Augsburg ist Teststadt und trotzdem hinterher?

Das Augsburg eine Teststadt ist, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Doch warum kommen trotzdem viele Trends nicht bei uns an? Wir haben nachgefragt.

Augsburg ist Teststadt und trotzdem hinterher?

Augsburg ist Teststadt – so kommunizieren es zumindest verschiedene Medien immer und immer wieder. Doch so wirklich innovativ und modern kommt mir die Stadt trotzdem nicht vor. Besonders im Bezug auf Trends habe ich das Gefühl, dass Augsburg irgendwie ziemlich hinterher hängt. Sei es der Einhorn-Latte, Mermaid-Hair oder verrückte Food-Kreationen – viele deutschlandweite Trends kommen erst gar nicht in Augsburg an. Und wenn doch, dann erst ziemlich spät. Doch woher kommt diese Resistenz oder fast schon Immunität gegenüber Trends? Haben wir Augsburger einfach keine Lust auf Neues?

Der typische Augsburger gilt eher als zurückhaltend

„Der Augsburger ist zurückhaltend, aber nicht uninteressiert an Neuem“

Für Andreas Gärtner vom Handelsverband Bayern ist der Fall ganz klar: „Verschiedene Konzepte sind nicht auf einen eher konservativen, qualitätsorientierten, preisbewussten Kunden ausgelegt und benötigen zusätzlich ein großstädtisches Umfeld oder eine dem Produkt entsprechende Szene.“ Denn auch wenn Augsburg, insbesondere der Anteil der 18- bis 25-Jährigen, in den letzten Jahren stark gewachsen ist und die Stadt dadurch jünger, attraktiver und bunter wirkt, gilt der typische Augsburger eher als zurückhaltend. Und genau diese Eigenschaft ist es auch, die Augsburg laut Axel Wellhoener vom Markt- und Motivforschungsinstitut Sociogramma zu einer zuverlässigen Größe für die Marktforschung macht: „Der Augsburger wartet eher ab, den letzten Schrei will er nicht sofort haben, aber später dann durchaus. Auf seine Aussagen oder Trends kann man sich verlassen.“

Augsburg als beliebter Test-Markt

„Was Gescheites soll es sein, nur kosten darf es nix.“

Doch was ist es dann, was das konservative Augsburg zu einer so beliebten Teststadt macht? „Die Kombination einer eher niedrigen Kaufkraft in der Stadt und einer teils sehr hohen Kaufkraft im direkten Umfeld“, so Gärtner, „ist typisch für viele deutsche Städte.“ Auch Wellhoener behauptet: „Wer hier testet, braucht nirgendwo anders in Deutschland zu testen.“ Augsburg bildet laut ihnen die gesamte deutsche Bevölkerungsstruktur gut ab. Was bei uns funktioniert, sollte also auch im Rest Deutschlands funktionieren – so zumindest die Theorie. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Schließlich ist der Augsburger Kunde alles andere als leicht zu durchschauen. Discount Produkte, Luxus-Artikel, spontane Lustkäufe oder doch lieber online? „Trotz aller Marktforschung bleibt der Kunde oftmals unberechenbar”, so Gärtner. „Was Gescheites soll es sein, nur kosten darf es nix.“

Innovation made in Augsburg

„Augsburg stellt sich bescheiden hinten an“

So weit, so gut! Doch obwohl Augsburg ein beliebter Test-Markt ist, sind wir nur selten Vorreiter im Vergleich zu Städten wie beispielsweise München. Steht uns hier die Bodenständigkeit vielleicht sogar im Weg? Axel Wellhoener bestätigt, dass auch er Kunden kennt, die lieber in München oder Frankfurt testen wollen, als in Augsburg: „Augsburg erscheint ihnen zu bieder und bodenständig. Hier schlägt noch immer (fälschlicherweise) das etwas antiquierte, altmodische, fast ländliche bisherige Image etwas durch.” Seiner Meinung nach wird Augsburg also gar nicht erst die Chance gegeben, sich wirklich als Vorreiter zu positionieren – „und die Stadt stellt sich bescheiden hinten an.” Gärtner hingegen sieht die doch relativ kleine Größe der Stadt als Ursache dafür, keine deutschlandweiten Trends auslösen zu können. “Dennoch entstehen immer wieder innovative Konzepte, die auch überregional erfolgreich sind oder nachgeahmt werden.” Denken wir nur mal an Konzepte wie Manomama, Boxbote oder auch Little Lunch.

Sieht so aus, als wäre Augsburg unter der konservativen Schale doch innovativer, als wir vielleicht glauben möchten. Klar wäre es cool, wenn es auch hier bei uns die Möglichkeit gäbe, innovatiove Food-Konzepte wie Bowls oder Aktivkohle-Eis in ihrer Hochphase zu testen. Auf der anderen Seite ist es aber auch schön zu sehen, wie lange wir uns gegen öde Mainstream-Konzepte wie beispielsweise Starbucks wehren können, wenn wir wollen. Nicht jedem Trend hinterherlaufen zu wollen macht uns Augsburger schließlich auch einzigartig, nicht wahr?

Logo