Hilfe in Augsburg für Geflüchtete aus der Ukraine: Update von Eva Weber

Mit der Ankunft von Geflüchteten aus der Ukraine ist vor Ort eine funktionierende humanitäre Infrastruktur unerlässlich. Die Stadt Augsburg arbeitet seit dem 24. Februar hart daran zu helfen.

Hilfe in Augsburg für Geflüchtete aus der Ukraine: Update von Eva Weber

Am Dienstag, den 15. März, hat Oberbürgermeisterin Eva Weber eine Pressekonferenz zum Stand der vielfältigen Hilfeleistungen in Augsburg, sowie einen Überblick über aktuelle Entwicklungen gegeben.

Die Europäische Union erwarte aktuell circa fünf Millionen Flüchtende aus der Ukraine. Davon seien im Moment 150.000 in Deutschland registriert, was nicht bedeute, dass das alle seien, erklärt Eva Weber. Einige seien bei Freunden und Bekannten unterkommen und noch nicht registriert. Darüber, wie viele genau in Augsburg sind, habe die Stadt keinen Überblick. Diesen bekommen sie erst, wenn sich die Menschen auch tatsächlich registriert haben.

Task Force Ukraine

Es wurde eine extra Task Force für die Ukraine eingerichtet, die von Herr Michael Hehler geleitet wird. Diese Task Force hat fünf Schwerpunkte:

  1. Organisation und Unterbringung der Geflüchteten in Augsburg

  2. Organisation eines guten und humanen Ankommens in der Stadt

  3. Koordination der enormen Hilfsbereitschaft

  4. Klärung der rechtlichen Situation und Koordinierung mit der Regierung von Schwaben

  5. Vorbereitung der Integration hier in Augsburg

Viele ukrainische Verbindungen in Augsburg

In Augsburg gibt es viele BürgerInnen mit ukrainischen Verbindungen, deswegen gibt es auch den Ukrainischer Verein e.V. Der sei eine ganz wichtige Drehscheibe, erklärt Weber. „Zum einen für die ukrainische Community hier in Augsburg als Ansprechpartner und zum anderen bekommen diese viele Infos aus der Ukraine direkt.“ Das erste Wochenende nach dem 24. Februar sei der Verein überschüttet worden mit Sachspenden. „Das zeigt eine tolle Hilfsbereitschaft hier in Augsburg“, sagt die Oberbürgermeisterin. „ Das hat aber auch gezeigt, dass man gezielt nach bestimmten Spenden aufrufen muss.“ Der Ukrainische Verein veröffentlich auf Instagram und Facebook daher immer eine aktuelle Liste, von dem was tatsächlich gebraucht wird. Die Stadt Augsburg hat außerdem zwei Personen vom Verein eingestellt, um die Telefon Hotline zu führen. Grund dafür ist, dass diese zwei Personen ukrainisch sprechen und so besser auf die Bedürfnisse eingehen können.

Dringendstes Thema: Unterbringung der Geflüchteten

Das größte und dringendste Thema aktuell sei die Unterbringung der Geflüchteten. Das Innenministerium bereitet sich auf zwei Szenarien vor:

  1. Szenario: 50.000 Menschen kommen nach Bayern

  2. Szenario: 100.000 Menschen kommen nach Bayern

Momentan gehe man aber eher von dem ersten Szenario aus und bereite sich darauf vor. Für die Stadt Augsburg bedeutet das, dass 1109 Unterkunftsplätze zur Verfügung gestellt werden müssen. Bei dem zweiten Szenario würde sich diese Zahl verdoppeln. Diese Zahlen seien vom Freistaat gegriffen, aber man müsse irgendwo anfangen, erklärt Weber. „Jeden Tag lernen wir dazu und entwickeln uns.“

Aufnahmekapazitäten der Stadt Augsburg

Die Aufnahmekapazitäten der Stadt Augsburg liegen aktuell bei über 1.500 Personen. Am Montag, den 14.03, um 16 Uhr waren es 1.548 Plätze. Die Zahlen bekommt die Oberbürgermeisterin jeden Tag um 16 Uhr geliefert. Diese Aufnahmekapazitäten sind sowohl von der Regierung von Schwaben als auch von dezentralen Unterkünften.

Notunterkünfte müssen bereitgestellt werden

Wenn das Ankerzentrum überläuft, müsse man kurzfristige Unterkünfte zur Verfügung stellen können. Die Stadt möchte hierbei unbedingt Turnhallen vermeiden. Denn gerade ist dort Schulbetrieb und das bedeutet auch eine erhebliche Einschränkung für Vereine. Aktuell habe man eine Notunterkunft auf dem ehemaligen Fujitsu-Gelände, wo jetzt auch das Impfzentrum steht, bereitgestellt. Die Notunterkunft sei keine Halle, sondern ein Bürotrakt. Dort könne die Stadt 300 Menschen unterbringen. „Es gibt dort abgetrennte Zimmer, Teppichboden und gute Sanitäranlagen. Alles was man braucht, um Menschen kurzfristig unterzubringen“, meint Weber. Als Back-Up plant die Stadt die Halle vier auf dem Messergelände auszustatten. Aber auch das solle solange es geht vermieden werden, denn alles sei besser als eine Messe- oder Turnhalle erklärt Frau Weber. Deswegen seien die Angebote von Unternehmen, die leere Räumlichkeiten haben, umso besser und die Stadt nimmt diese dankend an.

Private Unterbringung

Sehr gut laufe die Unterbringung der privaten Wohnräume. Auch hier wisse man nicht genau, wie viele Menschen bereits privat in Augsburg untergekommen sind. Es gibt eine Mail, an die man sich wenden kann, wenn man Leute unterbringen möchte. Ganz neu ist die Programmierung der Vereins Tür an Tür auf der App „Integreat“, auf der ihr ab jetzt private Unterkünfte inserieren könnt. Dabei könnt ihr angeben, wie groß die Wohnung ist, ob sie Kinderfreundlich, Haustierfreundlich, LGBTQ-freundlich oder barrierefrei ist. Die App steht in verschiedenen Sprachen zur Verfügung. Seit vergangenen Donnerstag wurden bereits 45 Wohnungen über Integreat vermittelt.

Zahlen und Fakten

Staatlich beziehungsweise kommunal untergebracht waren Stand am Montag, den 14 März, um 16 Uhr, 717 Personen, davon 168 in kommunalen Unterkünften und 549 im Ankerzentrum oder anderen Einrichtung der Regierung Schwaben.

Privatleute sollen Busse unbedingt der Stadt melden

Viele Privatleute sind aktuell auf dem Weg zur polnisch-ukrainischen Grenze, darunter Busunternehmen, Firmen und andere Einrichtungen. Eva Weber betont mehrmals, wie wichtig es sei, diese Busse unbedingt der Stadt zu melden. Dies kann man unter der Mailadresse „ankunft-ukraine@augsburg.de“ machen. Dort solle man auch die Anzahl an Personen, wie viele Kinder in dem Bus und alles weitere angeben. Wenn unangemeldete Busse nachts ankommen, sei es schwierig, schnell Schlafplätze zu organisieren. Die Stadt kann nur Busse annehmen, die von AugsburgerInnen organisiert wurden.

Registrierung im Ankerzentrum

Die Registrierung im Ankerzentrum ist sehr wichtig, da die Geflüchteten die ersten 90 Tage als TouristInnen gelten. Aber nur mit Registrierung können sie Sozialleistungen in Anspruch nehmen. Diese Leistungen sind nach Asylbewerberleistung strukturiert und ähnlich wie Hartz 4, jedoch etwas geringer. Da es extreme Wartezeiten im Ankerzentrum gibt, wurde die Erfassung der Personen zunächst bürokratisch erleichtert und es erfolgt eine Grunderfassung. So können die Menschen Asylbewerberleistungen annehmen und die vollständige Erfassung erfolgt später. „Andere Leistungen der Ausländerbehörde, wie beispielsweise für afghanische Ortskräfte werden nicht eingeschränkt. „Wir haben unsere Kapazitäten durch vier weitere Schalter bei der Blauen Kappe verdreifacht“, erklärt Weber.

Begegnungsorte in der Stadt werden geschaffen

Im Grandhotel Cosmopolis soll das „Café Odessa“ und im Café Tür an Tür das „Café Kiew“ geschaffen werden, bei denen es auch jeweils Mittagstisch geben wird. Hier können die Geflüchteten mit Landsleuten in Kontakt kommen und sich austauschen. Beim „AuMida Bastelplatz“ wird es das „Café Mariupol“ geben. AuMida ist ein Sammel- und Begegnungsort in der Innenstadt Augsburg, bei dem beispielsweise Workshops mit pädagogischen MitarbeiterInnen statt finden. Die Leiterin aus AuMida wird drei Tage in der Woche die Möglichkeit geben, dass geflüchtete Mütter mit ihren Kindern dort zusammen basteln und vor allem zur Ruhe kommen können.

Integration in Augsburg

Die Kinder, die hier sind sollen so schnell es geht eingeschult werden. Denn Struktur sei wichtig für den Alltag, sagt Weber. Dafür soll eine Hotline zusammen mit dem Schulamt eingerichtet werden. Für Kitas und andere Betreuungsangebote müsse man niederschwellige Angebote finden. „Die Mütter wollen ihre Kinder nach so einer Flucht natürlich nicht unbeaufsichtigt irgendwo abgeben, sondern immer in der Nähe bleiben“, erklärt die Oberbürgermeisterin. Die Erwachsenen dürfen direkt, nachdem sie sich beim Ankerzentrum registriert haben, arbeiten gehen. Eventuell soll dafür auch eine Jobbörse auf Integreat eingerichtet werden. Ansonsten können man auch aktiv den Menschen Jobs anbieten. Auch die Hochschule und die Universität Augsburg bereiten sich auf Geflüchtete vor. Hier soll es Sprachkurse und andere Angebote geben. Dabei unterstützt ebenso die Volkshochschule.

Flucht und Corona

Alle, die ankommen, müssen verpflichtend PCR getestet werden. Aktuell kümmert sich das Gesundheitsamt darum, dieses ist aber überlastet. Die Stadt ist im Gespräch mit dem bayrischen Roten Kreuz und anderen Organisationen, die das übernehmen sollen. Die Impfquote in der Ukraine ist bei circa 30 Prozent. Die Leute sind mit einem chinesischen Impfstoff geimpft, der hier noch nicht zulässig ist, das bedeutet sie müssen in Deutschland neu geimpft werden. Die Kapazitäten des Impfzentrums werden dafür ausgeweitet und auch mobile Impfteams werden in die Unterkünfte gehen. „Die Menschen haben jedoch gerade andere Probleme und ich denke man sollte ihnen erst einmal Zeit geben, um anzukommen“, erklärt die Oberbürgermeisterin.

Weitere Hilfsangebote in Augsburg

Die Stadt Augsburg aktualisiert die städtische Website täglich. Es gibt eine Ukraine Hotline, die sieben Tage die Woche von 9 bis 16 Uhr geöffnet hat. Unter der Nummer 0821 324-3016 kann euch oder Geflüchteten, die ihr kennt, weitergeholfen werden. Es wird eine weitere Hotline geben, für Menschen die Wohnraum anbieten möchten und dazu Fragen haben.

Alle geflüchteten UkrainerInnen können kostenlos die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Dazu brauchen sie nur einen ukrainischen Pass oder ein „0-Euro-Ticket“ der deutschen Bahn.

Auch die Ankunftssituation am Bahnhof wird verbessert, erklärt Eva Weber. Es wird ein Informationszentrum geben und ein Mitarbeiter ist in ständiger Bereitschaft, damit Menschen, die mitten in der Nacht kommen, untergebracht werden können.

Die erste Hotline für Seelsorge und Erstbetreuung ist bereits in der Umsetzung, eine weitere ist geplant. Seit sechs Jahren gibt es den runden Tisch zu „Frauen und Flucht“, dieser wird jetzt wieder aktiv aufgenommen.

Unterschied der beiden Spendenkontos

Es gibt das Spendenkonto der Stadt Augsburg und das des Ukrainischen Vereins. Der Ukrainische Verein verwendet die Spenden für die Ukraine direkt und kauft dort vor Ort Lebensmittel, Schutzausrüstung und was sonst gebraucht wird. Die Stadt verwendet die Spenden für die Geflüchteten hier on Augsburg. Beide Spendenkonten und alle weiteren Informationen findet ihr auf der Website der Stadt Augburg.

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