Andreea Boyer – einmal 9 an eine Cineastin

Andreea Boyer ist gerade mal 23 Jahre alt und gewann schon internationale Filmpreise. Sie erzählt von ihrem Leben als Cineastin.

Andreea Boyer – einmal 9 an eine Cineastin

Andreea Boyer ist Regisseurin, Schauspielerin, Autorin, Produzentin und Poetin. Mit ihren gerade einmal 23 Jahren hat sie schon viel erlebt und viel erreicht. Mit ihrer Kunst möchte sie den Menschen Mut geben, die schon schwere Situationen im Leben meistern mussten. In unserer Reihe einmal 9 erzählt sie von ihrem Leben und gibt uns persönliche Eindrücke ihrer Perspektive auf die Filmwelt.

1. Was müssen unsere Leserinnen und Leser unbedingt über Dich, Andreea Boyer, wissen?

Ich liebe die Natur und ich liebe Klaviermusik. Es war deswegen eine Ehre gemeinsam mit William Goldstein „Andreea’s Three Notes” zu komponieren. Ich schreibe Gedichte und Drehbücher. Ich bin Schauspielerin, stehe aber auch hinter der Kamera. So durfte ich auf Campo Bahia in Brasilien 2014 Oliver Bierhoff und Herr Joachim Löw filmen und interviewen. Das meiste habe ich von Jack Garfein in Paris und an der Royal School of Speech and Drama in London gelernt.

2. Was bedeutet die Schauspielerei für dich?

Ich stand schon als Kind im Theater auf der Bühne. Es geht darum, die eigene Vergangenheit zu reflektieren und das bereits erlebte nochmal zu durchleben, damit die Emotionen echt sind. Manchmal brauche ich Impressionen von anderen. Ich rauche nicht. Ich trinke nicht. Ich war noch nie High. Wenn ich solche Szenen spielen muss, dann recherchiere ich und frage bei Freunden und Bekannten nach.

Freude und Leid sind nicht ewig.

Das Leben ist nicht nur schön. Bei der Schauspielerei ist es wichtig, die eigenen Emotionen zu zeigen und mit sich selbst im Reinen zu sein. Ehrlich zu sein. Die Schattenseiten des Lebens sind eine große Belastung. Mit der Schauspielerei und als Filmemacherin erlebe ich oft eine Befreiung von allem. Freude und Leid sind nicht ewig. Sie sind immer nur Momentaufnahmen, die ich in meinen Szenen aufbewahre und sie immer wieder erleben kann.

3. Warum hast du dich dazu entschieden, Filmemacherin zu werden?

Seit ich 13 Jahre alt bin, schreibe ich Drehbücher. Jeder hat seine Berufung – und das ist eben meine. Als Kind hatte ich gebrochene Beine. Jahrelang war ich in Behandlung. 24, 7 hatte ich Schmerzen, 15 Jahre lang. Währenddessen habe ich Filme geschaut. Das war die einzige Möglichkeit, mich von den Schmerzen abzulenken. Meine Mutter ist selbst Autorin und hat mir beigebracht Gedichte zu schreiben. So habe ich gelernt meine Schmerzen sprachlich auszudrücken. Mit meiner Leidenschaft für Filme habe ich Jahre später meine ersten Drehbücher geschrieben, Kurzfilme gedreht und schließlich mein Spielfilm Julia 17 realisiert.

4. Beim Film Julia 17 warst Du gleichzeitig Regisseurin, Autorin, Produzentin und Hauptdarstellerin in einer Person. Welche Auswirkungen hat es für den Film?

Hollywood ist eine männerdominierte Domäne.

Das war auf jeden Fall ein Gewinn. Alles, was ich bis dahin gelernt hatte, konnte ich nun unter Beweis stellen. In Hollywood wurde ich nur als kleine, niedliche Frau wahrgenommen. Es ist eine männerdominierte Domäne. Die haben nicht verstanden, was ich will und was ich kann. Der Film „Julia 17” ist meine Rebellion an alle Hollywood-Männer, die mich nur als Sexobjekt wahrgenommen haben. Damit wollte ich ihnen zeigen: Ich kann was! Mit Erfolg, den mein Film hat bisher zwei Awards gewonnen: Headline International Film Festival aus Kanada und Accolade Global Film Competition aus Kalifornien.

5. Ich habe mir die ersten Szenen deines Films Julia 17 angeschaut und mir ist es bei der Vergewaltigungsszene eiskalt den Rücken runtergelaufen. Wie war es für Dich, diese Szenen zu spielen?

Muss nicht noch mehr Drama rein?

Genau diese Emotion wollte ich erzeugen. Ich wollte mit dem Film provozieren. Immer wieder habe ich mir die Frage gestellt: Ist es dramatisch genug? Muss nicht noch mehr Drama rein? Bei der Vergewaltigungsszene musste non-stop Regieanweisungen geben. Es standen so viele Leute um uns herum. Es war einer der ersten Szenen, die wir gedreht haben. Deswegen musste ich mich beweisen und professionell bleiben. Es war wahnsinnig anstrengend und harte Arbeit. Die gute Regie hat zufolge, dass es sehr real aussieht, aber es ist natürlich gefaked.

In Hollywood sind solche Situationen allerdings alltäglich. Ich selbst habe viel gehört und das eine oder andere in die Richtung selbst erlebt. Stichpunkt: Harvey Weinstein. Natürlich besteht der Film nicht nur aus selbst erlebten Situationen, sondern auch aus Fiktion. Wolfgang Flatz, der im Film eine unsympathische Rolle spielt, ist beispielsweise ein fantastischer Mensch.

6. Welchen Rat gibst du anderen jungen Frauen in der Filmbranche?

Seid achtsam, glaubt nicht naiv alles, was man euch sagt, und fragt euch immer: Ist das gut für mich? Wohin führt mich das? Und: Was ist der eigentliche Grund, warum ich das tun will? Es ist wichtig sich selbst treu zu bleiben, sich nicht emotional hineinzusteigern und sich nicht manipulieren oder verändern zu lassen. Wir sind nicht nur ein vermarktbares Produkt. Wir sind Menschen. Deswegen erzähle ich meine persönliche Geschichte und markiere ganz klar meine Grenzen.

„Der Teufel sieht gut aus.“

„Der Teufel sieht gut aus“, sagt man in Hollywood. Frag’ dich auch immer: Was steckt hinter dem exzessiven Lächeln? Hinter der positiven Fassade? Welches Ziel verfolgt mein Gegenüber? Manche Manager und Agenturen fragen dich nur an, um ihrem Vorgesetzten vorzumachen, wie viel Arbeit sie doch haben. Ich recherchiere immer die Person und die Agentur, bevor ich antworte.

Viele verfallen nach einem guten Job in einen Egotrip und feiern sich selbst. Aber es ist nur ein Moment. Wichtig ist es, am Ball zu bleiben, auf lange Sicht zu planen und sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Ich schreibe beispielsweise täglich Firmen an. Eine erste Zusage ist noch keine Garantie in der Filmbranche. Es ist alles unverbindlich. Loyalität ist in der Filmbranche extrem selten. Deswegen ist es umso wichtiger, sich immer mehrere Optionen zu erarbeiten und parallel weiterzusuchen. Aktiv sein ist das A und O.

7. Wofür bist Du dankbar in deinem Leben?

Ich bin dankbar für das Leben. Dafür, dass ich diesen wundervollen Planeten sehen und alles erleben kann, dankbar für die guten Menschen und ich freue mich auf die Zukunft.

8. Was werden wir künftig noch von Dir, Andreea Boyer, hören?

Ich habe mein Mabig Film Festival gestartet mit dem Ziel, interessante, internationale Filme in Augsburg zu zeigen und natürlich bin ich immer aktiv in der Filmbranche.

9. Augsburg als Drehort – würdest du Augsburg als Drehort auswählen? Wenn ja, für welches Genre?

Augsburg ist interessanter als viele andere Städten, weil es viele verschiedene Aspekte erfüllt. Ein großer Vorteil ist die Größe. Augsburg ist vergleichsweise eine kleine Stadt. Die einzelnen Drehorte sind nah beieinander und man kann schnell von einer Kulisse in die nächste wechseln. Es ist eine wundervolle Stadt und optimal für Dreharbeiten für alle Genres. Ich empfehle Augsburg allen internationalen Filmemachern.

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