Aera Tiret – Musikrevolution made in Augsburg

Die Art und Weise Musik zu konsumieren muss sich ändern – findet zumindest die neue Augsburger Band Aera Tiret. Sie setzen auf ein vollkommen neues Erlebnis-Konzept.

Aera Tiret – Musikrevolution made in Augsburg

Es fing alles mit einer Fernseh-Doku über ein Restaurant in Chicago an. Ein Ort, an dem Essen zum absoluten Erlebnis wird. Wo sich der Boden dreht, Risottos auf Duftkissen präsentiert werden und ein Menü-Gang auch mal schwebend serviert wird. Der Gedanke des Gründers: „Okay, ich hab geiles Essen, aber das reicht mir nicht“. Dominik Scherer, der Augsburgern als Geschäftsführer und Dozent an der Beathof Musikschule, leidenschaftlicher Produzent und virtuoser Instrumentalist bekannt sein dürfte, war sofort von dem Konzept gecatcht. Er dachte sich für sein neues Bandprojekt: „Okay, wir machen geile Musik, aber das reicht uns nicht“. Die Grundlage für Aera Tiret war geschaffen.

In seinen Drumvideos, bei denen Dominik an den unteschiedlichsten Orten vom Edeka bis Unterwasser Schlagzeug spielt, hat er immer mehrere Konzepte vereint: visuelle allein schon wegen der Location, darauf angepasste Musik und jedes Mal ein anderes Drumset und Outfits. Nach einer langen Überlegungsphase stand der Entschluss fest: Eine Band nach diesem Schema muss her. „Es sollte nie so sein, dass es ‚mein Quartett‘ wird, sondern dass ich eher Leute finde die sagen: Okay, ich sehe da irgendwas drin, baue da jetzt mein Zeug mit ein und bring meine ganze Kreativität rein“, argumentiert Dominik.

Dann ging alles ziemlich schnell. Mit Julia Hornung, Silvan Lackerschmid und Johannes Kandels hat der passionierte Drummer drei kompetente Bandmitglieder gefunden und sich mit ihnen vor dem Dreh nur zwei bis drei mal getroffen. „Deswegen war für mich klar, dass ich mir da nicht nur irgendwelche Leute holen kann, die gut Musik machen“, erklärt Dominik. „Ich brauche dafür Top-Leute, um schnell und effizient arbeiten zu können.“ Anders sei das laut ihm heutzutage auch gar nicht möglich. Entweder müsse so ein Projekt über lange Zeit aufgebaut und immer ein bisschen was gemacht oder der harte Weg gegangen werden, für den sich Aera Tiret entschieden haben: außergewöhnliche Location, Profi-Musiker, Profi-Videoteam und alles an einem Tag abdrehen. Bei nur einem Tag Vorbereitung!

„Wir haben tagsüber ein Video gedreht und eines nachts solange, bis der Hausmeister uns rausgeschmissen hat“

In der Früh um 7 Uhr ging es los, nachts um 4 Uhr wurde das letzte Kabel eingeräumt. Die Band hat an dem Tag zwei Videos gedreht. Nach dem ersten beschlossen sie sogar, die ganze Szenerie nochmal komplett abzubauen und neu zu installieren. „Die Location war einfach zu gut, um sie nicht vollkommen zu nutzen“, erläutert Dominik. „Wir haben tagsüber ein Video gedreht und eines nachts solange, bis der Hausmeister uns rausgeschmissen hat“. An und für sich wäre es auch gar nicht so schlimm gewesen, wenn das Ganze nicht live aufgezeichnet worden wäre. Die Musik sollte aber so abgebildet werden, wie sie dann in echt klingt. Der Augsburger Produzent entgegnet: „Natürlich können wir im Studio alles mögliche zusammenzimmern, aber wenn wir das dann live nicht liefern können bringt das weder uns, noch dem Publikum etwas“. Die Videos sind auch alle am Stück entstanden und kommen komplett ohne Edits aus. Die engagierte Videofirma besteht selbst aus zwei Musikern, die genau wissen, worauf es bei einem guten Musikvideo ankommt.

Das Ergebnis wurde dann vergangenen Samstag im Liliom gezeigt – vor einer ganz normalen Filmvorstellung. „Eigentlich waren die Leute ja da, um einen Spielfilm zu sehen“, resümiert Dominik. „Und dann kamen wir so: Hey, wir zeigen euch jetzt ein Musikvideo“. Das Resultat: Die Aktion ist geglückt, es war mucksmäuschenstill und am Ende haben die Leute applaudiert. Das hat das Quartett dazu beflügelt, nochmal eine Schippe draufzusetzen. Ein paar spannende Sachen haben sie dafür auch schon in petto. Area Tiret wird es nämlich nicht in einer normalen Konzertsituation geben, ohne dass irgendein Special involviert ist. Bisher geplant sind beispielsweise ein Konzert im Liliom mit 3D Visuals und viele weitere Erlebniskonzerte. Wie die aussehen können, verrät Dominik nur ansatzweise: „Da bekommst du am Anfang einen Goodiebag mit Utensilien für das Konzert. Im unspektakulärsten Fall wäre das eine Augenbinde, aber wir haben uns noch viel ausgefallenere Sachen ausgedacht.“ Die Shows sollen alle Sinne ansprechen und auch theatermäßig angehaucht sein. Aera Tiret wollen versuchen, die Leute und den Raum miteinzubeziehen.

Die Musik von Aera Tiret ist ein DJ-Konzept, jedoch komplett live mit Instrumenten. Es kann variieren, aber der Grundkontext ist immer Electro-Musik. Dabei hat die Band den Anspruch, nicht so zu tun als hätten sie elektronische Instrumente, sondern sie lassen ihre Instrumente wie elektronische klingen. „Julia spielt z.B. Kontrabass, der in der elektronischen Musik so erstmal gar nichts zu suchen hat“, erläutert Dominik. „Aber bei uns wird er so effektiert, dass da große Flächen entstehen und du dich fragst, was für ein Instrument das gerade eigentlich ist.“ Das Drumset klinge auch komplett anders und könnte keine normalen Coversongs mehr spielen, während die Gitarre einen Synthesizer ersetzt.

„Ich kann einfach Sachen ausprobieren und der Sound gibt einem ganz neue Ideen, an die man sonst nicht denkt.“

Dadurch entsteht immer tanzbarer Electro, dessen Sound davon abhängt, wie die vier Profimusiker mit den Instrumenten umgehen. Der Soundengineer Johannes verfremdet die Sounds dann live nochmal komplett. Deshalb ist er auch kein Standard-Mischer, sondern ist als festes Mitglied der Band auf der Bühne und beim Komponieren der Songs mit dabei. Gitarrist Silvan ergänzt: „Das ist auch das, was die Band interessanter macht für mich. Ich kann einfach Sachen ausprobieren und der Sound gibt einem ganz neue Ideen, an die man sonst nicht denkt.“

Von den Augsburgern haben Aera Tiret auch schon riesigen Support erhalten – womit die Band überhaupt nicht gerechnet hat. Nach einem Aufruf über ihre Social Media Kanäle, der die Leute zum Vorbestellen der Single „Augsburg“ animierte, stieg der Song am Erscheinungstag dadurch direkt auf Platz 1 in den Itunes Electronic Charts ein. „Wir haben die Position 15 Stunden halten können. Das ist für eine Band die es damals so gesehen noch nicht gab der Wahnsinn“, rekapituliert Dominik. Ein derartig großer Erfolg allein dadurch, dass die Leute das Projekt spannend fanden und einfach die Single gekauft haben, bevor sie überhaupt verfüg- und hörbar war.

Von dieser ungeahnten Wertschätzung angespornt werden die vier Musik-Revoluzzer auch weiterhin ordentlich Gas geben. Ein Album ist schon in Planung. Es soll sich um Städte drehen, die den Bandmitgliedern viel bedeuten. Mit Augsburg ging es selbstverständlich los, pro Stadt wird es dann sogar einen Feature-Gast geben. Für die Platte werden die Songs verkürzt, deshalb lohnt sich ein Besuch bei einer Show von Aera Tiret doppelt: Wegen den immer neuen, raffinierten Konzepten und den Live-Versionen der Songs, die nochmal ein ganz anderes Gesicht bekommen und deutlich länger gespielt werden. Kurz: Auf Augsburg kommt eine neue Ära des Musikgenusses zu.

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