Erfahrungsbericht: Wie ist es, nach Augsburg zu ziehen?

Aus eigener Erfahrung kann ich euch sagen: es kursieren viele Meinungen über unsere Stadt Augsburg. Welcher schließt ihr euch an?

Erfahrungsbericht: Wie ist es, nach Augsburg zu ziehen?

Die einen beschreiben Augsburg als ihre Heimat, das non-plus-ultra. Andere warten nur auf den richtigen Moment, um “den kleinen Bruder von München” zu verlassen. Vielleicht befindet ihr euch auch eher irgendwo dazwischen, wer weiß? Fakt ist, es gibt Aspekte, die sowohl für als auch gegen Augsburg als dauerhaften Wohnort sprechen.

Meine persönliche Entscheidung nach Augsburg zu ziehen verlief eigentlich recht spontan. Ich hatte mich bisher wenig mit der Stadt befasst, kannte nur den Weg vom Bahnhof zum Rathausplatz und natürlich die Puppenkiste. Trotzdem entschied ich mich schnell dazu mein Studium hier zu beginnen, denn die lässige Atmosphäre der Stadt kam auch schon bei unserer kurzen Begegnung zur Geltung.

Nach meinem Umzug und der kurzen Eingewöhnungsphase lernte ich schnell beide Seiten der Augsburger Medaille kennen.

Freizeit in Augsburg - Langeweile oder Heimatgefühl?

Einer Person wie mir, die grundsätzlich auch nichts dagegen hätte in einer Großstadt wie Berlin oder Hamburg zu leben, kann die Augsburger Kapazität an Freizeitangeboten ab und an etwas begrenzt vorkommen. Klar ist, dass ich nach drei Jahren in Augsburg nicht mehr jede Woche eine Hand voll Cafés und Bars entdecke. Je nach Tageslaune sehe ich die Auswahl an Freizeitaktivitäten und Locations in Augsburg mal so und mal so.

Wenn man es nämlich von der anderen Seite aus betrachtet, kann es auch sehr schön sein die Favoriten der Heimatstadt immer wieder aufzusuchen. Beispielsweise fühle ich mich, wenn ich mal wieder für eine himmlische Portion Curry zu Sangam gehe, als würde ich einen alten Freund besuchen (- der sehr gut kochen kann!) und das gefällt mir ehrlich gesagt ziemlich gut.

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“Augsburg ist ein Dorf”

Wenn man Augsburg mit Großstädten wie Berlin und Hamburg vergleicht, fällt gleich auf, dass wir in Bezug auf unsere Stadtviertel eher von Mikrokosmen, als von Kulturzentren reden. Kein Wunder, dass das Antonsviertel weniger Menschen ein Begriff ist, als Kreuzberg oder das Schanzenviertel. Aber hey! Ich finde es nice, dass ich von der Uni aus weniger als zwanzig Minuten brauche, bis ich mit meinem Fahrrad in der Innenstadt bin. Klar, die Fahrradwege haben noch ein wenig Optimierungsbedarf, aber ich muss schon sagen, die Kürze der Wegstrecken hat ihre Vorteile. You know, in der Kürze liegt die Würze…

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“Hey! Du hier?!”

“In München und Umgebung zur Schule gegangen und dann gerade weit genug von Mama weggezogen, um seine eigenen vier Wände zu haben, aber am Wochenende noch zurück zu fahren und sich bekochen zu lassen.” Dieser biographische Abschnitt trifft wohl auf viele von uns zu. Ein Vorteil, oder auch ein Nachteil: Man ist in Augsburg nie allein. Geht es euch auch so, dass ihr ständig Leute “von Früher” trefft? Man sieht sich, nickt oder lächelt sich kurz zu, manchmal kommt es sogar zu einer lockeren Umarmung und einem kurzen “Na, wie geht’s?” und dann ist man froh, wieder getrennte Wege zu gehen. Vielleicht findet ihr es ja auch irgendwie schön diese Leute hin und wieder zu sehen. Wie wär’s, wenn ihr demnächst einfach alle “Na, wie geht’s”-Bekanntschaften auf ein Bier zusammentrommelt und euch mal wieder richtig austauscht?

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Mentalität: Grantler oder Locker drauf?

Über die Mentalität der Augsburger spalten sich anscheinend auch die Meinungen. Einerseits ist häufig von der “Augsburger Grantler-Mentalität” die Rede. Andererseits bekomme ich häufig gesagt, wenn ich verrate, dass ich in Augsburg wohne, dass man das ja gleich merkt, denn Augsburger sind weitaus “lockerer drauf” als Münchner. Woran das liegt, konnte mir bisher tatsächlich noch keiner erklären. Aus eigener Erfahrung kann ich jedenfalls sowohl von Grantler-Augsburgern als auch von außerordentlicher Freundlichkeit und großem Entgegenkommen berichten. Manchmal passiert es eben, dass sich zwei Augsburger vor dem Schlafzimmerfenster eine gute halbe Stunde lang anbrüllen. Verständlich, denn es ist ja auch ärgerlich, dass Heinz nicht angerufen hat, als es keine Leberkäs-Semmel mehr gab und stattdessen einen Döner mitgebracht hat. Nein, mal ernsthaft, die Augsburger sind meistens ziemlich locker drauf.

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Mein Fazit: Augsburg ist eine Stadt mit Charme und Charakter. Es dauerte nicht lange, bis sich ein Gefühl von Vertrautheit einstellte und ich glaube, wer mit einem Lächeln durch's Leben geht, wird keine Probleme mit den Augsburger Grantlern haben. (Die sind ja auch bl0ß Menschen) ;-)

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