wacholderdestillat gegriffen wird.

3. Wie kommt es, dass plötzlich alle Gin trinken?

Gin ist keine neue oder plötzliche Erfindung! Gin war nach den großen Vodka-Jahrzehnten der Barbranche die zentrale internationale Barspirituose der späten 80er und 90er Jahre - gefördert durch die großen Häuser wie Tanqueray, Gordons, Bombay Sapphire und Beefeater. Seit den 2010er Jahren erlebte der Gin durch deutsche Marken wie Monkey47 und The Duke Gin hierzulande eine Renaissance, der sich schnell zahlreiche Marken angeschlossen haben. Zum reinen Wacholderbrand wurde ausgiebig von den jungen Wilden der Szene experimentiert, ob Tonka-Bohne, Mandarine, Chili oder Rosenblüten findet man mittlerweile viele Aromen im Gin, was die Neugierde an neuen Geschmäckern sicherlich beflügelt hat. Gin Tonic war niemals vom Bartresen weg zu denken, man hat nur begonnen ihn wiederzuentdecken!

4. Was spricht gegen den billigen Fusel vom Supermarkt?

Grundlegend hängt es nicht davon ab wo man kauft, da auch Supermärkte oft ein sehr gut sortiertes Sortiment vorweisen können! Kauft man auf Messen oder im Einzelhandel bzw. im Fachgeschäft bekommt man jedoch oft eine gute Beratung und die ein oder andere Geschichte zum Produkt erzählt und kann vor dem Kauf zumeist auch kurz probieren! Ansonsten wenn es um Fusel – also dem Volksmund nach – um billigen Schnaps geht, denkt man oft an günstige Produkte, die entweder noch ausreichend Fuselstoffe beinhalten oder um den Alkoholgeschmack zu verringern und den Gesamteindruck zu verbessern stark gezuckert sind. Das sind die Gründe für den fiesen Morgen nach einer gut durchzechten Nacht, da man beim Feiern meist auf günstige und gezuckerte Produkte zurückgreift und nicht genügend Mineralwasser dazwischen trinkt.

5. Wie erkenne ich eine gute Spirituose?

Das lässt sich leider nicht pauschalisieren! Gut ist, was dir schmeckt – gut tut, was handwerklich einwandfrei und nach gewissen Standards hergestellt wurde. Wenn ich einen Gin im Sonderangebot für 9,99 Euro kaufe, sollte mir klar sein, dass man hier nicht von herausragender Qualität sprechen kann. Hilfreich ist es immer sich beim Hersteller zu informieren, was man auf Messen wie dem Augsburger Whiskysalon & Spirits tun kann.

Wenn ich einen Gin im Sonderangebot für 9,99 Euro kaufe, ist klar, dass man hier nicht von herausragender Qualität sprechen kann.

Andererseits sollten wir uns alle über die Lebens- & Genussmittel informieren, die wir konsumieren, um auch Nachhaltigkeit zu fördern und Verantwortung zu übernehmen. Bei Gin gibt es z.B. oft die Bezeichnung „London Dry Gin“ auf dem Etikett. Einer EU-Verordnung von 2008 zur Folge, wurden an dieses Prädikat gewisse Qualität-Standards gebunden, die dadurch auch gewährleistet sein müssen.

6. Gibt es NoGos für stilvolles Trinken?

Nein sicherlich nicht – es geht beim nachhaltigen Konsum von Spirituosen um den Genuss und das Bewusstsein für Qualität. Genuss sollte keinen Regeln folgen. Ob man ein Glas schwenkt, reinschnuppert oder in der linken oder rechten Hand hält, spielt dabei keine Rolle – es muss schmecken und am besten in guter Gesellschaft getrunken werden:)

7. Deine Meinung zu Jacky Cola bzw. Mischgetränken?

Mischgetränke sind Teil unserer Barkultur – egal ob es Longdrinks, Highballs oder Cocktails sind. In den letzten Jahren hat sich das Konsumverhalten verändert und die Bargäste möchten wissen aus welchen Produkten die Mischgetränke hergestellt werden und die Geschichte dahinter verstehen.

Mischgetränke sind Teil unserer Barkultur

Man greift zu hochwertigen Produkten, weil man lieber zwei hochwertige Cuba Libre oder Gin Tonic trinkt als vier Getränke zum selben Preis. Aber auch hier gilt, dass jeder trinken soll, was ihm oder ihr schmeckt.

8. Gehören Eiswürfel ins Getränk?

Bei einem Gin Tonic würde ich auf Eiswürfel nicht verzichten wollen – am besten ein großer Eiswürfel um das Getränk nicht zu verwässern! Einen schönen Single Malt Whisky aus den schottischen Highlands oder einen 20 Jahre alten Rum im Einzelfassausbau aus Südamerika würde ich jedoch im Geschmack ungern durch Eiswürfel stören.

9. Wie kann ich herausfinden, was mir wirklich schmeckt?

Der Augsburger Whiskysalon & Spirits am 25./26. Oktober im Kongress am Park ist dazu der perfekte Ort! Dort kannst Du bei weit über 40 Ausstellern Whisky, Gin, Rum, Edelbrände, Liköre, Weine und Biere verkosten und mehr über Herstellung, Lagerung und Geschichte der Produkte erfahren. Gleichzeitig werden Workshops und Tastings angeboten sowie zahlreiche Longdrink- und Cocktailtrends, die Anfang Oktober auf der BarConvention in Berlin vorgestellt wurden und von unseren Barkeepern für Dich zum Probieren vorgestellt werden. Unsere Bar-& Spirituosenmesse feiert dieses Jahr 5-jähriges Jubiläum und bietet von Whiskyraritäten über die neuesten Gin-Trends bis hin zur Prosecco-Bar und Zigarrenstand alles was das Genießerherz begehrt.

Ein entspannter Abend in gemütlicher Atmosphäre

Unter unseren Besuchern gibt es Gäste, die bereits in Schottland oder Irland waren und sich gerne daran erinnern, Neugierige, die sich für Genussmittel oder regionale Produkte interessieren oder jene die einfach einen entspannten Abend in gemütlicher Atmosphäre suchen. Falls Du darauf auch Lust hast, schau auf der Webseite vorbei oder nimm an unserem Gewinnspiel auf Instagram teil.

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