„Ein T-Shirt darf keine fünf Euro kosten“: Wir müssen umdenken

Schluss mit dem Fast-Fashion-Wahn! Die Modeindustrie muss klima- und menschenfreundlicher werden. Das fordert unter anderem die Augsburger Schneiderei „Respekt Mode“.

„Ein T-Shirt darf keine fünf Euro kosten“: Wir müssen umdenken

Verschmutzte Gewässer, schlechte Arbeitsbedingungen in den großen Nähfabriken in Asien, Berge von Kleidung, die aufgrund ihrer schlechten Qualität oft schon nach wenigen Jahren in der Tonne landen … Die Modeindustrie gehört neben der Ölindustrie zu den größten Umweltverschmutzern überhaupt.

Hier muss sich dringend etwas ändern, finden immer mehr Menschen. Second-Hand-Klamotten zu kaufen, Kleidung zu reparieren, anstatt sie wegzuwerfen und fair produzierte Mode mit guter Qualität zu kaufen, sind einige Wege, einen Beitrag gegen die Umweltverschmutzung zu leisten.

Immer wichtiger werden auch lokale Schneidereien, die Stoffe vor Ort verarbeiten. So auch die Schneiderei „Respekt Mode“, die in Augsburg zuhause ist. Adele Volz, Charlotte Habersetzer und Christina Klotz von Respekt wollen ein Umdenken in der Gesellschaft anstoßen. „Denn ein T-Shirt, für das wir in der Herstellung zirka anderthalb Stunden Arbeitszeit benötigen und einen Stoffpreis für Bio-Baumwoll-Jersey von zirka zehn Euro bezahlen, kann und darf im Handel keine fünf Euro kosten!“, sagen sie.

Das Ziel: Mode wieder in Deutschland produzieren

Respekt Mode gibt es seit 2021 in Augsburg. Die Inhaberin, Frau Volz, war zuvor Geschäftspartnerin einer Maßschneiderei in der Augsburger Altstadt. Vergangenes Jahr entschied sie sich dazu, sich den Traum von einer eigenen Kollektion mit eigenem Label zu erfüllen. Zusammen mit Charlotte Habersetzer und Christina Klotz fertigt sie in ihrem Atelier in der Meraner Straße Kleidung aus sorgfältig ausgewählten Stoffen – darunter Alltagskleidung aber auch T-Shirts für Firmen. Eine Änderungsschneiderei und Maßanfertigungen gehören ebenso zum Angebot.

Das Schneiderhandwerk darf nicht verschwinden

Ein Business wie dieses ist heutzutage selten geworden. Das Schneiderhandwerk verliere zunehmend an Bedeutung, sagen die Schneiderinnen. „Das liegt nicht an der geringen Nachfrage nach Ausbildungsplätzen, sondern vielmehr daran, dass die Ausübung zumeist nicht wirtschaftlich ist“, erklären sie. Darüber hinaus mangelt es an Arbeitsplätzen und damit an einer langfristigen Perspektive für ausgebildete SchneiderInnen.

Schluss mit der Ausbeutung an den großen Textil-Produktionsstandorten

Die Frauen wollen den Textilstandort Deutschland fördern und als wichtigen Wirtschaftssektor wiederbeleben. „Gerade die momentanen Lieferengpässe zeigen, dass wir uns von Billiglohnländern massiv abhängig gemacht haben“, sagen sie. Die Produktion im eigenen Land könne Abhängigkeiten verringern und eine Alternative zur ausbeuterischen Textilindustrie bieten. Die gezielte Verschmutzung und die Missachtung der Menschenrechte durch die vorherrschenden Arbeitsbedingungen nicht länger zu unterstützen, sei das Hauptanliegen von Respekt Mode, betonen die drei.

Nachhaltige Mode-Labels, die ihre Produktion zwar nicht in Asien aber in anderen europäischen Ländern haben, sehen die Schneiderinnen kritisch. „Anstatt den Textilstandort Deutschland zu nutzen und völlige Transparenz zu zeigen, wird auch hier Kosteneinsparung durch Outsourcing betrieben“, sagen sie.

„Kleidungsstücke reisen oft um die ganze Welt. Eine Fertigung in Deutschland würde diesen Weg immens verkürzen.“

„Mode ist für uns kein kurzlebiger Gebrauchsartikel“

Mit ihrer Arbeit wollen die Schneiderinnen erreichen, dass Menschen Mode wieder mehr wertschätzen. Nicht ohne Grund heißt ihr Label „Respekt“.

Ein Basic T-Shirt von Respekt Mode kostet 50 Euro. Wie dieser Preis zustande kommt? Das Respekt-Team erklärt: „Wir kalkulieren mit Materialkosten von etwa acht Euro bei Biobaumwolljersey, Lohnkosten bei einer Arbeitszeit von anderthalb Stunden für Zuschnitt und Näharbeit von 25 Euro, Gemeinkosten von 22,50 Euro. Hier haben wir bereits einen Nettoverkaufspreis von zirka 55 Euro erreicht. Auf einen Gewinnaufschlag haben wir verzichtet“.

„Am nachhaltigsten ist es immer noch die Kleidung zu verwerten, die bereits existiert.“

Von den KonsumentInnen wünschen sich die drei Frauen, dass sie Mode bewusster und weniger einkaufen. Sie empfehlen die Siegel „‚GOTS' oder den ‚Grünen Knopf'“. Um ein Kleidungsstück so lange wie möglich tragen zu können, lohne es sich in gute Qualität zu investieren und sie gut zu pflegen, sagen die drei. „Auch ein Verzicht auf synthetische Fasern ist sinnvoll, da diese nur schwer abbaubar sind“.

Politische Doppelmoral Deutschlands

Allerdings ist dem Respekt-Team auch bewusst, dass die Einflusskraft der KonsumentInnen ihre Grenzen hat. Der Endverbraucher habe nur bedingt die Möglichkeit, die Lieferkette eines Kleidungsstückes vom Anbau der Rohmaterialien bis zum fertigen Endprodukt nachzuvollziehen. „Die Politik sollte diese Verantwortung den Großkonzernen, die im Ausland produzieren, auferlegen“, sagen sie. Deutschland fahre hier bisher eine politische Doppelmoral. „Innerhalb Deutschlands herrschen strenge Richtlinien und Gesetze bezüglich Arbeitsbedingungen, Lohn und Umweltbelastungen, wie dem Einsatz und der Entsorgung von giftigen Chemikalien. Dieser Maßstab sollte beim Import von Waren im selben Maße gelten, so dass es dem Konsumenten unmöglich ist, ein unter schlechten Umständen produziertes Produkt in Deutschland zu erwerben“, fordern die Frauen.

Ihnen sei bewusst, dass die Forderung einen massiven Markteingriff darstelle und nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann. Ihr Vorschlag sieht daher einen höheren Steuersatz für importierte Produkte aus Billiglohnländern vor.

„Die Berge an Altkleidern, die wir in Schwellenländer verschiffen, sind eines der größten Probleme der Textilindustrie. Auch hier schieben wir unsere Verantwortung ab.“

„Der Begriff der Nachhaltigkeit ist in der Modebranche nicht geschützt. Das macht es für umweltbewusste Labels schwierig mitzuhalten, wenn Konzerne wie H&M eine Kollektion als nachhaltig bewerben dürfen und ihren Hauptgewinn durch Fast Fashion erzielen – Green Washing par excellence.“

Wie steht ihr zum Thema Mode made in Germany? Ist das Thema Fast-Fashion eines, über das ihr euch in eurem Alltag Gedanken macht? Schreibt uns dazu jederzeit gerne.

Hier findet ihr ein paar Orte in Augsburg, an denen ihr Second-Hand-Klamotten bekommen könnt.

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