Augsburg in Geräuschen – Welche Töne uns im Alltag gerade begleiten

E-Zigaretten, Netflix, Trinkflaschen – Welche Alltags-Geräusche prägen Augsburg im Moment?

Augsburg in Geräuschen – Welche Töne uns im Alltag gerade begleiten

Auch wenn viele Augsburger (mich eingeschlossen) mittlerweile so oft es geht ihre Umgebung mit geräuschunterdrückenden Kopfhörern auszublenden versuchen, auf denen sie Spotify, Podcasts etc. hören, sind sie doch da, ob man will oder nicht: Die kleinen, oft nur unbewusst wahrgenommenen Geräusche des Alltags. Und obwohl das 21. Jahrhundert dank eben dieser Kopfhörer, E-Autos und Stummtaste am Handy als, wie es die SZ so schön formuliert, „Jahrhundert der Nebengeräuschlosigkeit“ in die Geschichte eingehen könnte, haben doch auch wir einen bestimmten Klang, mit dem wir Augsburg gerade prägen.

Trinkflaschen

Zugegeben, bei diesem Punkt gibt es mittlerweile sehr viele Variationen. Aber ist ja auch egal, schließlich hat sicher jeder gerade im Kopf, wie sich das Aufschrauben einer Alu-, Glas- oder Hartplastikflasche anhört. Denn es scheint, als könnten wir Augsburger mittlerweile nicht mehr unsere Wohnungen verlassen, ohne diesen kleinen Begleiter. Sei es in der Uni, am Arbeitsplatz oder sonst wo - unsere ganz persönliche Trinkflasche haben wir wirklich immer und überall mit dabei, was das gute alte Glas im Alltag schon fast überflüssig macht. Aber no judgement, Leute. Wasser trinken ist eben wichtig, also weiter so!

Siebträger-Kaffeemaschinen

Mahlen, festdrücken, brühen, Kaffeesatz wegwerfen - auch ohne Barista oder Kaffee-Experte zu sein, zählen die Geräusche einer Siebträger-Kaffeemaschine aktuell eindeutig zu unserem Alltag. Schließlich sind wir die Generation der selbsternannten „Coffee-Addicts“ und feiern uns dafür sogar mit riesigen Prints auf Jutebeuteln und Coffee-To-Go-Bechern in der Hand. Kein Wunder also, dass es auch in Augsburg mittlerweile zahlreiche hippe Cafés gibt, in denen Siebträger-Maschinen zur Standardausrüstung gehören. Der gute alte Filterkaffee musste für lange Zeit hinten anstehen, bis er mittlerweile wieder sein Comeback feiert. Unsere Liebe und Möchtegern-Expertise zu Kaffee geht sogar soweit, dass sich auch Leute mit durchschnittlichem Einkommen sicher sind: „Eine Siebträger-Maschine muss es für daheim schon sein!“

WhatsApp

Als Kind verbrachte ich meine Abende oft vor dem Computer. Denn das war die Zeit, in der ich mit meinen Freunden in ICQ chatten konnte. Erinnerst Du Dich noch an das freudige „Oh Oooh“, wenn Du eine Nachricht erhalten hast? Schade eigentlich, dass dieses Geräusch mittlerweile völlig ausgestorben und dem charakteristischen Sound von WhatsApp gewichen ist. (Ich weiß ja nicht, wie es dir geht, aber mir fällt es wirklich schwer, diesen zu definieren). Statt der begrenzten Zeit am Abend ist chatten eine Aktivität geworden, die uns rund um die Uhr beschäftigt. Kein Wunder also, dass dieses seltsame WhatsApp-Geräusch mittlerweile so präsent in unserem Alltag ist, dass wir uns auch ohne Nachricht oft einbilden, den Sound gehört zu haben.

E-Scooter

Augsburg hat ca. seit Mitte letzten Jahres das E-Scooter-Fieber gepackt. Egal wo man in der Stadt unterwegs ist, überall stehen (oder seien wir realistisch: liegen) die orangen Flitzer herum und dieses stille, aber penetrante Ssssssssst ist aus dem Straßenverkehr nicht mehr wegzudenken. Mann kann von E-Scootern halten was man will, doch ohne Frage prägen sie nicht nur Augsburgs Straßen sondern auch die Geräuschkulisse des neuen Jahrzehnts.

Netflix

So unterschiedlich das Alltagsleben der Augsburger auch aussehen mag, spätestens am Abend hört es sich wohl in jeden Wohn- oder Schlafzimmer gleich an: da-dum. Denn der Streamingdienst Netflix lässt es sich natürlich nicht nehmen, sein wiedererkennbares und doch überraschend sanftes Intro vor jedem Film und jeder Serienfolge abzuspielen. Unsere Liebe zu Netflix geht so weit, dass mittlerweile außer dem Tatort am Sonntag am Feierabend das Fernsehprogramm unwichtig geworden ist. Schließlich kann man jederzeit ansehen, nach was einem der Sinn steht. Eigentlich ein schöner Gedanke, dass jeden Abend ein kollektives da-dum durch Augsburg hallt, nicht wahr?

Tram-Hupe

Schon fast süß klingt es, wenn ein Tram-Fahrer verärgert auf die Hupe drückt. Mit einen sanften rasselnden Ton erhalten wir die Warnung, dass wir jetzt wirklich nicht mehr über die Straße laufen sollen. Doch dass unsere Generation die Tram-Hupe vermutlich häufiger hört als die Generation vor uns hat einen simplen, aber unschönen Grund: Wir sind alle „Smombies“ - also Leute, die unkontrolliert durch die Gegend laufen, weil wir den Blick stets nach unten auf unser Smartphone richten. Diese blöde Angewohnheit hat in Augsburg sogar schon soweit geführt, dass es an der Hochschule seit einiger Zeit Ampeln im Boden gibt. Schade nur, dass diejenigen, die das Geräusch der Tram-Hupe betrifft dank ihrem Smartphone vermutlich eh nichts davon mitbekommen...

Diese Liste der Geräusche der Gegenwart könnte ich wohl noch unendlich weiterführen. Zu nennen wären auf jeden Fall noch Siri, E-Zigaretten, Schnallen von Bauchtaschen, Tippen auf Displays und - typisch Augsburg- natürlich auch Baustellen. Doch man sollte bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist. Welche Geräusche begleiten Dich im Alltag?

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