Augsburgs Puppenkiste - Teil 3: Die Kiste in Film und Fernsehen

Teil 3 unserer Reihe über die Puppenkiste widmet sich vollkommen der Seite, die sich vor der Kamera abgespielt hat und auf Film gebannt wurde.

Augsburgs Puppenkiste - Teil 3: Die Kiste in Film und Fernsehen

So, jetzt kommen wir endlich zu den Publikumslieblingen, auf die wohl die meisten von euch gewartet haben: Urmel, Jim Knopf und viele andere liebgewonnene Figuren, die man noch aus der Fernsehzeit der Kindheit kennt. Ohne das Medium Film hätte die Puppenkiste nie den Bekanntheitsstatus erreicht, den sie heute inne hat. Schließlich kann nicht jeder unser geliebtes Augsburg besuchen, um die Aufführungen live zu sehen. Deshalb wollen wir heute mal den Blick komplett auf die wichtige Verbindung der Kiste mit Film und Fernsehen richten.

Hättet ihr z.B. gewusst, dass die Puppenkiste nach der Tagesschau die zweitälteste Sendung im deutschen TV ist? 1952 hat der Nordwestdeutsche Rundfunk nach einem Programm für Weihnachten gesucht und als ein Redakteur die „Augsburger Herbstausstellung“ besuchte, entdeckte er dort einen kleinen Stand der Puppenkiste und war sofort begeistert. So kam es dann, dass am 21.01.1953 der erste „Puppenkiste“-Film mit „Peter und der Wolf“- nur vier Wochen nach der allerersten Tagesschau - aus einem Bunker des NWD Rundfunks in Hamburg gesendet wurde. Die Aufführung war übrigens live, d.h. bei Pausen gab es einen geschlossenen Vorhang zu sehen - Werbespots gab es zu der Zeit nämlich noch nicht.

Heutzutage ist die Puppenkiste aus dem Fernsehen größtenteils verschwunden. Die einzige noch regelmäßig laufende Sendung der Puppenkiste im TV ist „Ralphi Schlaubär“ auf ARD Alpha, in dem Woche für Woche Wissensthemen kindgerecht aufgearbeitet werden. Die letzte neue Produktion war 2000 „Lilalu im Schepperland“ für den Kinderkanal (KiKa). Bis 2011 konnte man dort die Abenteuer der Marionetten verfolgen, dann wurden die Aufzeichnungen der Puppenkiste abgesetzt, weil sie „nicht mehr zeitgemäß“ waren. Als Argument wurde beispielsweise der Umstand genannt, dass sich die Geschichten nicht an aktuelle Fernsehformate mit festen Episodenzahlen halten konnten wie es heutzutage üblich ist und sie unnötig gestreckt und aufgebauscht werden müssten.

Außerdem seien Marionetten mittlerweile zu langsam für Kinder und im Endeffekt nur noch für diejenigen interessant, die damit aufgewachsen sind: die heutigen Erwachsenen. Die Puppenkiste ist aber nicht nur der Meinung (die wir übrigens auch teilen), dass sie zwar alt, aber keineswegs antiquiert ist, sondern sie geht auch mit der Zeit. Denn mittlerweile lassen sich viele der Filme auf Streamingportalen wie Amazon Prime ansehen.

Darunter befinden sich natürlich auch Urmel aus dem Eis und Jim Knopf der Lokomotivführer. Die sind übrigens wie einige andere Geschichten reine Film- und Fernsehstücke, da sie sehr aufwendig sind und nicht auf die normale Spielzeit einer Theater-Aufführung von 1,5 Stunden heruntergebrochen werden können. Der Aufwand lohnte sich aber definitiv: die Filme verkauften sich in 50 Länder erfolgreich, darunter sogar Vertreter wie die Vereinigten Arabischen Emirate.

Wenn es um ihre ursprüngliche Quelle geht, unterscheiden sich die zwei Verkaufsschlager interessanterweise stark. Jim Knopf und seine Abenteuer sollten nämlich zunächst als Roman veröffentlichen werden. Sein Schöpfer Michael Ende (den man auch für „Die Unendliche Geschichte“ kennt) hatte es jedoch schwer, jemand für seine Idee zu begeistern: 14 Verlage lehnten sein Werk ab. Erst als sich die Puppenkiste der Geschichte annahm, wurde Jim Knopf zum Erfolg. Urmel hingegen wurde von Max Kruse, dem Sohn der Puppenmacherin Käthe Kruse, eigens für die Puppenkiste erschaffen. Auf das Konzept des Urmels kam er im Übrigen, als er sich seine erste Tiefkühltruhe kaufte und sich überlegte, dass in so einem Ding doch sicher auch ein Urzeittier überleben könnte. Macht Sinn, oder?

Beide Filme gibt es in einer alten, schwarz-weißen Version und der weltbekannten Version, die für das Farbfernsehen nachgedreht wurde. Diese entstanden übrigens im Foyer der heutigen Puppenkiste und noch heute kann man an den schwarzen Streifen im Boden erkennen, wo früher die Schienen für die Kameras verliefen.

Das war’s dann auch erstmal zur Film- und Fernsehgeschichte. Nächste Woche gibt es den letzten Teil der Reihe, in dem wir uns genauer mit dem Bezug der Puppenkiste zu Augsburg beschäftigen und einige lustige, spannende und überraschende Fun-Facts präsentieren.

Logo