Michael Brecht – eine Gründer-Koryphäe packt aus

Michael Brecht führte als Gründer und Gesellschafter viele Firmen zum Erfolg. Wir haben einen Blick auf das inspirierende Leben des Unternehmers geworfen.

Michael Brecht – eine Gründer-Koryphäe packt aus

Was haben das IT-Unternehmen CompuNet, die Online-Familien-Plattform Urbia, der Weinhandel 52weine und Doodle gemeinsam? Sie alle begleitete Michael Brecht als Gründer oder Gesellschafter zum Erfolg. Doch wie sieht der Arbeitsalltag einer Gründer-Koryphäe aus und wie kam es zu den Erfolgen?

Das Gründer-Gen zeigt sich früh

Michael Brecht besucht als einer von 40 Studenten den ersten Jahrgang des neuen Hochschulmodells an der WHU in Koblenz. Wer schon mit einer Uni als Startup in die Berufswelt startet, trägt den Gründer-Gedanken von Anfang an in sich. Ein Beispiel: Als der Wirtschaftsstudent ein Praktikum beim Handelsblatt in Düsseldorf absolviert, soll dort die Bibliothek aufgelöst werden. Kurzerhand beschließt er die BWL-Bücher mitzunehmen und damit eine Uni-Bibliothek auszubauen.

Nach dem Studium steht er vor einer Entscheidung: Promotion bei einer Großbank oder bei CompuNet, einem IT-Unternehmen, anfangen. Das Praxisgespräch mit Joost Stollmann ist entscheidend für seinen weiteren Werdegang. Er wählt den Berufseinstieg. Was dann passiert hat der junge Mann nicht in der Hand.

„Einen Mauerfall kann man nicht planen“ – Michael Brecht

Der Mauerfall am 9.11.1989 – für viele Menschen war das ein entscheidendes Ereignis, auch für Michael Brecht. „Ich habe genau analysiert, was wir machen können“, sagt er. Eine Expansion der Firma CompuNet in den Osten steht an. Der Unternehmer wird zum Partner und weitet das Team von 5 Mitarbeitern auf 350 aus. Später expandieren sie mit CompuNet nach England und werden Nummer 2 in diesem Segment. Auf die Frage, was das Geheimnis seines Erfolgs sei, sagt der bescheidene Geschäftsmann: „Ich war einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Einen Mauerfall kann man nicht planen“.

Nach dem Exit von CompuNet an GE Capital übernimmt Michael ein GE Unternehmen in England. Und plötzlich hat er weltweit 100.000 GE Kollegen. „Ich arbeite lieber in einem kleinen, agilen Team“, sagt er. Zeit, etwas Neues zu gründen. 1998 kommt ihm die Idee zu Urbia, einer Familien-Plattform. Anders als die Konkurrenten Springer & Co., die auf Abonnements setzen, setzt er auf die Community und erzielt als First Mover einen positiven Vertrauenseffekt bei der Zielgruppe. „Wir waren schneller und agiler, hatten als Startup kürzere Wege“, nennt Michael als Grund für die Erfolge. „Ich war nie in Runden drin, schnell Geld zu machen. Ich bin immer Schritt für Schritt vorgegangen. Mir war das Team besonders wichtig“.

Wenn ein Jahr Pause zu 6 Jahren „Auszeit“ werden

Diese ereignisreiche Phase vergeht nicht, ohne Spuren zu hinterlassen. Ursprünglich plant der erfolgreiche Gründer und Gesellschafter einen Break von einem Jahr in Australien. Daraus werden dann 6 Jahre, zuerst mit einem permanenten Visum, dann folgt die doppelte Staatsangehörigkeit. Doch wer nun denkt, Michael habe nur die Füße hochgelegt und ein Surfer-Lifestyle in Australien geführt, der irrt sich. Er hat neue Pläne. Diesmal soll es ein Weinhandel werden. „Wir hatten kein Endtermin“, sagt er. „Das nimmt den Druck raus.“

2010, nach 6 Jahre auf dem platten Land treibt es Michael und seine Familie zurück nach Deutschland. Die Kinder sollen ihre Familie, Omas und Opas, und ihre Heimat kennenlernen. Die Investoren sitzen in München. Doch als Lebensmittelpunkt wählen die Brechts Augsburg. Denn hier gibt es nicht nur eine internationale Schule für die hauptsächlich englischsprachigen Kinder.

New Work – die Freiheit zu arbeiten, wo man will

2013 wird der Weinhandel an einen Strategen weiterverkauft. „Dann wurde ich gefragt, ob ich bei Doodle helfen kann“, erinnert sich Michael zurück. Als CEO hat er drei Aufgaben. Er soll erstens das kleine Startup Doodle mit 20 Mitarbeitern in TAMEDIA, einem großen Medienunternehmen, integrieren; zweitens ein weltweites Rollout veranlassen; und drittens die Monetarisierung vorantreiben, 3 Jahre hat er dafür Zeit und lebt fortan zwischen Zürich, Tel Aviv und Berlin. „Augsburg ist genau die Mitte“, so Michael.

New Work wird gerade bei Startups großgeschrieben. So kann Michael in seiner Doodle-Zeit freitags immer von Augsburg aus arbeiten und ist sonst auch an keinen Standort gebunden. „Wir haben uns in einem Scrum-Meeting täglich um 9:15 Uhr ausgetauscht“, sagt der Unternehmer. Online, natürlich.

Es ist eine sehr offene Arbeitskultur entstanden. „Wenn Du in einem Startup arbeitest, dann verschmelzen irgendwann Arbeit und Privatleben“, erklärt die Gründer-Koryphäe. Das äußert sich auch in der Bürokultur. Zum Beispiel bringt ein offenes Lichtkonzept eine erfrischende Helligkeit in den Alltag die stellvertretend für die „frische, junge Sicht“ steht, so Brecht.

Und auch heute hat sich zwar sein Arbeitsumfeld gewandelt, aber nicht die New Work Bedingungen. Sein Hauptbüro hat er bei Bad Tölz und verbringt das Wochenende gerne auf dem Land. „Ich kann überall arbeiten“, freut sich Michael. In Augsburg sitzt er auch mal im Parkhäusl oder Viktorcafé vor dem Laptop.

Anlaufstelle zwischen Startups und Investoren

Heute nach zahlreichen erfolgreich geführten Startups, unterstützt Michael andere Startups bei allen Wachstumsfragen. Dabei konzentriert er sich auf die Felder Mobility, Transport, Logistik, LastMile und Smart Cities. Seit seiner Doodle-Zeit ist der Gründer und Gesellschafter sehr gut vernetzt. Sein Netzwerk umfasst mittlerweile über 250 Startups aus Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH).

Zudem hilft er großen Mittelständlern und internationalen Großunternehmen wie etwa OEMs und Zulieferern bei der Umsetzung ihrer digitalen Innovationen. Sein E-Mobilitätsblog ist eine ideale Anlaufstelle für Innovationen und Entwicklungen in der Mobilitätsbranche.

Ein Schlusswort

„Wenn ich mir manchmal so anschaue, welche Fragen sich meine Kinder stellen müssen, dann triggert mich das schon“, sagt Michael. „Meine Generation sollte auch seinen Beitrag leisten, zum Beispiel für saubere Mobilitätskonzepte“. So besinnt er sich auf das Zitat seines Namensvetters Bertolt Brecht: Ändere die Welt – Sie braucht es.

„Augsburg ist der perfekte Standort“ – Michael Brecht

„Augsburg ist der perfekte Standort für Start-ups wegen der Neutralität“, sagt Michael. München habe Zulauf ohne Ende. Für Start-ups sei es schwierig, dort allein wegen der hohen Mieten Räumlichkeiten zu mieten. Deswegen beschließt die bayerische Politik Regionen außerhalb von München mit mehr Geld zu versorgen. Davon profitiere auch Augsburg.

Michael arbeitet mit der Hochschule Augsburg (Hörsaal der Löwen, Jurymitglied) und mit der Universität Augsburg (Augsburg Center of Enterpreneurship, Beiratsmitglied) zusammen. Den jungen Leuten in Augsburg gibt der erfahrene Gründer mit: „Seid offen für neue Ideen. Nehmt euch die Zeit wilde Sachen auszuprobieren und habt Mut zur Innovation.“

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