„Eine Frechheit“: Schaustellerin nach Absage des Christkindlesmarkts

Am Freitag, den 19. November, drei Tage vor Beginn des Christkindlesmarkts, wurde dieser abgesagt. Für die SchaustellerInnen ein Schlag ins Gesicht. Dementsprechend ist die Stimmung zwischen den inzwischen wieder leergeräumten Ständen.

„Eine Frechheit“: Schaustellerin nach Absage des Christkindlesmarkts

Es war eine Entscheidung auf Landesebene, der der Christkindlesmarkt in Augsburg zum Opfer fiel. Am Freitag, den 19. November, gab Ministerpräsident Markus Söder bekannt, dass alle Weihnachtsmärkte im Freistaat ausfallen müssen. Bis zuletzt hatte die Stadt Augsburg daran gearbeitet, den Christkindlesmarkt in der Innenstadt zu realisieren. Es wurde ein umfassendes Hygienekonzept erarbeitet und alle Voraussetzungen dafür geschaffen, dass eine 2G-Regelung umgesetzt werden kann. Und dennoch: Für die 120 Augsburger SchaustellerInnen hieß es am Wochenende Enttäuschung herunterschlucken und abbauen.

Zwischen den leeren Buden

Am Montag, den 22. November, hätte der Augsburger Christkindlesmarkt eigentlich starten sollen. Dafür war alles vorbereitet worden. Stattdessen stehen nun erneut kahle Buden auf dem Rathausplatz, Lichterketten werden wieder auf ihre großen Spulen gewickelt und Tannenzweige sorgsam von den Budensimsen entfernt. Die Stimmung auf dem Rathausplatz ist spürbar gedrückt.

In einer Bude sind noch zwei SchaustellerInnen damit beschäftigt ihre Ware zurück in Kartons zu räumen. Ein Statement zur Entscheidung über die Absage wollen sie zunächst nicht abgeben. „Da fange ich lieber gar nicht erst an“, meint die Frau, die mit schnellen Griffen, Gläser in einen Karton stellt. Doch dann erzählte sie von ihrem Frust. Es sei eine Frechheit derart kurzfristig abzusagen, sagt sie. Dabei habe sie ja im Gegensatz zu manch anderen StandbetreiberInnen noch etwas Glück im Unglück. Ihre Ware sei nicht verderblich. „Daran, dass die Lebensmittelstände ihre komplette Ware wegwerfen müssen, denkt keiner“, meint sie. „So viel zu Nachhaltigkeit. Die reinste Lebensmittelverschwendung ist das.“

Wir sprechen sie auf die Entschädigungen und Hilfen an, die vom Freistaat versprochen wurden. „Als ob die bei mir ankommen“, sagt sie. Die Unternehmen könnten davon eventuell profitieren, meint sie. Aber die „Kleinen“ gingen leer aus. Für den Großteil ihrer KollegInnen bedeute die Absage des Marktes das Aus. „Das sind Familienbetriebe, teilweise in der achten Generation, die jetzt aufgeben müssen“, sagt sie.

Sie selbst hätten noch ein zweites Standbein, doch so ginge es nicht allen, meint auch ihr Kollege. Doch trotz der unverderblichen Produkte und trotz des zweiten Standbeins: Die fehlenden Umsätze, die auf dem Christkindlesmarkt erwirtschaftet werdet sollten, reißen ein tiefes Loch in die Haushaltskasse der beiden. „Eigentlich wollte ich mit dem Geld mein Haus weiter abbezahlen“, meint die Frau. Das Geld fehle ihr jetzt. Selbst wenn sie Unterstützung vom Staat in Form einer Entschädigung bekäme, seien das maximal 20 Prozent dessen, was sie eigentlich verdient hätte.

Während sie erzählt und weiter zusammenpackt, wird deutlich, wie groß die Frustration über die kurzfristige Absage ist. Und damit ist sie sicher nicht die Einzige.

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