Neruda Augsburg – Muss das Kulturcafé schließen?

Ein Brief vom Ordnungsamt stellt das Konzept des Kulturcafés und des Betreibers Fikret Yakaboylu auf den Kopf. Steht das Neruda nun vor dem Aus?

Neruda Augsburg – Muss das Kulturcafé schließen?

„Ohne Kunst geh’ ich nicht ins Bett“ Fikret Yakaboylu.

„Ohne Kunst geh’ ich nicht ins Bett“, sagt Fikret Yakaboylu, denn für ihn ist Kunst die erste Sprache der Menschheit. Fikret wird in einem anatolischen Dorf geboren. Schon damals entdeckt er die Kunst für sich, er schnitzt und malt und kreiert. Mit dem Schulwechsel zieht er in die Stadt, in der sein Interesse für Politik zunimmt und er als Kolumnist für eine Tageszeitung schreibt. Doch mit einem Militärputsch ändert sich alles und er flieht 1988 nach Deutschland. Er durchlebt eine schwere Zeit doch in Augsburg fühlt er sich sofort wohl. Er ist neugierig und verbringt anfangs viel Zeit in Museen und im Theater.

Das Neruda schlägt seine Wurzeln

Das Neruda ist ein bunter Baum.

Und dafür möchte Fikret Raum schaffen – zum Austauschen, Kennenlernen, Gestalten und Auftreten. So gründet er 2010 das Neruda. Ein Kulturcafé, das Anlaufstelle für jeden einzelnen Mensch ist. Das Neruda ist für ihn ein bunter Baum, der unterschiedlichste Früchte trägt. Zusammen mit vielen ehrenamtlichen Helfern finden so bei Fikret Deutschkurse statt, es wird gemeinsam musiziert und gekocht und vor allem unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge finden bei ihm familiäre Geborgenheit und Unterstützung. Für ihn ein besonderes Anliegen, denn er hat es selbst durchlebt.

Die meisten von uns kennen das Café jedoch von unzähligen Live-Auftritten der unterschiedlichsten Künstler. Ob endlose Jam-Sessions oder ein spontanes Klavier-Konzert, im Kulturcafé wird eigentlich immer musiziert. Hier treffen Menschen aller Kulturen, Religionen und Schichten zusammen. Ganz egal wo Du herkommst oder wer Du bist, im Neruda bist Du willkommen. In diese Vision der Nächstenliebe steckt Fikret all seine Kraft und Leidenschaft.

Steht das Neruda vor dem Aus?

„Das Neruda ist eine Begegnungsstätte und keine Bar“ – Fikret.

Doch mit all dem soll nun Schluss sein? Ein Brief stellt das Konzept des Nerudas auf den Kopf. Lärm-Beschwerden der letzten Wochen haben das Ordnungsamt auf den Plan gerufen und das stellt neue Auflagen: Maximal zwölf Veranstaltungen pro Jahr sind gestattet. Würde Fikret das umsetzen, wäre das, wofür das Café steht, verloren. „Das Neruda ist eine Begegnungsstätte und keine Bar“, sagt Fikret. Neun Jahre lang stört sich niemand daran, vor drei Jahren wird Fikret mit den Kültürtagen und dem Neruda sogar noch von der Stadt mit dem Zukunftspreis ausgezeichnet.

Wie geht’s nun weiter?

„Wir haben uns bereits mit dem Betreiber an einen Tisch gesetzt…“ – Dirk Wurm.

Dirk Wurm, Leiter des Ordnungsamts Augsburg, sagt dazu: „Wir haben uns bereits mit dem Betreiber an einen Tisch gesetzt und besprochen, wie wir das Problem lösen können“. Auf dem Papier hat das Neruda lediglich eine Gaststättenrechtliche Genehmigung. Veranstaltungen wie Konzerte müssen deshalb angemeldet werden und sind in ihrer Anzahl begrenzt. Lesungen, Kurse und Koch-Abende zählen nicht dazu und können jederzeit stattfinden, versichert Dirk Wurm. Auch wenn sich jemand spontan ans Klavier setzt oder eine Gitarre auspackt, wird die Stadt nicht dagegen vorgehen. Angekündigte Konzerte und Auftritte sind jedoch etwas anderes: Auszeichnung hin oder her, da kann die Stadt keine Ausnahmen machen und Anwohner-Beschwerden ignorieren.

Die langfristige Lösung wäre die Ummeldung zur Vergnügungsstätte, doch das zieht Auflagen in Sachen Fluchtwege, Lärmschutz und ähnlichem nach sich. Eine Petition soll deutlich machen, dass die Augsburgerinnen und Augsburger hinter dem Neruda stehen. Inwiefern das etwas bei der Stadt bewegt, bleibt abzuwarten.

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