Die mögliche Änderung des Abtreibungsparagraphen §219a

Die mögliche Änderung bzw. Abschaffung des Abtreibungsparagraphen §219a sorgte dieses Jahr für hitzige Diskussionen. Doch wieso? Und welche Folgen hätte ein neuer Gesetzesentwurf?

Die mögliche Änderung des Abtreibungsparagraphen §219a

Früher wurden ungewollte Schwangerschaften mit Kleiderbügeln, Stricknadeln und anderen spitzen Gegenständen, Kräutermischungen oder anderen mehr oder weniger laienhaften Methoden beendet. Dieses hygienisch bedenkliche Vorgehen, die fehlende Kenntnis und mangelnde Sorgfalt führten nicht selten zu Komplikationen wie Blutungen, Infektionen, Unfruchtbarkeit und in den schlimmsten Fällen auch zum Tod. Das Hinnehmen dieser Komplikationen spricht deutlich für die Verzweiflung der Frauen. Doch inzwischen müssen sich diese zum Glück längst nicht mehr in die Hände von irgendwelchen Stümpern begeben, da in Deutschland medizinisches Fachpersonal diesen doch schwierigen Eingriff vornehmen kann.

Eine Abtreibung ist halb illegal

Eigentlich eine großartige Sache für all die Frauen, die aus den verschiedensten Gründen nicht bereit und/oder gewillt sind, ein Kind zur Welt zur bringen und dieses großzuziehen. Doch trotzdem bewegt sich eine Abtreibung in Deutschland (immer noch) in einer Grauzone, irgendwo zwischen legal und eben auch illegal. Im Strafgesetzbuch sieht der Paragraf §218 Straffreiheit für den Abbruch nur innerhalb eines ausgewählten Zeitraums vor. Frauen haben also zwar die Möglichkeit sich gegen eine Schwangerschaft zu entscheiden, jedoch nicht das Recht. Und all die helfenden Mediziner gehen bei der Durchführung einer Abtreibung ein hohes Risiko ein.

§219a schadet einer ganzen Gesellschaft

Denn das Problem an der Formulierung im Paragraf §219a ist, dass nirgends festgelegt ist, was als „Anpreisung“ oder „Werbung“ erachtet wird und so verzichten viele ÄrztInnen auf den bloßen Hinweis auf das Angebot einer Abtreibung - aus Angst. Denn immer wieder gibt es Abtreibungsgegner, die das Leben eines nicht lebensfähigen Embryos über die Souveränität einer Frau stellen und durchführende ÄrztInnen anzeigen. Laut Paragraf §219a Strafgesetzbuch macht sich strafbar, wer zum eigenen Vermögensvorteil "öffentlich eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekannt gibt".

Ein Paragraf als Überbleibsel des NS-Regime

Der Paragraf $219a stammt aus der Zeit des Nationalsozialismus und allein das sollte doch schon stutzig machen, oder? Zurück geht er auf ein Gesetz aus dem Jahr 1933. Eine Zeit, in der das NS-Regime das Recht für sich beanspruchte, über den Körper seiner Bürger zu bestimmen und weibliche Selbstbestimmung keinen Wert hatte. Es ist also längst überfällig, dass hier eine Änderung bzw. Abschaffung eintritt. Denkt man unter anderem an extreme Fälle wie beispielsweise die Opfer von Vergewaltigungen, dann ist doch klar, dass ÄrztInnen die Möglichkeit eröffnet werden muss, dass sie ihren Patientinnen beistehen und auf eine mögliche Durchführung einer Abtreibung hinweisen können - und das ohne rechtliche Folgen.

Es ist also höchste Zeit, dass dieser Paragraf gestrichen wird! Wie steht ihr zu dem Thema?

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