Insektenrangerin: Balkon und Garten insektenfreundlich gestalten

Augsburgs Insektenrangerin Tine Klink, hat einige Tipps wie ihr euren Balkon oder Garten insektenfreundlich gestalten könnt. Wir haben am Seminar teilgenommen und geben einen Überblick.

Insektenrangerin: Balkon und Garten insektenfreundlich gestalten

Die Insektenrangerin Tine Klink arbeitet für die Umweltstation Augsburg, in der ihr AnsprechpartnerInnen für alle Themen rund um Nachhaltigkeit und Umwelt findet. Tine Klink ist seit Mai 2021 Insektenrangerin. Am Donnerstag, den 24. Februar hat sie das Seminar „Garten und Balkon insektenfreundlich gestalten“ gegeben. Wir haben teilgenommen und haben euch ein paar Tipps und Tricks zusammengefasst.

Darum ist Insektenvielfalt wichtig

Insekten sind für unsere Umwelt unverzichtbar, denn sie sind Teil fast jeder Nahrungskette. Weniger Insekten bedeutet auch weniger Vögel. Außerdem sind Insekten sehr wichtig, um den Nährstoffkreislauf zu regulieren: Sie zersetzen organische Materialen und erschließen sie für das Ökosystem. „Wenn es keine aaszersetzeneden Insekten geben würde, würden wir alle drei Meter in einen Kuhfladen laufen“, erklärt Tine Klink.

Darum gibt es das Insektensterben

Die Gründe für das Insektensterben sind vor allem Pestizide, Chemikalien, Überdüngung und Verarmung der Landwirtschaft. Außerdem werden Böden immer weiter versiegelt. Ein weiteres großes Problem ist die Lichtverschmutzung. Die meisten Städte sind nachts hell beleuchtet, was nicht gut für die Insekten ist.

Insekten schützen im heimischen Garten

Wie können wir selbst nun Insekten in unserem Garten schützen? Dafür gibt es vier goldene Regeln:

  1. Große Pflanzenvielfalt

  1. Strukturreichtum im Garten

  1. Totholz

  1. Optimale Standortbestimmungen

Große Pflanzenvielfalt - offene Blüten

Sehr wichtig für Insekten in eurem Garten sind offene Blüten. So haben die Insekten die Möglichkeit an die Pollen und den Nektar zu kommen. Das haben sie bei gefüllten Blüten nicht. Außerdem solltet ihr Pflanzen mit reichem Samenansatz wählen, wie zum Beispiel Disteln. Auch regionale, heimische Wildpflanzen sind von Vorteil für die Insekten, denn darauf sind sie angepasst.

Rasen - weniger ist mehr

Bei eurem Rasen empfiehlt es sich, nur die Laufwege kurz zu halten und nur ein bis zwei Mal im Jahr zu mähen, damit man möglichst wenig Lebensraum der Insekten zerstört. Hier solltet ihr am besten zu einem Balkenmäher oder, wenn ihr darin geübt seid, zur Sense greifen. Denn Mähroboter und Motorsensen sind nicht gut für die Artenvielfalt und auch für Igel tödliche Fallen.

Blütenreichtum - genug Nahrung für alle

Ihr solltet generell darauf achten von Februar bis November immer etwas blühendes im Garten zu haben. Vor allem im Hochsommer solltet ihr auf Blütenreichtum achten, damit alle Insekten genug Nahrung haben. Wenn im Frühjahr die ersten sogenannten Unkräuter kommen, dann jätet sie am besten nicht. Sie mögen zwar nicht für jeden schön aussehen, sind aber enorm wichtig für die Insekten. Der Tipp von Tine Klink: Pflanzt einfach ein paar Krokusse und Tulpen dazu. Schon stören die Wildkräuter optisch nicht mehr und den Insekten geht es gut.

Strukturreichtum - mit Holzzaun und regionalen Stauden

Ihr solltet euch auf jeden Fall für einen Holzzaun, statt einen Maschendrahtzaun entscheiden, denn manche Insekten siedeln im Holz. Auch bei eurer Hecke ist es besser, sich für heimische Laubsträucher, statt der klassischen Thuja zu entscheiden, denn sie bieten Lebensraum, Nahrung und Schutz.

Was das Stauden zurückschneiden angeht, solltet ihr für den Artenschutz immer erstmal weniger tun: Das bedeutet, auch wenn es euch jetzt bei dem schönen Wetter in der Fingern juckt, wartet auf jeden Fall bis April. Denn viele Insekten überwintern in den Stauden. Nachdem ihr die Stauden dann im späten Frühjahr zurückgeschnitten habt, solltet ihr sie drei Tage senkrecht gebündelt stehen lassen, damit die Insekten Zeit haben herauszukriechen.

Unordnung ist das halbe Leben

Viele mögen in ihrem Garten keine Unordnung. Für die Artenvielfalt ist aber oft genau das gut. Das bedeutet konkret: Ihr könnt den Insekten natürliche Habitate bieten und beispielsweise auch mal ein wildes Eck in eurem Garten lassen, an dem ihr nichts macht und es einfach wachsen lasst. Lasst das Fallobst liegen, die Insekten freuen sich. Außerdem könnt ihr auch Untermieter in euren Garten locken, wie zum Beispiel durch Vogelhäuser oder Fledermauskästen.

Totholz schützt vom Aussterben bedrohte Tierarten

Totholz ist Lebensraum für viele Tierarten. Astbruch oder Heckenschnitt könnt ihr in einer sonnigen Lage zu einer kleinen Hecke stapeln. Vor allem stehendes Totholz, hat einen extrem hohen ökologischen Wert, denn viele Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind, siedeln dort.

Optimale Standortbedingungen - Regenwasser, torffreie Erde und Südseite

Die meisten Insekten mögen es warm. Das bedeutet, südseitig gelegene Fläche mit viel Sonne sind oft sinnvoll. Pflanzen mögen magere Böden, hier sollte nicht gedüngt werden. Im Gemüsebeet am besten nur organisch düngen, beispielsweise mit Schafwollpellets. Wenn ihr neue Erde benötigt, soll diese aus Gründen des Klimaschutzes unbedingt torffrei sein, erklärt die Insektenrangerin. Was auch zum Punkt der optimalen Standortbedingungen gehört, ist definitiv das Wasser. Am besten ist es immer Regenwasser zu nutzen. Das geht mit Regentonnen, Zisternen oder einem Teich. Ökologisch wertvoll sind vor allem Flachwasserzonen, da sich hier das Wasser schnell aufwärmt und somit Lebensraum für Libellen, Molche und Frösche bildet. Was man in einem naturnahen Teich vermeiden sollte, sind Goldfische. Sie fressen unter anderem die Libellenlarven. Tine Klink erklärt auch was leider nichts hilft: Blühmischungen aus dem Discounter. Sie sehen zwar schön aus, bieten aber für den Artenschutz keine Vorteile.

Tschüss Goldfische und Blütenmischung.

Lichtverschmutzung

Wie schon erwähnt ist Lichtverschmutzung ein großer Punkt beim Insektensterben. Nachtaktive Insekten verbrennen im Licht oder sterben an Erschöpfung, weil sie immer um das Licht herumfliegen. Deswegen empfiehlt es sich, im Garten keine künstlichen Lichtquellen zu installieren und die Fensterläden abends zu schließen. Wenn ihr dennoch Beleuchtung im Garten braucht, empfiehlt Tine Klink mit Bewegungsmeldern zu arbeiten. So ist das Licht nur an, wenn es auch gebraucht wird. Außerdem solltet ihr warme LED-Leuchten nehmen, die nach unten strahlen.

Insekten schützen auf dem Balkon

Das wichtigste was man zum Balkon wissen sollte: Nicht alles, was im Garten geht, geht auch auf dem Balkon. Ihr seid hier, was den Platz, den Standort und die Wasserzufuhr angeht, viel beschränkter als im Garten. Für Pflanzen ist der Balkon ein Extremstandort. Sie sind Wind, Hitze, Licht und Durchfrostung ausgesetzt. Außerdem müsst ihr zusätzlich auch die Bedingungen der Hausverwaltung oder der VermieterInnen beachten.

Anfangen solltet ihr bei der Gefäßwahl für eure Pflanzen. Denn die Pflanzenauswahl hängt von der Gefäßgröße ab. Ihr könnt ruhig Abstand von den klassischen Balkonpflanzen nehmen, denn viele Wildpflanzen funktionieren auch auf dem Balkon. Genau wie im Garten könnt ihr auf euren Balkon Untermieter einladen. Das funktioniert zum Beispiel mit einer Wassertränke oder Nisthilfen, wenn ein reiches Nahrungsangebot an blühenden Pflanzen vorhanden ist.

Persönliche Beratung

Wenn ihr euch in manchen Punkten noch unsicher seid, könnt ihr auch eine persönliche Beratung für euren Balkon oder Garten mit Tine Klink vereinbaren. Das geht unter der E-Mail-Adresse t.klink@us-augsburg.de. Ihr könnt die ganze Präsentation auch auf der Website der Umweltstation Augsburg unter dem Reiter „Unsere Projekte“ und dann „Insektenrangerin“ herunterladen.

Das Seminar „Garten und Balkon insektenfreundlich gestalten“ wird am Dienstag, den 5. April um 19 Uhr wiederholt. Wenn ihr also selbst teilnehmen möchtet, könnt ihr eine E-Mail an Tine Klink schreiben.

Logo