„Ich muss keine Millionärin werden”– Warum Lisa McQueens Kätchens einfach funktioniert

Viele haben ihn, diesen Traum vom eigenen Café. Lisa McQueen hat ihn umgesetzt und beweist mit ihrem Kätchens, dass auch in Augsburg außergewöhnliche Konzepte durchaus funktionieren können.

„Ich muss keine Millionärin werden”– Warum Lisa McQueens Kätchens einfach funktioniert

Die waldgrüne Tür und die liebevoll dekorierten Schaufenster in der Peutingerstraße lassen schon von außen erkennen, dass sich dahinter etwas Besonderes verbirgt. Beim Hineingehen steigt direkt der aromatische Duft von frisch gemahlenem Kaffee in die Nase. Ein Blick durch die kleinen Räumlichkeiten verrät, mit wie viel Liebe fürs Detail das Café eingerichtet ist: Ein alter vergilbter Lampenschirm mit Fransen und ein Plattenspieler stehen vor einem Vintage-Sofa, das genauso gut im Wohnzimmer meiner Großmutter stehen könnte. Dahinter fängt eine Bilderwand mit zahlreichen Fotografien und Kunstwerken den Blick. Zwei bequeme alte Sessel stehen gegenüber. Doch das wirkliche Herzstück des Kätchens ist Lisa McQueen selbst. Die junge Augsburgerin hat das Café eröffnet und leitet es in Eigenregie. Sie ist es, die mit ihrer herzlichen Art und Ausstrahlung dem Kätchens dieses gewisse Wohnzimmer-Feeling verleiht. Kein Wunder also, dass fast alle ihrer Kunden auch Stammkunden sind. „Die meisten Leute, die einmal hier waren, kommen auch ein zweites und drittes Mal wieder”, erzählt Lisa stolz.

„Ich war früher total schüchtern”

Das Kätchens hat einen bestimmten Zauber. Einen Zauber, der einen immer wieder gerne zurückkommen lässt. Doch worin liegt er? Für Lisa ist es die kleine Größe des Cafés. Die Stühle sind so gestellt, dass man schon fast wie in einem Stuhlkreis zusammensitzt, damit alle miteinander reden können – wenn sie wollen. So kommen auch Leute in Kontakt, die sich sonst nie kennenlernen würden. Auch Lisa selbst hat sich durch das Kätchens verändert. „Ich war früher total schüchtern”, lacht sie. Kaum vorstellbar, wenn man sie heute trifft. Man sieht ihr an, wie viel Leidenschaft sie in das Café steckt. „Es darf nicht ums Geld gehen, nur dann verdient man auch Geld.” Viel wichtiger ist es für Lisa, dass sie für die Sache brennt, um auch das richtige Gefühl zu vermitteln. „Die Leute spüren es, wenn du ihnen etwas aufschwätzen willst.” Und genau so können auch in Augsburg außergewöhnliche Konzepte funktionieren – nicht nur in Berlin.

„Auch in Augsburg muss man versuchen, weiterzukommen, sonst würde die Stadt stehenbleiben”

„Angefangen hat alles mit der Kaffeemaschine”, lacht Lisa McQueen, „ohne sie gäbe es das Kätchens wohl nicht”. Vor 3 Jahren hat Lisa genau das umgesetzt, wovon viele nur träumen: Ein eigenes Café. Dass sie eigentlich ganz andere Pläne für ihr Leben hatte, als ein Café in Augsburg zu eröffnen, ist nach einem Besuch im Kätchens fast unvorstellbar. Lisa hat Modedesign studiert und machte sich für ein Praktikum in der Modebranche auf nach Berlin. Doch ihr Projekt wollte sie auf jeden Fall in Augsburg umsetzen. „Auch in Augsburg muss man versuchen, weiterzukommen, sonst würde die Stadt stehenbleiben. Unsere Stadt braucht viele junge Leute mit Ideen. Sowas macht eine Stadt lebenswert. Denn auch hier kann es cool sein!”

„Der Kaffee war zuerst eigentlich nur dafür gedacht, die Leute in den Laden zu locken”

Der Plan: ein Modeatelier, in dem sie selbst designte Mode und Dinge anderer regionaler Künstler verkaufen kann. „Der Kaffee war zuerst eigentlich nur dafür gedacht, die Leute in den Laden zu locken”, lacht Lisa. Heute ist es genau andersrum. „Heute ist mein Laden hauptsächlich Café und erst an zweiter Stelle eine Boutique.“ Das ist aber auch gut so, denn die Leute entscheiden sich meist bei einem Kaffee, dass sie ein Teil anprobieren möchten. Und wer kann diesem schon widerstehen? „Ich freue mich über jede verkaufte Tasse. Es fühlt sich für mich nicht nach Arbeit an. Und das ist auch wichtig, weil nur wenn ich gut drauf bin, fühlen sich auch meine Kunden wohl.“

„Ich muss keine Millionärin werden”

Lisa verwendet in ihrem Café auch heute die gleiche Siebträgermaschine, mit der sie damals in Berlin gelernt hat Kaffee zu machen. Auch der Kaffee selbst ist noch der Gleiche. Ihr Traum ist nun, sich völlig auf Kaffee zu spezialisieren. Doch alles hat seine Grenzen. „Ich muss keine Millionärin werden. Ich will einfach zu fairen Preisen fairen Kaffee verkaufen.” Auch wenn Lisa weiß, dass sie sonntags oder abends als Bar noch mehr verdienen könnte, steht für sie der Spaß an ihrer Arbeit an erster Stelle. „Es ist wichtig, auf sich selbst zu hören und sich nicht zu überfordern.”

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