#allesdichtmachen: „Die Aktion ging gründlich in die Hose“

SchauspielerInnen üben Kritik an den Corona-Maßnahmen und befeuern die Corona-Leugner-Szene. Die misslungene Aktion zeigt, wie sensibel das Thema mittlerweile zu behandeln ist.

#allesdichtmachen: „Die Aktion ging gründlich in die Hose“

Es war eine Aktion, die bei den einen auf großen Beifall bei den anderen auf viel Kopfschütteln stieß: Namhafte SchauspielerInnen veröffentlichten am Donnerstag, den 22. April, zeitgleich sarkastische Videobotschaften zur Corona-Politik. Darunter die SchauspielerInnen Heike Makatsch, Jan Josef Liefers und Ulrich Tukur.

Eine beispiellose Aktion

Am Donnertagabend wurden drei Hashtags in Windeseile zu den meistverwendeten: #allesdichtmachen, #niewiederaufmachen und #lockdownfürimmer. Dazu veröffentlichten etwa 50 deutsche SchauspielerInnen Kurzvideos, in der sie ihre Botschaft vortrugen. Stets mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus.

Kostja Ullmann berichtete in seinem Video beispielsweise davon, wie er all seine Handykontakte löschte, um ja nicht in Versuchung zu kommen jemanden zu treffen. Er empfehle es jedem, es ginge ganz leicht und schütze nicht nur einen selbst sondern auch andere.

Tatort-Star Jan Joseph Liefers bedankte sich zynisch bei den Medien, die zuverlässig dafür sorgten, den Alarm immer ganz oben zu halten. Damit trügen sie dazu bei, dass kein „unnötiger kritische Disput uns ablenken kann, von der Zustimmung zu den sinnvollen und immer angemessenen Maßnahmen unserer Regierung.“

Sein Kollege Volker Bruch fordert die Regierung auf: „Macht uns mehr Angst“.

Bringt uns Sarkasmus und Zynismus weiter?

Dass die SchauspielerInnen, die sich hier zusammengetan haben, womöglich mit den Nerven am Ende sind und sich in einer sehr belastenden Situation befinden, ist für jeden nachvollziehbar. Aber sich auf diese Art und Weise zur Corona-Politik zu äußern, ist nicht der beste Weg, um auf die Problematik aufmerksam zu machen. Die Reaktionen unter den Videos sind zwiegespalten wie selten. Kommentare wie „Großartig! Was für eine tolle Aktion!“ wechseln sich ab mit „Schämt euch!“ und „Ken Jebsen, Tichy und der AfD gefällt das“. Das Problem, wird schnell klar: Die Querdenker-Bewegung und Menschen mit rechtem Gedankengut fühlen sich durch die Videos besonders angesprochen und teilen sie auf ihren Kanälen.

Das haben sich einige der SchauspielerInnen anders vorgestellt. Mittlerweile bereuen viele es, sich an der Aktion beteiligt zu haben. Heike Makatsch löschte ihr Video, Jan Joseph Liefers und Kostja Ullmann distanzieren sich von der rechten Szene. Ken Duken schrieb auf Instagram: „Die Aktion ist gründlich in die Hose gegangen. Ich entschuldige mich für jegliche Missverständnisse.“

Wie konnte es soweit kommen?

Dass durch die Aktion vor allem Sympathisanten aus der rechten Ecke gesammelt werden, hätte den SchauspielerInnen auch vorher auffallen müssen. Warum das nicht passiert ist?

Möglicherweise sahen viele von ihnen endlich eine Möglichkeit auf ihre Situation aufmerksam zu machen – und das in einem großen Stil, der auf jeden Fall Gehör finden würde: Etwas dass sie definitiv erreicht haben. Aber anstatt über ihre persönlichen Sorgen zu berichten, griffen sie zynisch-ironisch die Corona-Maßnahmen an und verpassten so manchem Angehörigen eines Corona-Patienten einen Schlag ins Gesicht. Zu allem Überfluss spielten der rechten Szene zu. Blöd gelaufen.

Was uns die misslungene Aktion jedoch deutlich gezeigt hat ist, dass zum einen die SchauspielerInnen mit den Nerven am Ende sind – wie die meisten Pflegekräfte wahrscheinlich auch – und viel Zeit für fragwürdige Aktionen haben, über die nicht nachgedacht wurde. Die zweite Erkenntnis, die noch viel wichtiger ist: Es wird immer schwerer, die Corona-Maßnahmen öffentlich zu kritisieren, ohne mit den Rechten und Querdenkern in eine Schublade gesteckt zu werden und ihnen zuzuarbeiten. Denn eins ist klar: ein kritischer Blick auf die Dinge ist immer wichtig, doch umso wichtiger ist es, Kritik deutlich und in einem klar abgesteckten Rahmen rüberzubringen. Sarkasmus und Ironie sind Bezug auf die Corona-Maßnahmen fehl am Platz.

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